Uni-Studie: Für klimafreundliche Produkte wollen viele nicht mehr bezahlen

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Deutsches Wetter im Klimawandel: Seit einigen Jahren gibt es mehr Hitzetage und mehr Starkregen.

Kassel. Die große Mehrheit der Deutschen glaubt an den Klimawandel. 78 Prozent sind davon überzeugt, dass der Klimawandel bereits stattfindet. Weitere zwölf Prozent erwarten ihn in Zukunft. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Kassel.

Laut Prof. Andreas Ziegler, Leiter des Fachgebiets Empirische Wirtschaftsforschung, beträgt der Anteil der Klimaskeptiker weniger als sechs Prozent. Außerdem würden der Befragung zufolge 73 Prozent der Deutschen öffentliche Programme für den Klimaschutz unterstützen. Aber nur 41 Prozent wären bereit, selber höhere Preise für klimafreundliche Produkte zu akzeptieren.

Die Ergebnisse dieser vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützten Studie könnten als Basis für künftige Entscheidungen in der Klima- und Energiepolitik dienen. Ziegler suchte auch nach den Gründen für die jeweiligen Einstellungen der Menschen.

„In Deutschland ist das Umweltbewusstsein ausschlaggebend für die Einstellung zum Klimawandel“, sagt er. Gesellschaftliche und politische Lager sowie die Religion spielten dagegen keine Rolle. Das Fazit für politische Entscheidungsträger könnte sein: Um in Sachen Klimawandel etwas zu erreichen, müssen wir an das Umweltbewusstsein der Menschen appellieren.

Ziegler hatte für die Studie insgesamt 3400 Menschen in Deutschland, China und in den USA befragt. Im Gegensatz zu Deutschland sind in den USA nur 69 Prozent vom Klimawandel überzeugt. „Dort hängen Einstellung zum Klimawandel und dessen Bekämpfung sehr stark von der ideologischen Orientierung der Menschen ab“, sagt der Wissenschaftler.

So gehörten politisch rechts stehende, konservative und stark religiös geprägte Menschen in den USA eher zu den Klimaskeptikern, demokratisch und progressiv ausgerichtete Menschen würden den Klimawandel dagegen wahrnehmen. Generell befürworten mit 44 Prozent in den USA deutlich weniger Menschen öffentliche Programme zum Klimaschutz als in Deutschland, nur 28 Prozent der Befragten sind bereit, selbst Geld für klimafreundliche Produkte zu bezahlen. Und knapp jeder Zehnte der befragten US-Bürger bestreitet der Studie zufolge sogar, dass der Mensch zum Klimawandel beiträgt.

Anders ist die Einstellung der Menschen in China. „Vor allem in großen Städten erfahren die Menschen die Auswirkungen etwa der Luftverschmutzung in Form von Smog fast täglich am eigenen Leib“, sagt Ziegler. Kein Wunder, dass laut der Studie 89 Prozent der Befragten dort den Klimawandel bereits jetzt wahrnehmen und weitere neun Prozent ihn in Zukunft erwarten.

„In China erklärten sich außerdem 80 Prozent der Befragten bereit, mehr Geld für klimafreundliche Produkte zu bezahlen“, sagt der Wissenschaftler.

Die Studie war Teil des Projekts „VolFair - Bedeutung freiwilliger Beiträge und von Fairnesspräferenzen für den Erfolg internationaler Klimapolitik“. Die Federführung des Projekts hatte die Universität Kassel.

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