Im Schnitt 343 Euro pro Monat

Studieren und malochen: Fast drei Viertel der Kasseler Studenten haben Nebenjob

Konzentriert: Marian Bodden folgt mit der 1500 Watt starken Lampe den Schauspielern auf der Bühne. Über Mikrofon und Kopfhörer steht er in Kontakt mit seinem Chef. Foto: Giessen

Kassel. Marian Bodden blickt über die Köpfe der Theaterzuschauer hinweg auf die Bühne. Der 30-Jährige bedient einen Strahler zum Ausleuchten. Der Lehramtsstudent aus Kassel arbeitet als Aushilfe beim Staatstheater Kassel. Er ist einer von vielen, die sich neben dem Studium Geld dazuverdienen.

72 Prozent der Kasseler Studierenden jobben neben ihrem Studium. Das geht aus der jüngsten Sozialerhebung des Kasseler Studentenwerks hervor.

Der angehende Gymnasiallehrer (Geschichte und Germanistik) arbeitet nicht nur als Beleuchter. Er assistiert auch bei Auf- und Abbau der Theaterkulisse und hilft bei deren Umgestaltung in den Pausen. „Beide Theaterjobs machen wahnsinnig Spaß und passen gut zu meinem Studienschwerpunkt Drama“, erzählt der 30-Jährige. Gebucht wird er für einzelne Theaterproduktionen. Derzeit wirkt er als Beleuchter an der Komödie „Floh im Ohr“ mit. Etwa 60 Stunden Arbeit hinter der heißen Lampe seien das bei dieser Produktion. Bis zu 450 Euro verdient Bodden dabei monatlich.

Das ist mehr als der Durchschnitt der Kasseler Studenten, die nach den Zahlen des Studentenwerks im Schnitt 40 Stunden arbeiten und 343 Euro pro Monat verdienen. Ähnlich wie Bodden verdienen die meisten ihr Geld mit Aushilfsjobs – zum Beispiel in einer Fabrik, im Büro oder in der Kneipe (35 Prozent). Auf Platz zwei der Beliebtheitsskala landet ein Job als studentische Hilfskraft an der Uni (26 Prozent). 12 Prozent erteilen Nachhilfe. 8 Prozent haben studienfachbezogene Jobs.

Im Schnitt kommen die Kasseler Studierenden so auf ein monatliches Einkommen von 839 Euro. Trotz des hohen Anteils von Studenten mit Nebenjob: Der Löwenanteil bei der Studienfinanzierung entfällt auf Mama und Papa. 87 Prozent der Studenten erhalten von ihren Eltern einen Zuschuss zum Studium (im Schnitt 400 Euro). 36 Prozent bekommen Bafög (444 Euro).

Für die Suche nach einem Nebenjob empfiehlt das Studentenwerk die Online-Jobbörse der Agentur für Arbeit. Über das Schwarze Brett der Uni (www.uni-kassel.de/sw_brett) können Studenten gezielt Stellen als wissenschaftliche Hilfskräfte oder andere Jobs suchen. Zudem braucht das Studentenwerk selbst regelmäßig Aushilfen, die beispielsweise in den Mensen mitarbeiten. Auch das Staatstheater (www.staatstheater-kassel.de) sucht derzeit Studierende, die wie Marian Bodden hinter den Kulissen helfen.

„So eine Arbeit kostet viel Zeit, auch während der Woche“, macht Bodden klar. Das erfordere auch ein gutes Zeitmanagement, um parallel die an der Uni anfallenden Aufgaben zu schaffen.

Von dem Blick hinter die Bühne profitiere er aber auch in Zukunft. Der angehende Lehrer will seinen Schülern später das Theater näherbringen. Er weiß dann auf jeden Fall, wovon er redet.

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