„Das war keiner von uns“

Tötungsdelikt vor Reuterschule: Szene ist erleichtert über schnelle Festnahme

Der Tatort ist zur Gedenkstätte geworden: Blumen, Kerzen und Schnapsflaschen wurden für den getöteten Steven N. abgestellt. Auf dem Foto rechts ist ein überquellender Mülleimer auf dem Platz vor der Reuterschule zu sehen. Fotos:  Malmus (2), Archiv (1)

Kassel. „Wir hoffen, dass sie das Dreckschwein bekommen, das Steven auf so eine brutale Art und Weise umgebracht hat.“ Diese Hoffnung hatte ein 49-Jähriger am Freitag erst gegenüber der HNA geäußert. Umso erleichterter war der Mann, als er am Mittwoch erfahren hat, dass die Kriminalpolizei einen Tatverdächtigen festgenommen hat.

Ein 34-jähriger Mann aus Kassel wird dringend verdächtigt, den 34-jährigen Steven N. in der Nacht zum Mittwoch, 19. Oktober, vor der Reuterschule in der Nordstadt in den Hals gestochen zu haben. Die Kripo ermittelt wegen Mordverdachts.

Der Tatort ist ein Treffpunkt der Kasseler Trinker- und Drogenszene. Die Tötung ihres Kumpels Steven und die Festnahme des möglichen Täters waren am Mittwoch natürlich auch Thema bei den über 20 Frauen und Männern, die sich dort aufhielten und Bier tranken.

Über den Verdächtigen wussten die Anwesenden nichts. Sie waren sich allerdings einer Sache ziemlich sicher: „Das war keiner von uns. Bestimmt nicht“, sagte ein Mann, der seinen Namen nicht nennen möchte. Eine Frau beschimpfte ihn, dass er überhaupt mit der Presse redet.

Ein junger Mann hielt sich nicht an die Vorgabe der Frau. Er redete. Er habe gehört, dass es sich bei dem Festgenommenen nicht um einen Mann aus der Szene handeln soll. Opfer und Täter sollen sich dennoch gekannt habe, berichtete der junge Mann.

Ein 40-Jähriger erzählte, dass Steven ein Freund von ihm gewesen sei. Er bedauere, dass er vergangene Woche nicht vor Ort war, um einzugreifen. „Wenn ich hier gewesen wäre, dann hätte ich mich um Steven gekümmert und geholfen, den Täter zu fassen“, sagte der Mann.

Wenig begeistert zeigten sich die Männer und Frauen davon, als unsere Fotografin den übervollen Mülleimer mit Schnapsflaschen auf dem Platz fotografierte. Die Stadtreiniger hätten schon seit einer Woche den Behälter nicht geleert, so die Kritik der Szene. Zudem würde immer nur schlecht über sie berichtet und geschrieben, dass sie Alkohol trinken würden.

Wahlkampfthema der CDU

Die Probleme mit der Trinker- und Drogenszene sind inzwischen zum Thema im Oberbürgermeisterwahlkampf geworden. Die Situation sei nicht länger hinnehmbar, erklärt der CDU-Stadtverordnete und Oberbürgermeisterkandidat, Dominique Kalb, in einer Presseerklärung. Er wirft dem rot-grünen Magistrat Untätigkeit vor. Nach den Vorkommnissen im Stadtteil Wesertor und dem tödlichen Gewaltdrama im Umfeld der Paul-Julius-von-Reuter-Schule sollte klar sein, dass hier Handlungsbedarf bestehe.

Das Projekt des Trinkraums in Kassel sei endgültig gescheitert, so Kalb. Die „rot-grüne Verhinderungspolitik, die sich allen bisherigen vernünftigen Vorschlägen widersetzt“ habe, sei verantwortlich für diese „schlimmen Missstände“.

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