Streit in der Nordstadt

Neubau von Wohnungen in Kassel: Investor will Stadt verklagen

So sollte es ursprünglich werden: Der Gebäuderiegel sollte sich von der Bunsenstraße (im Bild) bis zur Holländischen Straße in Kassel erstrecken. Er sollte Platz für 100 Wohnungen bieten.
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So sollte es ursprünglich werden: Der Gebäuderiegel sollte sich von der Bunsenstraße (im Bild) bis zur Holländischen Straße in Kassel erstrecken. Er sollte Platz für 100 Wohnungen bieten.

In Kassel sollen 8000 neue Wohnungen entstehen. Ein Kasseler Investor fühlt sich beim Wohnungsbau durch das Stadtplanungsamt ausgebremst und droht mit Klage.

Kassel – Bis 2030 sollen 8000 neue Wohnungen in Kassel entstehen. Das ist erklärtes Ziel der Stadt. Ein Kasseler Investor fühlt sich beim Wohnungsbau durch das Stadtplanungsamt ausgebremst.

Die Fünfte Heitmann Immobilien GmbH wollte ursprünglich 100 Mietwohnungen auf einem Grundstück zwischen Bunsenstraße und Holländischer Straße in Kassel errichten. Dieses Bauvorhaben wurde nach einem Veto der Stadtplanung zunächst eingedampft und dann auch in kleinerer Form versagt. Nun droht das Unternehmen mit Schadensersatzklage gegen die Stadt.

Neubau von Wohnungen in Kassel: Pläne für eine Wohnanlage mit 100 Einheiten entwickelt

Die Planungen waren bereits vor drei Jahren entstanden. Der Bauherr hatte an der Bunsenstraße 31 eine alte Halle gekauft, die zuvor von einem Autohaus genutzt worden war. Im Vorfeld des 1,2 Millionen Euro teuren Ankaufs habe man sich beim Stadtplanungsamt rückversichert, ob auf dem 3400 Quadratmeter großen Areal ein entsprechendes Wohnungsbauvorhaben möglich ist, sagt Geschäftsführer Philipp Heitmann. Und weiter: „Im Rathaus haben wir damals offene Türen eingerannt. Man stand dem Vorhaben grundsätzlich offen gegenüber.“

Weil der für das Gebiet gültige Bebauungsplan aus 1967 stammt und nur eine reduzierte Bebauung (30 Prozent der Fläche) zulässt, wurde Anfang 2019 ein Antrag auf Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes gestellt. Dieser sollte den Weg für eine deutlich dichtere Bebauung frei machen. Zudem entwickelte der beauftragte Kasseler Architekt Kristof Precht Pläne für eine Wohnanlage mit 100 Einheiten, die sich von der Bunsenstraße bis zur Holländischen Straße erstrecken sollte. Geplant war eine Bebauung von gut zwei Dritteln des Grundstücks.

Soll für den Neubau abgerissen werden: Die alte Lagerhalle an der Bunsenstraße in Kassel.

Kassel: Anträge für Neubauten vom Stadtplanungsamt zurückgewiesen

„16 Monate haben wir auf eine Rückmeldung aus dem Rathaus gewartet“, so Precht. Erst Mitte 2020 sei der Antrag durch das Stadtplanungsamt zurückgewiesen worden. Dort hielt man das Projekt für überdimensioniert. In weiteren Gesprächen wurde über ein fünfgeschossiges Haus mit 60 Wohnungen verhandelt, das an der Bunsenstraße stehen sollte. Dieses wurde Ende 2020 versagt.

Gleiches geschah jüngst mit einem erneuten Antrag für ein viergeschossiges Haus mit 53 Wohnungen. Begründet wurde es diesmal mit fehlenden Abstandsflächen zum Nachbargrundstück, das der Telekom gehört. „Dabei hatten wir uns bei unseren Planungen an einer Skizze des Stadtplanungsamtes orientiert, die eine Grenzbebauung ohne Abstandsflächen vorsah“, sagt Precht. Allerdings hatte der Nachbar diesem nicht zugestimmt.

Heitmann und Precht erheben Vorwürfe gegen das Stadtplanungsamt und dessen Leiter Volker Mohr. „Es gibt keinen vernünftigen Dialog und keine verlässlichen Aussagen“, sagt Precht. Dadurch sei dem Unternehmen ein Schaden von 250 000 Euro durch Planungskosten und Zinstilgung für den Grundstückskauf entstanden. Eine entsprechende Schadensersatzklage werde vorbereitet.

Neubau von Wohnungen in Kassel: Geplantes Gebäude sei „zu massiv“

Der Leiter des Stadtplanungsamtes Volker Mohr weist die Kritik zurück. Einer Wohnbebauung habe er sich von Anfang an aufgeschlossen gegenüber gezeigt. Allerdings sei man nach Vorlage der Entwürfe und interner Prüfung zu dem Schluss gekommen, dass das ursprüngliche Bauvorhaben „keine städtebaulich verträgliche Lösung“ sei. Dafür sei das geplante Gebäude „zu massiv“. Über den Zeitraum, den die Prüfung in Anspruch genommen habe, könne man sich streiten. Die Kollegen im Stadtplanungsamt seien ausgelastet durch etliche Großbauprojekte. „Viele Investoren kommen immer mit dem Maximum. Das macht längere Abstimmungen erforderlich“, so Mohr.

Die vom Stadtplanungsamt an Heitmann versandte Skizze zu einer möglichen Bebauung des Grundstücks habe nur das maximal Mögliche umrissen. Als erfahrener Bauherr müsse er wissen, dass bei einer Grenzbebauung die Abstimmung mit den Nachbarn trotzdem zwingend ist. „Für ein viergeschossiges Gebäude mit entsprechenden Abstandsflächen würde der Bauherr eine Genehmigung bekommen“, so Mohr. Auch für ein zweites Gebäude an der Holländischen Straße wäre dies möglich. Allerdings liege dazu kein Antrag vor.

„Wir sind daran interessiert, dass das Grundstück entwickelt und aufgewertet wird. Deshalb haben wir für den Bereich Holländische Straße, Nordstadtpark, Bunsenstraße, Fiedlerstraße auch eine städtebauliche Studie in Auftrag gegeben, die noch vorgestellt werden soll“, sagt Mohr. Ziel sei es, den Wohnanteil in diesem Bereich zu erhöhen. (Bastian Ludwig)

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Auch in der Südstadt von Kassel sollen neue Wohnungen entstehen. Die Nassauische Heimstätte/Wohnstadt (NHW) hat für die Bebauung des Areals des ehemaligen Versorgungsamts an der Frankfurter Straße ihre Pläne vorgestellt. Danach entsteht hier für insgesamt 350 Wohnungen auf 25 000 Quadratmetern Wohnfläche eine Bebauung in mehreren Gebäudekomplexen.

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