„Kein Einkaufen, das ist Krieg“

Sonderpostenverkauf sorgte für Verkehrschaos in der Nordstadt

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Einlassstopp: Wer am Freitag zum Sonderpostenverkauf in den Aldi am Westring wollte, der musste viel Zeit mitbringen. Die Schlange vor dem Eingang reichte über den gesamten Parkplatz.

Kassel. Stau auf der Holländischen Straße, kein Durchkommen am Westring: Hundert Meter lang ist die Menschenschlange vor dem Eingang. In Kassel gab es nichts umsonst, sondern lediglich Sonderposten bei Aldi.

„Das hier ist kein Einkaufen, das ist Krieg“, tönt es aus der Schlange, die sich vor der Eingangstür des Aldi-Marktes am Westring in der Nordstadt bildet. Aktuell herrscht Einlassstopp. Wer noch etwas von den Sonderposten abstauben will, der muss sich gedulden. Einige Kunden stehen schon über eine Stunde an.

„Im Ruhrgebiet haben wir mit den Rabattaktionen schon mal ganze Autobahnabfahrten lahmgelegt“, erinnert sich ein Aldi-Mitarbeiter. Eine Autobahn gibt es nahe der Kasseler Nordstadt zum Glück nicht, aber es staut sich. Auf der Holländischen Straße geht stadteinwärts am Freitagmorgen teilweise nichts mehr. Dicht an dicht reihen sich die Fahrzeuge. Es wird gehupt und geflucht. Ein Parkplatz direkt vor dem Markt? Eher ein Zufallstreffer.

Wer sonst unter der Woche die Verbindungsstraße zwischen Wolfhager Straße und Holländischer Straße entlangfährt, hat bei der Parkplatzsuche meist freie Wahl. Nicht so am Freitag, Wer es geschafft hat, sich bis zum Markt vorzukämpfen, der muss allerdings die nächste Geduldsprobe auf sich nehmen. Quer über den Parkplatz reihen sich die Schnäppchenjäger. Sicherheitspersonal kontrolliert den Einlass. „Wir mussten hier die Situation ein bisschen einbremsen, damit nicht zu viele Personen gleichzeitig im Aldi-Markt sind“, heißt es. Wer warten muss, drückt sich die Nase an der Scheibe der Eingangstür platt.

Eigentlich hat der Aldi-Markt am Westring hat seit Jahresende geschlossen. Die Filiale öffnete am Freitag noch mal zum Verkauf aktueller Sonderposten, ebenso am Samstag.

Überblick verloren: Beim Blick in den Markt fällt es schwer, die Schlangen an den Kassen zwischen den vielen Menschen zu erkennen.

Regale, Matratzen, Bettwäsche, Handtücher, Besen, Gesellschaftsspiele, Dekoartikel – wer zwischen den Regalen entlang läuft, verliert die Orientierung. Wo beginnt die Kassenschlange? Wer sucht noch nach Schnäppchen? Und vor allem: Was kann ich noch kaufen und welche Artikel haben sich schon andere Kunden reserviert?

Eine Frau in der Kassenschlange packt eine Stulle aus und beißt genüsslich hinein. Sie setzt sich auf ihre vielen Einkäufe. Eilig hat es hier niemand. Was gekauft werden soll wird entweder übereinander in einen Einkaufswagen gestapelt oder in große Plastiktaschen gestopft. An den Wänden kleben Plakate mit runden Summen: Bettwäsche für sechs Euro, Kissen für drei.

Besonders beliebt bei den Käufern sind Wäschekörbe, die eignen sich nämlich auch wunderbar, um die Artikelmengen aus dem Laden zu schaffen.

Das Piepen der Kassen wird von Ausrufen in unterschiedlichen Sprachen unterbrochen. „Hier sind sie alle“, sagt ein Mitarbeiter. Definitiv aber niemand, der nur einen Artikel kaufen will. Wer zum Sonderpostenverkauf kommt, der macht sich eher Gedanken, wie sich die vielen Einkäufe im Auto verstauen lassen.

„Wer ist der Nächste?“, ruft eine Mitarbeiterin an der Kasse, eine andere hilft beim Einpacken. Eine Kundin kommt zurück, sie hat eine Matratze zu wenig bezahlt. Wahrscheinlich in dem Gewusel zwischen Kasse und Regalen kein Einzelfall. Aber auch das Problem können die Mitarbeiter schnell lösen.

Ab 9 Uhr geht es am Samstag weiter. Dann wird es vermutlich wieder zu Stau auf der Holländischen Straße kommen. Aus demselben Grund wie tags zuvor: Sonderpostenverkauf im Aldi.

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