Kasseler Wissenschaftler untersuchten Entwicklung von Kindern

Sport ist gut für das Sozialverhalten

Sport macht nicht nur fit: Auch die sozialen Kompetenzen von Kindergartenkindern werden durch Bewegungsangebote gefördert. Das haben Kasseler Sportwissenschaftler in einer Feldstudie herausgefunden. Foto: dpa

Kassel. Regelmäßige Bewegung wirkt sich positiv auf das soziale Verhalten von Kindergartenkindern aus. Das haben jetzt Sportwissenschaftler von der Universität Kassel herausgefunden.

Für ihre für Kassel repräsentative Studie begleiteten Professor Volker Scheid und der wissenschaftliche Mitarbeiter Johannes Knauf insgesamt 200 Kindergartenkinder aus dem Stadtgebiet.

„Wenn man Kinder motorisch fördert, kann man sie damit auch in ihrem sozialen Verhalten fördern“, fasst der 55-jährige Professor die wichtigste Erkenntnis der Feldstudie zusammen. Dass sich Sport positiv auf die geistige Entwicklung von Kindern auswirke, sei bereits schon länger bekannt. „Dass es jedoch auch einen ähnlichen Zusammenhang zwischen motorischer und sozialer Kompetenz gibt, war bislang empirisch noch nicht hinreichend erforscht“, sagt er.

Über 16 Monate erfassten die Forscher die Entwicklung der Kinder in zwölf Kasseler Kitas. Sie stellten den Kindern, die sie vom fünften Lebensjahr bis zur Einschulung begleiteten, in bestimmten Zeitabständen verschiedene Bewegungsaufgaben. Die Wissenschaftler testeten unter anderem die Balancefähigkeit, die Ballfertigkeit sowie das Handgeschick. Außerdem befragten sie die Eltern nach den Freizeitsportaktivitäten ihrer Kinder. „40 Prozent der Kinder waren zum Zeitpunkt der Studie in einem Sportverein aktiv“, sagt Johannes Knauf (32).

Auch die Erzieherinnen beteiligten sich an der Studie. Sie schätzten mithilfe von Fragebögen das soziale Verhalten der Kinder ein. Gefragt wurde beispielsweise nach dem Umgang mit gleichaltrigen Kindern, nach der Kooperationsfähigkeit, dem Durchsetzungsvermögen und der Bereitschaft zum Teilen. „Auffällig ist, dass Kinder mit Vereinserfahrung beim sozialen Verhalten signifikant positiver eingeschätzt wurden als andere Kinder“, sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter. Deshalb sei es aus Sicht der Forscher wünschenswert, dass Kitas und Sportvereine künftig enger kooperieren. „In den Vereinen wird offenbar mehr für die Sozialkompetenz der Kinder getan, als bisher wissenschaftlich belegt“, sagt Volker Scheid.

Die Sportwissenschaftler stellten insgesamt gesehen auch Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen fest. Während Jungen besonders bei den Bewegungsübungen Werfen und Fangen besser abschnitten, wurden die weiblichen Kindergartenkinder vor allem im Umgang mit anderen Kindern sozial kompetenter eingeschätzt.

Knauf wertet die Studie jetzt für seine Doktorarbeit detailliert aus. „Ob aus den Ergebnissen Lehren für den Kita-Alltag gezogen werden, liegt dann an den Verantwortlichen“, sagt er.

Von Sebastian Schaffner

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