Für den Frieden

600 Teilnehmer beim Ostermarsch - Abgeordnete kritisierte Regierung

400 marschierten vom Bebelplatz Richtung Rathaus: Diese Friedensaktivisten ließen sich auch von der Kälte am Montagmorgen nicht abschrecken. Fotos:  Fischer

Kassel. Knapp 600 Aktivisten nahmen am Ostermarsch in Kassel teil. Das waren 100 Teilnehmer weniger als im Vorjahr, die für den Frieden marschierten.

Bevor Nadine Fingerhut „Erst mal noch nen Kaffee“ geschrieben hat, habe sie sich darüber Gedanken gemacht, warum so wenige Menschen auf die Straße gehen, sagte die Musikerin am Ostermontag vor dem Kasseler Rathaus und begann zu singen. Dort hatten sich auch nicht wirklich viele Menschen versammelt, um an der Kundgebung des diesjährigen Ostermarsches teilzunehmen. Die Polizei schätzte die Zahl der Aktivisten, die für den Frieden marschierten, auf knapp 600 Menschen. Das waren 100 weniger als im Vorjahr.

Am Vormittag hatten rund 180 Demonstranten am Halit-Platz in der Nordstadt und 400 am Bebelplatz den Ostermarsch begonnen. Letztere Gruppe machte traditionell einen Zwischenstopp am Mahnmal für die Opfer des Faschismus am Weinberg. Rolf Wekeck (Kasseler Friedensforum) erinnerte dort an den jüdischen Kinderarzt Felix Blumenstein, der 1906 Chefarzt im Kasseler Kinderkrankenhaus Park Schönfeld wurde. Die Nationalsozialisten sprachen 1933 gegen Blumenfeld ein Berufsverbot aus. In der Folge wurde der Arzt durch „dauernde kleine und große Schikanen durch die Nazis“ zermürbt. Als ihm 1942 die Verschleppung ins Konzentrationslager drohte, beging Blumenfeld Suizid.

Nach dem Kriegsende vor 70 Jahren hätten die Menschen gelernt, dass von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen dürfe, sagte Wekeck bei der Abschlusskundgebung vor dem Rathaus.

Hunderte Teilnehmer bei Ostermarsch in Kassel

Wenn man dort den Worten der Hauptrednerin, der Bundestagsabgeordneten Sevim Dagdelen (Die Linke), lauschte, bekam man allerdings den Eindruck vermittelt, dass die deutsche Bundesregierung an den meisten Konflikten weltweit zumindest eine Mitschuld trägt. Die schwarz-rote Regierung betrachte „Krieg als Mittel der Politik“, sagte Dagdelen. Zudem gehörten Gewalt gegen Flüchtlinge, Migranten, Andersdenkende und Linke hierzulande mittlerweile zum Alltag,

Im Mahnmal für die Opfer des Faschismus: In diesem Jahr wurde an den jüdischen Kinderarzt Felix Blumenfeld erinnert.

Die außenpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion ging auch auf den Bürgerkrieg in der Ukraine ein. In diesem Zusammenhang bezeichnete sie es als Schande, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel dem russischen Präsidenten Wladimir Putin die Teilnahme zu den Feierlichkeiten am 9, Mai in Moskau abgesagt hat. „Jeder Mensch, der die Freiheit liebt, verdankt der Roten Armee mehr, als er jemals im Leben zurückzahlen kann“, zitierte Dagdelen den Schriftsteller Ernest Hemingway.

Die „massive Eskalationspolitik gegenüber Russland“ von Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier führe dazu, dass „wir uns wieder im Kalten Krieg befinden“.

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