Nach Messerattacke

Sicherheit im Kasseler Nordstadt-Quartier: Attacken innerhalb des Milieus

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Tatort, Vorplatz Reuterschule: Hier wurde der 34-jährige Steven N. am 19. November 2016 mit einem Messerstich in den Hals getötet.

Kassel. Nach den jüngsten blutigen Auseinandersetzungen im Quartier zwischen Stern und Holländischer Platz stellen sich viele die Frage, ob dies ein sicherer Ort für documenta-Besucher ist.

Wenn die documenta 14 am 10. Juni eröffnet wird, dann soll auch die Hauptpost an der Unteren Königsstraße davon profitieren. Die seit Jahrzehnten ungenutzte Postler-Kantine im 4. Stock wird dann zum documenta-Schauplatz. In der Großküche werden die Gastronomen Rainer und Frank Holzhauer (Grischäfer) ein modernes Restaurant eröffnen. Zudem soll auf der Grünfläche in Richtung Holländischer Platz ein Biergarten eingerichtet werden. 

 „Wir haben alle documenta-Standorte im Blick und kümmern uns natürlich auch um die Sicherheit“, sagt Polizeisprecher Torsten Werner mit Blick auf die Sicherheit für Besucher. Besucher der Kunstausstellung, die die Hauptpost aufsuchen wollen, müssten keine Sorge um ihre Sicherheit haben. Wenn es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen am Stern in der Vergangenheit - wie am Wochenende - gekommen sei, dann seien die überwiegend innerhalb des kriminellen Milieus ausgetragen worden, so Werner. 

Dass es in dem Bereich immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen auch mit Toten kommt, wird an folgenden Beispielen deutlich.

Fall 1: Polizist schoss aus Notwehr

Der Einsatz war tragisch und folgenreich und endete im März 2015 für einen Kasseler Polizeibeamten mit der Einstellung eines Ermittlungsverfahrens. Der Mann hatte bei einem Einsatz in einem Haus an der Unteren Königsstraße 91 in der Nacht zum Donnerstag, 6. November 2014, auf einen 23-jährigen Mann geschossen, der zuvor neun Schüsse auf seine Kollegen abgegeben hatte. Eine damals 37-jährige Polizeibeamtin und ein 31-jähriger Polizeibeamter waren dabei schwer verletzt worden. Der 23-jährige Angreifer starb infolge des Schusses.

Die Staatsanwaltschaft Kassel leitete daraufhin ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Totschlags gegen den Polizeibeamten ein, die Ermittlungen übernahm das Landeskriminalamt. Die Ermittlungsbehörde kam schließlich zu dem Ergebnis gekommen, dass der Schuss des Polizisten auf den 23-Jährigen gerechtfertigt gewesen sei, der Beamte habe „aus Notwehr“ gehandelt, zudem sei der Schusswaffengebrauch durch das Gefahrenabwehrrecht gedeckt gewesen.

Fall 2: In Bein geschossen

Zu drei Jahren und drei Monaten Haft wurde im Oktober 2016 ein damals 26-jähriger Libyer vor der Kasseler Amtsgericht verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er am 27. November 2015 mittags auf der belebten Unteren Königsstraße einen gleichaltrigen Mann aus Algerien mit einem Oberschenkeldurchschuss schwer verletzt hat. Was der Grund für den Streit zwischen den beiden Männern war, blieb auch nach zehn Verhandlungstagen unklar. Denn Schütze und Angeschossener seien sich „nicht grün“ gewesen. Beide kannten sich seit Jahren durch Drogengeschäfte

Fall 3: Tod vor Reuterschule

Ein 34-jähriger Mann aus Kassel wurde im November 2016 festgenommen. Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft steht er im dringenden Tatverdacht, in der Nacht zum Mittwoch, 19. November 2016, den gleichaltrigen Steven N. auf einem Platz an der Jägerstraße/Gießbergstraße in der Nordstadt mit einem Messerstich in den Hals getötet zu haben. Der Tatort ist ein Treffpunkt der Kasseler Trinker- und Drogenszene, zu der auch das Opfer Steven N. gehörte.

Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Dr. Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel, ist im Februar dieses Jahres Anklage gegen den Verdächtigen wegen des Verdachts des Totschlage erhoben worden. Die sechste Strafkammer des Kasseler Landgerichts muss noch über die Zulassung der Anklage entscheiden. Der Mann sitzt weiterhin in Untersuchungshaft.

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