Rund um die Uhr Ausgabe von sterilen Nadeln

Drogenhilfe will ersten Spritzenautomaten für Süchtige in Kassel aufstellen

Timo Eichel von der Drogenhilfe Nordhessen zeigt die Päckchen mit sauberen Spritzen, mit denen ein Automat vor dem Café Nautilus ausgestattet werden soll.
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Saubere Nadeln für Drogenabhängige: Timo Eichel von der Drogenhilfe Nordhessen zeigt die Päckchen mit sauberen Spritzen, mit denen ein Automat vor dem Café Nautilus ausgestattet werden soll.

Die Drogenhilfe Nordhessen will vor dem Café Nautilus im Schillerviertel einen Spritzenautomaten aufstellen. Es wäre der erste dieser Art in Kassel und der gesamten Region.

Kassel - An dem Automaten sollen Süchtige, die sich regelmäßig Drogen spritzen, für 50 Cent Päckchen mit sterilen Nadeln und Spritzenkörpern ziehen können. Ebenso können gebrauchte Spritzbestecke an dem Automaten sicher entsorgt werden.

Das Gerät, das wie ein Zigarettenautomat funktioniert, soll an der Fassade des Café Nautilus angebracht werden – in einer Höhe außerhalb der Reichweite von Kindern, sagte Timo Eichel von der Drogenhilfe Nordhessen. Er stellte das Vorhaben im Ortsbeirat Nord-Holland vor. Mit dem Automaten wolle man zusätzliche Gesundheitsrisiken für Betroffene verringern, so der Sozialarbeiter. „Safer use“, lautet das Stichwort – sprich: mehr Sicherheit beim Konsum von Drogen.

Wenn Drogenabhängige keine frischen Nadeln zur Verfügung hätten, würden sie häufig gebrauchte Spitzen benutzen, oder sie borgten sich welche, schilderte Eichel. So können Krankheitserreger wie HIV und Hepatitis-Viren übertragen werden. Man beobachte seit einiger Zeit, dass diese Erkrankungen bei Betroffenen zunehmen, sagte der Sozialarbeiter. Auch Abszesse und Venenentzündungen können beim Gebrauch schmutziger Spritzen entstehen.

„Wenn die Menschen schon Drogen nehmen, wollen wir, dass sie dies sicher tun“, sagte Timo Eichel. Auch im Café Nautilus wird seit jeher ein Spritzentausch angeboten. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben der Drogenhilfe 74 000 Nadeln und 40 000 Spritzenkörper ausgegeben. Mit dem Automaten könne man künftig auch außerhalb der Öffnungszeiten und am Wochenende sterile Spritzen zur Verfügung stellen. Auch die kontaktlose Ausgabe bedeute in der Pandemiezeit mehr Sicherheit – nicht nur für die Nutzer, sondern auch die Mitarbeiter des Café Nautilus.

Die Anschaffung des Automaten werde etwa 2500 Euro kosten, sagte Eichel. Die Fahrenden Ärzte Kassel hätten bereits Unterstützung zugesagt. Der Ortsbeirat, in dem das Vorhaben der Drogenhilfe auf Zuspruch stieß, stellte ebenfalls in Aussicht, Geld für den Automaten zur Verfügung zu stellen. Bei der Stadt Kassel habe man für den Spritzenautomaten bereits grünes Licht erhalten, sagte Eichel gegenüber der HNA.

Es handele sich bei dem Vorhaben um Prävention, betonte der Sozialarbeiter. „Es wird nicht dafür sorgen, dass mehr gespritzt wird.“ An dem Automaten sollen außer den Spritzen auch Kondome verfügbar sein. Deutschlandweit gibt es 177 Spritzenautomaten, die weitaus meisten davon in Nordrhein-Westfalen.

In Hessen wäre Kassel der vierte Standort – neben Frankfurt, Marburg und Stadtallendorf. (Katja Rudolph)

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