Umbau historischer Gottschalk-Bauten in der Nordstadt beginnt

Liegen seit fast 20 Jahren brach: Die sogenannten Kopfbauten der alten Gottschalkfabrik. Rechts sieht man den Sciene-Park-Neubau.

Kassel. Noch sind die Fenster vernagelt oder zugemauert, und es ist düster und muffig in den alten Backsteinbauten auf dem nördlichen Uni-Campus. Bald soll aber neues Leben in die ehemaligen Gottschalk-Gebäude einziehen, die direkt neben dem modernen Science Park fast wie Ruinen wirken.

Seit Ende der 1990er-Jahre stehen die denkmalgeschützten Industriebauten leer. Wo früher die Tuchfabrik Gottschalk ihre Stoffe färbte, imprägnierte und trocknete, soll künftig das studentische Leben pulsieren: Die Uni richtet den Komplex für 4,9 Mio. Euro als „Studierendenhaus“ her. Dort sollen der Asta mit seinen Büros und Beratungsstellen sowie das studentische Kulturzentrum einziehen, das derzeit im K19 untergebracht ist.

Alter Industriecharme soll wieder glänzen: Die heruntergekommenen Gebäude werden für 4,9 Millionen Euro wieder flott gemacht und umgebaut. Unser Bild zeigt Pressesprecher Sebastian Mense (links) und Karl Haase von der Bauabteilung der Uni. Foto: Schachtschneider

Im August sollen die Bauarbeiten beginnen. Im Februar 2019 soll alles fertig sein. Bis dahin ist viel zu tun: Wer durch die alten Räume geht, muss über Schutt und Pfützen steigen. Alte Rohre und Kabel ragen aus den Wänden. Von der alten Nutzung zeugt noch ein großer Trichter unter der Decke – eine Art riesige Dunstabzugshaube. Dennoch haben sich im Lauf der Jahrzehnte an den Wänden und Böden Rückstände der damals genutzten Substanzen abgesetzt. Deshalb müssen zu Beginn der Sanierung sämtliche Oberflächen abgestrahlt werden, um eventuelle Schadstoffe abzutragen, erläutert Karl Haase, stellvertretender Leiter der Bauabteilung der Uni. Auch die Graffiti an den Wänden, die die Studenten zumindest teilweise gern erhalten hätten, werden dabei verschwinden.

Der eher raue Industriecharme des 1910 errichteten Gebäude solle aber erhalten bleiben, betont Haase. Um während der Sanierung keine bösen Überraschungen zu erleben, hat die Uni umfangreiche Voruntersuchungen der Bausubstanz vornehmen lassen. Dabei hat sich auch herausgestellt, dass die Stahlträger der Kappendecken mit ihren schmucken Wölbungen an einigen Stellen angerostet sind. Deshalb muss das Tragwerk mit Querstreben verstärkt werden. Die Baukosten, die zuvor mit 4,5 Mio. Euro angesetzt waren, haben sich dadurch leicht erhöht.

Die großen Hallen werden mit Leichtbauwänden boxenartig unterteilt und als Büros genutzt. Der Mitteltrakt zwischen den beiden Einzelgebäuden erhält einen gläsernen Aufbau und soll ein flexibel nutzbarer „Kommunikationsraum“ werden. Auch ein Repair-Café, eine Art Selbsthilfe-Werkstatt zur Reparatur kaputter Alltagsgegenstände, will der Asta im neuen Domizil einrichteten. Mit knapp 1400 Quadratmetern hat die studentische Selbstverwaltung am neuen Standort doppelt so viel Platz wie bisher. Der sprichwörtliche Partykeller gehört auch dazu: Im Untergeschoss wird – neben der Haustechnik – der studentische Club samt WC-Anlagen, Backstagebereich und Lagerflächen eingerichtet. Dort kann 2019 dann gleich die Eröffnungsfete steigen.

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