Vater des Mädchens erhebt schwere Vorwürfe

Achtjährige Yara an Kasseler Schule geschubst und geschlagen: Jetzt spricht das Schulamt

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Pressegespräch: Auf dem Podium stellten sich Stefan Löwer, Sprecher des Kultusministeriums, Martina Bleckmann, Leiterin der Carl-Anton-Henschel-Schule, und Sabine Schäfer vom Staatlichen Schulamt (von links) den Fragen der Journalisten.

Im Fall der achtjährigen Yara, die sich an der Kasseler Henschel-Schule in Auseinandersetzungen Verletzungen zugezogen hatte, haben nun die Schule und das Staatliche Schulamt Stellung bezogen.

"Es ist unstrittig, da hat Streit stattgefunden und Yara hat Blessuren davongetragen“, sagte die Schulleiterin Bleckmann am Donnerstag auf einer Pressekonferenz. Yara sei geschubst worden und habe Schürfwunden erlitten. Wer sie mit einem Gegenstand attackiert habe, konnte nicht ermittelt werden. Ein zweiter Konflikt habe sich ebenfalls auf dem Pausenhof zugetragen. Yara und weitere Kinder seien in eine Rangelei geraten und attackiert worden. 

Bei den Vorfällen seien unterschiedliche Kinder beteiligt gewesen, es habe sich weder um Mobbing, noch um eine kulturelle Problematik gehandelt. Der Vater von Yara hatte schwere Vorwürfe gegen die Schule erhoben. Zum einen soll seine Tochter wegen der vielen Ausländer auf der Schule Deutsch verlernt haben, zum anderen sei er von den Vorfällen nicht informiert worden. 

Das Medieninteresse bei dem Pressegespräch in Kassel war am Donnerstag groß: Die stellvertretende Leiterin Sabine Schäfer und die Direktorin der Carl-Anton-Henschel-Schule, Martina Bleckmann, gaben Rede und Antwort in einer Angelegenheit, die sich im Frühjahr ereignet und die Wellen ausgelöst hatte.

Yara, Erstklässlerin an der Carl-Anton-Henschel-Schule, war zwei mal kurz hintereinander Opfer von tätlichen Auseinandersetzungen auf dem Schulhof geworden. Am 30. April war sie geschubst worden, hingefallen und hatte sich Schürfwunden zugezogen. Außerdem war sie von einem anderen Kind, das ihr unbekannt war, mit einem Gegenstand am Bauch verletzt worden.

Fünf bis sieben Zentimeter lange Schramme am Bauch

Nach der Pause erzählte Yara ihrer Lehrerin von den Vorfällen und zeigte ihr auch eine fünf bis sieben Zentimenter lange Schramme auf der Haut des Unterbauchs. Das Mädchen habe nicht geblutet und habe auch nicht über Schmerzen geklagt, sagte Schulleiterin Bleckmann. Die Lehrerin habe ein Pflaster aufgebracht. Die Frage, ob sie Yaras Eltern anrufen solle, habe die Achtjährige verneint. Sie wollte weiter am Unterricht teilnehmen.

Da Yara den Angreifer nicht kannte, habe ihr die Klassenlehrerin angeboten, in der nächsten Pause gemeinsam nach ihm zu suchen. Doch Yara habe wohl die Verabredung vergessen und sei mit ihren Freundinnen in die Pause gezogen. Angst habe sie keine, soll sie geäußert haben. Recherchen unter den Lehrern, die Pausenaufsicht gemacht hatten, seien ergebnislos gewesen, so Bleckmann. „Wir wissen bis heute nicht, wer der Junge war.“

Yara wurde von einem Jungen an den Hals gegriffen

„Im Nachhinein betrachtet wäre es besser gewesen, wir hätten Yaras Vater benachrichtigt“, sagt Bleckmann. Vier Tage später war Yara in der zweiten Pause erneut mit Gewalt auf dem Schulhof konfrontiert. Sie geriet zusammen mit einem Freund in den Streit zwischen zwei anderen Erstklässlern. Auch hier wurde geschubst, Yara fiel hin und zog sich Schürfwunden zu. Außerdem sei sie von einem Jungen an den Hals gegriffen worden. Das sei dann keine Rangelei mehr. Bleckmann: „Es ist klar, dass wir da sofort tätig werden müssen.“ 

Lehrer hätten eingegriffen, so Bleckmann, und alle fünf beteiligten Kinder seien in den Ganztagsbereich gebracht worden. Zuerst seien die Schürfwunden versorgt worden, dann habe sich die Schulmediatorin der Auseinandersetzung angenommen. Nach einem „klärenden Gespräch“ hätten sich die Aggressoren bei den Kindern, die sie verletzt hatten, entschuldigt.

Pressegespräch: Auf dem Podium stellten sich am Donnerstag Martina Bleckmann, die Leiterin der Carl-Anton-Henschel-Schule, den Fragen der Journalisten. 

Außerdem mussten sie sich „pädagogischen Maßnahmen“ unterziehen, das heißt Klassendienste und ähnliches erledigen. „Von Ordnungsnmaßnahmen haben wir abgesehen“, so Bleckmann. Es sei dann ausgemacht worden, am nächsten Tag die Eltern aller beteiligten Kinder zu informieren und zu einem Gespräch in die Schule einzuladen.

Vater zeigt Verletzung der Tochter im Internet

Doch Yaras Vater, Mike F., war nach den zwei Angriffen auf seine Tochter aufgebracht und hatte noch am gleichen Tag beim Staatlichen Schulamt Beschwerde erhoben. Außerdem habe er Fotos seiner Tochter, die die Schramme am Bauch zeigten, im Internet gepostet.

„Von da an war der Fall beim Schulamt“, so Bleckmann. Sie habe keinen Versuch mehr unternommen, Yaras Vater zu kontaktieren.

Yara sei vom zweiten Vorfall an der Henschelschule fern gebleiben. Mit dem Schulamt habe Mike F. ausgemacht, dass seine Tochter die Schule wechselt.

Den Antrag hierzu habe er erst Wochen später gestellt. Zwei Tage später sei er genehmigt worden, so Sabine Schäfer. Inzwischen besucht Yara eine andere Grundschule. „Die Klassenkameraden sind darüber sehr traurig“, so Bleckmann. „Yara war beliebt und hatte viele Freunde.“

Kartenansicht: Carl-Anton-Henschel-Schule in Kassel

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