Waren im Wert von mehr als 2000 Euro ergaunert

Shopping unter falschem Namen - Paar erhält Bewährungsstrafen

Kassel. Es schien so einfach: einen Namen erfinden und damit im Internet auf Shoppingtour gehen – gegen Rechnung. Und nicht bezahlen. Waren im Wert von rund 2100 Euro hat sich ein Pärchen aus Kassel auf diese Weise ergaunert.

Doch so todsicher, wie es dachte, war alles dann doch nicht. Nun wurden die beiden 27-Jährigen vom Amtsgericht wegen gemeinschaftlichen Computerbetrugs und Urkundenfälschung verurteilt.

Beide ließ das Schöffengericht jedoch mit Bewährungsstrafen davonkommen: ein Jahr setzte es als Strafmaß für die Frau fest und anderthalb Jahre für ihren Freund. Nicht weil der die treibende Kraft gewesen wäre. Sondern weil er bereits seit seiner Jugend immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist.

Im Januar 2012 war der junge Mann aus einer Drogentherapie entlassen worden, zu der er wegen seines Cannabis-Konsums verdonnert worden war. „Ich hatte keine Wohnung, ich hatte kein Geld, ich hatte nichts“, erzählt er. Er zog zu der Frau in die Nordstadt. „Und dann sind wir auf diese dumme Idee gekommen.“ Gezielt suchten sie nach Hausbriefkästen, die frei zugänglich waren und gerade von niemandem genutzt wurden. In der Kohlenstraße wurden sie fündig - und klebten frei erfundene Namen an die Kästen. Unter dieser falschen Identität gaben sie dann mehrfach Bestellungen bei Online-Händlern auf. Kauften Kleidung, mengenweise Kaffee oder auch Überwachungskameras.

Die Benachrichtigungskarten der Paketboten fischten sie danach aus den Briefkästen, stellten sich selbst eine Abholvollmacht aus und gingen zur Post, um sich die Sendungen geben zu lassen. „Vor dem Computer war es wie ein virtuelles Spiel“, sagte Verteidigerin Gudrun Meyer. „Schwierig wurde es erst beim Abholen.“ In der Realität also.

Zunächst funktionierte zwar auch das noch reibungslos. Doch nach vier Bestellungen bekamen die Angeklagten kalte Füße. „Wir hatten Angst, in die Post reinzugehen“, sagt der Mann. „Wir dachten, vielleicht wartet da schon die Polizei.“ Weitere fünf Pakete mit einem Warenwert von insgesamt 2800 Euro trauten sie sich nicht mehr abzuholen - sie wurden nach dem Ende der Aufbewahrungsfrist an die Internet-Versandhäuser zurückgeschickt. Der Betrug blieb im Versuch stecken, ein Schaden entstand nicht. Aber auch ihre gelungenen Gaunereien wollen die Angeklagten wieder gutmachen: In Raten von monatlich hundert Euro stottern sie ihre Schulden ab. Eine Rückgabe der Beute ist nicht mehr möglich: Alles, was sich das Paar beschafft hat, ist längst weiterverkauft.

Von Joachim F. Tornau

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