Studie von Kasseler Germanistin

Seufz, lol und Ciao: Professoren klagen über flapsige E-Mails von Studenten

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Nicht alle Studenten treffen den richtigen Ton: E-Mails ohne namentliche Anrede oder mit einem lockeren „Hi“ kommen bei den meisten Professoren gar nicht gut an.  

Kassel. Immer wieder werden Klagen von Professoren laut, die sich über flapsige E-Mails von Studierenden beschweren. Aber stimmt es wirklich, dass so viele Studenten nicht den richtigen Ton treffen?

Und welche Erwartungen haben Dozenten überhaupt an die E-Mails ihrer Studenten? Das hat eine Germanistin der Uni Kassel in ihrer Abschlussarbeit untersucht.

Ein überraschendes Ergebnis: Wer sich den „Herrn Professor“ in der Anrede spart, muss nicht unbedingt in Ungnade fallen.

Für ihre Untersuchung hat Lehramtsstudentin Katharina Böhm 34 Dozentinnen und Dozenten aus den Geistes- und Naturwissenschaften einen Fragebogen vorgelegt. Von der Anrede bis zur Grußformel sollten sie angeben, wie eine angemessene E-Mail für sie auszusehen hat. Zudem wertete Böhm knapp 300 anonymisierte E-Mails aus, die die Lehrenden von Studenten bekommen hatten. Ein Drittel davon hatten die Empfänger als unangemessen eingestuft.

„Das heißt umgekehrt, dass der Großteil der E-Mails vollkommen in Ordnung war“, betont die 27-Jährige. Sie wollte aber genauer wissen, wo die Fettnäpfchen bei der E-Mail-Korrespondenz von Student zu Dozent liegen.

Katharina Böhm

Dabei stellte sie fest, dass vor allem der Anfang und das Ende der E-Mail entscheidend sind. „Eine falsche Anrede oder ein fehlender Gruß am Schluss fallen am stärksten ins Gewicht“, sagt Katharina Böhm. Studenten, die ihre Professoren mit einem vermeintlich lockeren „Hallo“ oder „Hi“ anschreiben, haben durchweg schlechte Karten. Eine namentliche Anrede erwarten fast alle befragten Dozenten.

Die Nennung des Titels ist für die Mehrheit allerdings kein Muss. Hier könnte die Uni Kassel als junge Hochschule mit eher flachen Hierarchien eine Sonderstellung haben, gibt Böhm zu bedenken. „An einer Traditionsuni mit Fakultäten wie Jura und Medizin mag das Ergebnis anders ausfallen.“

Dass viele junge Leute heute hauptsächlich über das Smartphone kommunizieren, schlägt sich auch auf den E-Mail-Verkehr nieder, hat die Germanistin beobachtet: „Viele E-Mails haben mich an Whatsapp-Nachrichten erinnert.“ Häufig werde dann etwa durchgehend klein geschrieben. Auch Smileys tauchten in vielen E-Mails auf. Solche Emoticons seien für die meisten Dozenten nicht grundsätzlich tabu – allerdings dürfe nicht die ganze Mail damit gespickt sein. Das gleiche gelte für Tippfehler. „Wenn es überhand nimmt, dann schwindet die Toleranz“, sagt Böhm, die diese Woche ihr Referendariat in Kassel antritt.

Manchmal musste sie beim Schreiben ihrer Abschlussarbeit selbst laut lachen: Etwa über die E-Mail eines Studenten, der mitteilte, er habe das Abgabedatum verpasst und dem Professor seine Hausarbeit deshalb an den Gartenzaun gehängt. Zugegeben eine ungewöhnliche Aktion, amüsiert sich die Germanistin. „Aber die E-Mail war sprachlich vollkommen in Ordnung.“ 

Kleiner E-Mail-Knigge 

Wir haben mit Katharina Böhm Tipps für das Verfassen von E-Mails zusammengestellt: 

Die Anrede
• So nicht: „Hallo, ich melde mich wegen meiner Examensarbeit.“ Oder: „Hey, ich wollte mal fragen, ob es für die Hausarbeit einen Abgabetermin gibt“. So beginnen tatsächlich manche Studenten Ihre E-Mails an Dozenten. Umgangssprachliche Anreden wie „Hi“ oder „Hey“ sollte man aber vermeiden. Auch „Hallo“ finden viele Dozenten nicht angemessen. Das Auslassen der namentlichen Anrede ist ein No-Go.
• So ist es gut: Auf jeden Fall den Dozenten mit Namen anschreiben, am besten mit „Sehr geehrte/r Herr/Frau X“ oder einem neutralen „Guten Tag Herr/Frau X“. Auch „Liebe/r“ finden die meisten Dozenten in Ordnung. Die Erwähnung des Titels (Prof./Dr.) erwarten nicht alle Dozenten. Hier sollte man seinem Bauchgefühl vertrauen. 

Der Text
• So nicht: „Besteht noch eine Anmeldungschance zur Klausur? Ich habe es leider verpeilt.“ Solche flapsigen Formulierungen sind unpassend. Auch mit der Groß- und Kleinschreibung nehmen es einige Studenten in E-Mails nicht so genau. Smileys oder andere typische Stilmittel der Chatsprache (*seufz*, lol) haben in E-Mails an Dozenten ebenfalls nichts zu suchen.
• So ist es gut: Groß- und Kleinschreibung und Rechtschreibung beachten. Beim Formulieren an einen Brief und nicht an eine SMS denken – auch wenn man den Text vom Smartphone schickt. Vor dem Senden nochmal auf Tippfehler durchlesen. 

Die Grußformel
• So nicht: Ein einfaches „Ciao“ oder „LG“ scheinen manche Studenten als angemessene Grußformel zu empfinden. Abkürzungen im Gruß – auch „MfG“ – sind tabu. Formulierungen wie „Herzlichst“ oder „Liebste Grüße“ sind genauso unpassend wie ein übertrieben förmliches „Hochachtungsvoll“.
• So ist es gut: „Mit freundlichen Grüßen“ oder „Viele/Beste Grüße“ eignen sich als Grußformel, unbedingt den eigenen Namen dahinter schreiben.

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