Vorwurf an Uni-Kassel: Gut dotierte Position auf Wunschkandidaten zugeschnitten

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Unmut an der Uni wegen einer Stellenausschreibung: Die GEW äußert Zweifel am Verfahren zur Besetzung einer gut dotierten Stelle.

Kassel. Eine öffentlich ausgeschriebene Stelle an der Uni Kassel sorgt bei Mitarbeitern der Hochschule und bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) für Unmut.

Der Grund dafür ist, dass die Ausschreibung für die gut dotierte Position nach Meinung der Mitarbeiter auf einen Wunschkandidaten zugeschnitten wurde: So sei die Stelle bis zum 28. Februar 2021 befristet, was dem Renteneintrittstermin des offensichtlichen Wunschkandidaten entspreche.

Die GEW hält die Personalangelegenheit für fragwürdig. „Nach Einschätzung unserer Rechtsabteilung ist das eine Steilvorlage für eine arbeitsrechtliche Konkurrentenklage“, sagt Tobias Cepok, Referent für Hochschule und Forschung der GEW Hessen.

Martin Hoppe-Kilpper

Konkret geht es um den Job eines „Beschäftigten für den Aufbau und für die Etablierung der Transferplattform Intelligente dezentrale Energiesysteme“. Dieser soll am 1. Januar 2016 seine Arbeit aufnehmen. Der Verdienst liegt angesichts der vorausgesetzten Erfahrungen bei etwa 5300 Euro brutto. Die Bewerbungsfrist ist diese Woche abgelaufen.

Obwohl das Auswahlverfahren noch aussteht, soll nach Hinweisen aus dem Uni-Umfeld für die Stelle bereits der jetzige Geschäftsführer des Instituts für dezentrale Energietechnologien (IdE), Dr. Martin Hoppe-Kilpper, vorgesehen sein. Das IdE soll in den nächsten drei Jahren abgewickelt werden (HNA berichtete). Viele der 60 Mitarbeiter sorgen sich um ihre Jobs. Aus deren Reihen wurde der Vorwurf laut, für den IdE-Geschäftsführer habe die Uni eine „Versorgungsstelle“ geschaffen.

Das in der Stellenausschreibung formulierte Anforderungsprofil entspricht tatsächlich dem Lebenslauf von Hoppe-Kilpper. Auf HNA-Anfrage macht dieser keinen Hehl daraus, dass die Uni ihn gern für diese Position haben wolle. Er selbst halte sich für einen geeigneten Kandidaten.

Cepok von der GEW hat wegen dieser Personalie mit Personalratsmitgliedern der Uni Kassel Kontakt aufgenommen. Sein Fazit: „Es gibt überraschend viele Zufälligkeiten zwischen der Ausschreibung und dem Profil von Herrn Hoppe-Kilpper. Es scheint so, als sei die Stelle auf seine Person hin ausgeschrieben. Eine auf fünf Jahre und zwei Monate befristete Stelle ist ein starkes Indiz dafür. Solche Befristungen sind äußerst unüblich“, so Cepok.

Im öffentlichen Dienst gebe es die Vorgabe, nach der eine Stelle nach dem Prinzip der Bestenauslese besetzt werden müsse. In dem vorliegenden Fall könne dieses Prinzip verletzt werden. Da der Personalrat bei befristeten wissenschaftlichen Stellen kein Mitbestimmungsrecht habe, seien diesem die Hände gebunden, so Cepok.

Hoppe-Kilpper gibt im Gespräch mit der HNA zu, dass die Befristung seinem Renteneintrittsalter entspreche. Es sei aber ein offenes Verfahren.

Auch die Uni Kassel streitet alle Vorwürfe ab. „Das ist ein sauberes Verfahren, das nach den Qualitätsmaßstäben der Universität durchgeführt wird“, so Uni-Sprecherin Beate Hentschel. Es gebe mehrere Bewerber auf die Stelle.

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