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So schön könnte der Holländische Platz sein: Entwürfe für eine Umgstaltung

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Von: Bastian Ludwig

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Offener Fußgängerbereiche statt Unterführung: Die Studierenden Sijia Hou, Ziyu Chen und Zhen Zhu schlagen eine „Unterbrückung“ vor. Rechts im Bild ist das Gebäude K10 der Uni zu sehen, links der Verkehr auf der Kurt-Wolters-Straße.
Offener Fußgängerbereiche statt Unterführung: Die Studierenden Sijia Hou, Ziyu Chen und Zhen Zhu schlagen eine „Unterbrückung“ vor. Rechts im Bild ist das Gebäude K10 der Uni zu sehen, links der Verkehr auf der Kurt-Wolters-Straße. © Sijia Hou, Ziyu Chen und Zhen Zhu

Ein oft überlasteter Verkehrsknotenpunkt ohne jede Aufenthaltsqualität. So ließe sich der Holländische Platz beschreiben. Seit Jahren wird in der Stadtpolitik und auch an der Universität immer mal wieder über eine Umgestaltung gesprochen. Nun zeigt eine Ausstellung angehender Architekten-, Stadt- und Landschaftsplaner, welche Varianten denkbar sind.

Kassel - „Der Holländische Platz ist eine neuralgische Stelle in Kassel, die stark vom Verkehr belastet ist. Er ist das Gegenstück zum Brüder-Grimm-Platz – eine Art Entree in die Stadt“, sagt Prof. Stefan Rettich vom Fachgebiet Städtebau der Uni Kassel. Doch sei der Hopla in keinster Weise einladend. Während der Brüder-Grimm-Platz nun aufgewertet werden solle, bleibe beim Holländischen Platz großer Handlungsbedarf.

Platz stärker baulich begrenzen: Dies sieht der Entwurf von Kathrin Mundry und Jana Reuse vor.
Platz stärker baulich begrenzen: Dies sieht der Entwurf von Kathrin Mundry und Jana Reuse vor. © Bastian Ludwig

In der Ausstellung „ADAS – Autopsie der autogerechten Stadt“, die ab sofort im Neubau des Fachbereichs „Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung“ zu sehen ist, haben sich neun Teams aus Master-Studierenden Gedanken über eine Umgestaltung gemacht. Rettich und seine Kollegin Ariane Röntz, Professorin für Landschaftsarchitektur und Entwerfen, haben das Projekt betreut.

Die Ausstellung startet mit einem historischen Exkurs zu den autogerechten Stadtschneisen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in vielen Städten entstanden sind. Kassel ist eine von neun Städten, die untersucht wurden. Dort wurde der Innenstadtring betrachtet – der auch Teil einer Videoinstallation zu den Stadtschneisen ist.

„Heute kaum vorstellbar, aber das waren Repräsentationsräume und Visitenkarten der Nachkriegsgesellschaft. Deshalb finden wir dort auch in Kassel viele wichtige Einrichtungen wie Gerichte, das Regierungspräsidium, Versicherungen und Banken“, sagt Rettich. Insofern seien dies auch Denkmäler. „Das heißt aber natürlich nicht, dass man sie nicht verändern sollte“, so Rettich.

Mehr Grün: Die Pläne von Henk Härtel-Klopprogge und Linda-Laußmann ergänzen den Bestand schonend.
Mehr Grün: Die Pläne von Henk Härtel-Klopprogge und Linda-Laußmann ergänzen den Bestand schonend. © Henk Härtel-Klopprogge und Linda-Laußmann

In einem weiteren Teil werden die Entwürfe zum Holländischen Platz gezeigt. Obwohl diese sehr unterschiedlich sind, gibt es Ansätze, die sich in mehreren Arbeiten wiederfinden. Um Raum für Aufenthaltsqualität zu schaffen, braucht es aus Sicht der Studierenden eine Entflechtung der Verkehrsströme. Allein auf der Holländischen Straße sind täglich 40 000 Autos unterwegs. Viele der Teams haben deshalb den Auto- und Lkw-Verkehr aus und in Richtung Vellmar umgelenkt. Er soll über den Westring geführt werden, der Holländische Straße und Wolfhager Straße verbindet. Lediglich die Straßenbahn soll weiter auf direktem Weg von der Unteren Königsstraße in die Holländische Straße fahren.

Neues Platzgefühl: Delia Rothas und Nils Weiper sperren die Zufahrt in die Holländische Straße ebenfalls für den Individualverkehr und erweitern die Randbebauung.
Neues Platzgefühl: Delia Rothas und Nils Weiper sperren die Zufahrt in die Holländische Straße ebenfalls für den Individualverkehr und erweitern die Randbebauung. © Bastian Ludwig

Der Straßenraum würde viel weniger Platz einnehmen, was Raum für Bäume, Bänke, Haltestelle und Ähnliches bietet. So bliebe der Holländische Platz nur durch die Achse Kurt-Wolters-Straße/ Wolfhager Straße als stark befahrene Verbindung belastet. „Sicher handelt es sich hierbei um eine Verlagerung des Verkehrsproblems, aber an eine weniger sensible Stelle“, findet Rettich.

Ein weiterer Punkt, der sich in fast allen Arbeiten wiederfindet, ist die bauliche Einengung des großen Platzes. Erst durch die Dichte des Raums entstehe Qualität, so Rettich. Bis zum Zweiten Weltkrieg war der Platz baulich deutlich stärker begrenzt – auch dies wird in der Ausstellung deutlich. Durch Um- und Rückbauten der Gebäude lasse sich bereits einiges erreichen. Ein Entwurf sieht vor, an Stelle des Gebäude des Bauvereins das documenta-Institut zu errichten.

Ein Team aus chinesischen Studierenden schlägt gar vor, die heutige Unterführung zugunsten einer „Unterbrückung“ umzugestalten. Es entstünden tieferliegende, offene Fußgängerbereiche, die teils von Brücken überspannt sind. Deutlich leichter umsetzbar wäre ein Entwurf, der unter anderem den Rückbau der Rampen in die Unterführung vorsieht. Die Unterführung soll als Kunstort erhalten bleiben, aber nur noch mit zwei Auf- und Abgängen. Der Fuß- und Radverkehr würde oberirdisch geführt. So würde Platz für grüne Aufenthaltsflächen entstehen. (Bastian Ludwig)

Ausstellung: „ADAS – Autopsie der autogerechten Stadt“. Neubau ASL, Universitätsplatz 9. Bis 25. Mai. Täglich 10-17 Uhr.

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