Junger Mann war wegen anderem Fall vor Gericht

Angeklagter gesteht Vergewaltigung einer 16-Jährigen nahe Kasseler Kneipe "Mutter"

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Eine Vergewaltigung hat er eingeräumt: Der 22-jährige Angeklagte aus Nigeria, der sich derzeit vor der Großen Jugendkammer verantworten muss.

Kassel. Ein 22-jähriger Angeklagter aus Nigeria hat vor dem Kasseler Landgericht gestanden, vor zwei Jahren eine damals 16-Jährige in der Kasseler Nordstadt vergewaltigt zu haben.

Allerdings bestreitet er weiterhin, eine 28-jährige Frau im Sommer 2016 in Kassel vergewaltigt zu haben. Wegen dieses Falls stand er ursprünglich vor Gericht.

„Die Wahrheit kann befreiend sein“, sagte der 22-jährige Angeklagte am Dienstagvormittag vor der 10. Großen Jugendkammer des Kasseler Landgerichts, bevor er ein Geständnis ablegte. Er räumte ein, im Mai 2015 ein damals 16-jähriges Mädchen nachts vor der Kneipe „Mutter“ in der Kasseler Nordstadt vergewaltigt zu haben.

Dass er sich an der Jugendlichen vergangen hat, war erst im Laufe des Prozesses herausgekommen. Bis dahin musste sich der Flüchtling aus Nigeria wegen einer Vergewaltigung einer 28-jährigen Frau im Juli 2016 auf der Friedrich-Ebert-Straße und Beleidigung verantworten. Diese Taten hat er bislang abgestritten. Die 16-Jährige hatte sich bei der Polizei gemeldet, nachdem sie kürzlich von diesen Fällen in der Zeitung gelesen hatte.

Tatort: Bunsenstraße

Am Dienstag gestand der 22-Jährige ohne Umschweife, dass die 16-Jährige vor zwei Jahren sein Opfer wurde. Allerdings habe er in dieser Nacht Kokain konsumiert und reichlich Alkohol getrunken. „Ich konnte mich nicht kontrollieren“, sagte der junge Mann über sein Handeln.

Er habe die 16-Jährige in der „Mutter“ getroffen. Weil es dort zu laut war, um sich zu unterhalten, seien sie vor die Tür gegangen. Dort habe er dann die Jugendliche, die an einem Auto stand und sich nicht bewegen konnte, gegen ihren Willen geküsst und habe sie mit seinen Fingern vaginal penetriert. Das Opfer habe sich gewehrt und ihn zwischen die Beine getreten. Erst dann habe er sie losgelassen. Die junge Frau, die mittlerweile auch Nebenklägerin in dem Prozess ist, sagte am Dienstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus.

Vergewaltigung auf Friedrich-Ebert-Straße

Ob die 28-jährige Nebenklägerin, die behauptet hat, von dem Mann im Juli vergangenen Jahres nach einer Partynacht auf der Friedrich-Ebert-Straße vergewaltigt worden zu sein, glaubwürdig ist, darüber sollte ein Gutachten des Göttinger Psychiaters und Psychologen Dr. Georg Stolpmann am Nachmittag Aufschluss geben.

Nach einem rund zweistündigen Vortrag fasste Stolpmann zusammen, dass es Hinweise darauf gebe, dass „Aussagetüchtigeit und Aussageverlässlichkeit“ dieser Frau eingeschränkt seien. Das habe auch an ihrer Alkoholisierung gelegen. Der Gutachter geht davon aus, dass die 28-Jährige in der Nacht einen Alkoholgehalt von 1,57 Promille hatte.

Bei dem aussagepsychologischen Gutachten gehe es darum, festzustellen, ob die konkrete Aussage einer Person Kriterien erfüllt, die auf wahren Erlebnissen beruhen, erklärte Stolpmann. Der Psychologe hat nach der polizeilichen Vernehmung der Frau mehrmals mit ihr gesprochen. Zudem sind die Aussagen der Frau in der Hauptverhandlung in sein Gutachten geflossen.

Demnach hätten sich mehre Abweichungen in den verschiedenen Aussagen der Frau ergeben. Sie habe zum Beispiel unterschiedliche Angaben über den Beschuldigten gemacht. Zunächst habe sie gesagt, er sei dunkel gekleidet gewesen und sie kenne ihn nicht. Später habe sie behauptet, der Mann habe weiße Kleidung getragen und heiße Samuel. Bei der Polizei habe sie behauptet, sie wisse nicht, mit was der Täter in sie eingedrungen sei, vor Gericht sei sie dann sicher gewesen, es sei sein Penis gewesen.

Ein mögliches Motiv für eine Falschaussage der Frau könne sein, dass sie sich erhoffte, als Opfer einer Vergewaltigung mehr Aufmerksamkeit von ihrem Freund zu bekommen, so der Gutachter.

Er machte aber auch deutlich, dass trotz dieser Widersprüche die Vergewaltigung so geschehen sein könne, wie von der Frau geschildert worden sei. „Wie das zu werten ist, ist Aufgabe des Gerichts, sagte Stolpmann.

Der Prozess wird am Montag, 15. Mai, 2017 fortgesetzt.

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