Veranstalter kann Sicherheit auf Holländischer Straße nicht gewährleisten

Tag der Erde in Kassel wird in Seitenstraßen verlegt

Kassel. Aus Sicherheitsgründen kann der Tag der Erde am 22. April nicht auf der Holländischen Straße stattfinden. Eine Alternativroute wurde aber bereits gefunden.

Der Tag der Erde wird nicht wie geplant entlang der Holländischen Straße stattfinden. Das teilten der Vorsitzende des Umweltvereins Hubert Grundler und Hanna Bielefeld-Hart vom Umwelt- und Gartenamt am Donnerstag in der Ortsbeiratssitzung in Nord-Holland mit. Jetzt soll das Straßenfest zwischen Uni und Eisenschmiede stattfinden.

Die Sicherheitsbedenken, die die Feuerwehr und die KVG jüngst geäußert hatten, hätten letztlich dazu geführt, von der Holländischen Straße als Veranstaltungsort Abstand zu nehmen, sagte Grundler. Zwar bedauere man dies zutiefst, doch die Bedenken seitens der Behörden seien – wenn auch nachvollziehbar – so massiv gewesen, dass keine andere Möglichkeit geblieben sei.

Risiko für Fußgänger und in Notfällen

Konkret habe die KVG, die den Straßenbahnbetrieb während des Festes regulär aufrecht erhalten möchte, verlangt, dass der Veranstalter während der gesamten Dauer des Festes sicherstellt, dass kein Besucher den Gleiskörper betritt. „Das können wir nicht leisten“, sagt Grundler. Käme es zu einem Unfall, würde der Vorstand des Umweltvereins dafür haften, erklärte Bielefeld-Hart.

Weil einige Seitenstraßen ausschließlich über die Holländische Straße anfahrbar sind, hatte die Feuerwehr Bedenken geäußert, dass die Rettungskräfte im Notfall nicht schnell genug vor Ort sein könnten. Auch dies habe die Entscheidung beeinflusst, das Fest zu verlegen.

Tag der Erde 2018 soll von der Holländischen Straße in die Gottschalkstraße, Fiedlerstraße und Mombachstraße verlegt werden.

Das ist die Alternativroute

Ziel sei es nun, das Straßenfest auf der bereits diskutierten Alternativroute zu feiern. Diese verläuft entlang der Gottschalk- und Fiedlerstraße, also von der Uni über den Schlachthof bis zur Eisenschmiede.

Bis offiziell bestätigt werden könne, dass der Tag der Erde am 22. April auf der neuen Route stattfindet, seien aber noch einige Details mit den beteiligten Behörden zu klären, sagt Grundler. Dies soll am kommenden Dienstag bei einer gemeinsamen Begehung der Strecke geschehen.

Dabei wird es vor allem um die Rettungswege für Feuerwehreinsätze gehen. Davon wird abhängen, ob die Festmeile schon am Parkplatz an der Henschelstraße oder hinter der Moritzstraße beginnt.

Was das für die Aussteller bedeutet

Die neue Route ist mit 1,1 Kilometer um 300 Meter kürzer als die ursprüngliche auf der Holländischen Straße. Trotzdem wolle man möglichst keine Abstriche bei der Anzahl an Ausstellern machen, sagte Grundler. Deshalb prüfe man auch Möglichkeiten, das Fest auf Flächen am Schlachthof, im Nordstadtpark und in Hinterhöfe entlang der Strecke auszuweiten. In der Planung seien 200 bis 220 Stände vorgesehen.

Der Ortsbeirat hatte den Veranstaltern am Donnerstag auch für die Alternativroute seine Unterstützung zugesagt. Obgleich Ortsvorsteher Hannes Volz die Entscheidung der KVG bedaure, den Schienenverkehr nicht einzustellen. Er appellierte an den Geist des Umweltfestes: „Es geht darum, für einen Tag eine viel befahrene Straße vom Verkehr zurückzuerobern.“

Das sagt die KVG

Welche Sicherheitsbedenken haben seitens der KVG bezüglich des Standpunkts Holländische Straße bestanden?

"Auf der Holländischen Straße fahren die Bahnen auf einer eigenen, von der Straße abgetrennten Gleisfläche, einem so genannten besonderen Bahnkörper. Das Betreten einer solchen Fläche ist aus Sicherheitsgründen grundsätzlich verboten und nur an ausgewiesenen und besonders gesicherten Stellen erlaubt. Für den Tag der Erde hätte deshalb der Veranstalter die Trasse auf gesamter Länge mit nicht verschiebbaren Zäunen versehen müssen, um das Queren zu verhindern. Hätte es hinsichtlich der Sicherheit und der Kosten vertretbare Lösungen gegeben, hätte die KVG diese selbstverständlich umgesetzt. 

Die KVG hat in der Vergangenheit die Organisatoren des Tags der Erde aktiv unterstützt und wird das auch weiterhin. In der Holländischen Straße sind die verkehrlichen Rahmenbedingungen und die Sicherheitsanforderungen aber deutlich zu komplex. Auch das vom Umwelthaus beauftragte Sicherheitsunternehmen hat hier keine Möglichkeiten gesehen, außer den Tramverkehr einzustellen, was aber aus anderen Gründen nicht sinnvoll ist."

Warum wollte oder konnte die KVG den Betrieb auf diesem Abschnitt nicht einfach für einen Tag einstellen?

In der Holländischen Straße befördern wir mit Straßenbahnen, Bussen und in den Regiotrams an einem durchschnittlichen Sonntag fast 14.000 Fahrgäste. Am Tag der Erde wären Tausende hinzugekommen. Ein Bus-Ersatzverkehr in diesen Ausmaßen hätte hohe Kosten für den Veranstalter verursacht. Bei einer Sperrung der Holländischen Straße für den gesamten Verkehr wäre es außerdem kaum möglich, die Besucher mit dem ÖPNV akzeptabel nahe an den Veranstaltungsort zu bringen und sie über die lange Distanz vom Holländischen Platz bis zur Eisenschmiede zu befördern, da geeignete Ausweichstrecken nicht bestehen. 

Herausgekommen wäre insgesamt nur eine unbefriedigende, extrem aufwändige und sehr kostspielige Lösung. Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Straßenbahnen sind die umweltfreundlichsten Verkehrsmittel. Der Tag der Erde ist ein Umweltfest. Ausgerechnet bei solch einer Veranstaltung keine Trams anzubieten, wäre ein Widerspruch in sich.

Das Umweltfest zum Tag der Erde 2017 fand im Kasseler Stadtteil Wolfsanger statt: 

Rubriklistenbild: © Fischer

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