Spiel mit der Gentechnik: Professor zeigt mit Rätselkarten Verblüffendes

Sein Kartenspiel soll über Gentechnik aufklären: Prof. Wolfgang Nellen vom Institut für Biologie, Abteilung Genetik. Foto: Ludwig

Kassel. Die Methoden, mit denen Wissenschaftler in das Erbgut von Tieren und Pflanzen eingreifen, sind für Laien kaum nachvollziehbar. Ebenso wenig transparent sind die Anwendungsgebiete.

Zwar bestehe in der EU eine Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Produkte, diese gelte aber längst nicht für alle Bereiche, sagt Prof. Wolfgang Nellen vom Institut für Biologie, Abteilung Genetik, der Uni Kassel. Deshalb hat er ein Kartenspiel entwickelt, das bei der Aufklärung helfen soll. Es liefert verblüffende Erkenntnisse.

Wer hätte zum Beispiel gewusst, dass in Geldscheinen Gentechnik steckt? Prof. Nellen erklärt, warum: „Es liegt an der Baumwolle, die ein Bestandteil der Scheine ist. Weltweit sind 70 Prozent der angebauten Baumwolle gentechnisch verändert.“ Eine Kennzeichnung, die auf die Gentechnik hinweise, finde sich dennoch nicht auf den Scheinen.

So sei es auch mit vielen anderen Produkten. Denn nur Nahrungsmittel seien kennzeichnungspflichtig, und das auch nur, wenn ihr Gentechnik-Anteil über 0,9 Prozent liege. Wegen genetischer Verunreinigungen, etwa wenn gentechnikfreies Soja in Baumwollsäcken transportiert werde, sei es in vielen Fällen nur schwer möglich, 100 Prozent gentechnikfreie Produkte auf den Markt zu bringen.

Um hier für Verbraucher Klarheit zu schaffen und auf die unterschiedlichen Anwendungsgebiete hinzuweisen, hat Nellen mit seinen Kollegen ein Rätsel-Fragenspiel mit 36 Spielkarten produziert. „Das Spiel soll weder für die Gentechnik werben, noch soll es eine Kritik daran sein. Es geht dabei nur um Fakten“, sagt der Professor, der ansonsten der Gentechnik aufgeschlossen ist.

Das Spiel ist im Zusammenhang mit dem Projekt Sciencebridge entstanden, das molekularbiologische Experimente an nordhessische Schulen bringt. Es ist für 9,90 Euro bei Prof. Nellen zu bestellen.

Wo steckt Gentechnik drin?

In Jeans? 

Ja, 70 Prozent der weltweiten Baumwollproduktion ist gentechnisch verändert worden. Dennoch besteht keine Kennzeichnungspflicht für die Hosen. Nur sehr selten gibt es Jeans aus Bio-Baumwolle.

In viereckigen Melonen? 

Nein. Viereckige Melonen entstehen dadurch, dass die Früchte während des Wachstums in viereckige Behälter aus lichtdurchlässigem Kunststoff gesteckt werden.

In Waschmittel? 

„Ja, häufig“, sagt Prof. Nellen. In vielen Waschmitteln seien gentechnisch hergestellte Enzyme enthalten. Dadurch hätten die Waschmittel eine bessere Waschkraft. Weil dies früher nicht der Fall gewesen sei, seien auch die Waschpulverpäckchen viel größer gewesen, so Nellen.

In Insulin?

Ja, das für Diabetiker wichtige Produkt wird, wie viele andere Medikamente, mit Gentechnik hergestellt.

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