Wachsamkeit gegen Extremismus

Verfassungsschutz eröffnete Ausstellung in der Oskar-von-Miller-Schule

Gemeinsam gegen Rechtsextremismus: Herbert Schaefers, Fachbereichsleiter für Politik an der OVM, (von links), Stadträtin Esther Haß, Catrin Rieband (Bundesamt), Schulleiter Günter Fuchs und der hessische Verfassungsschutzpräsident Roland Desch. Foto: Dilling

Kassel. Was Extremismus in heutiger Zeit bedeutet, haben die Kasseler spätestens 2006 mit dem Mord an dem türkischstämmigen Halit Yosgat in der Nordstadt durch die Täter des rechtsradikalen NSU erfahren. Die Aufarbeitung von Ermittlungspannen, die damals passiert sein sollen, dauert noch an.

„Ich weiß, dass Kassel kein einfaches Pflaster für den Verfassungsschutz ist“, sagte Roland Desch, Präsident des hessischen Landesamts, bei der Eröffnung der Extremismus-Ausstellung des Bundesamts für Verfassungsschutz in der Oskar-von-Miller-Schule (OVM). Aber gerade wegen der Vorkommnisse um die NSU-Morde wolle man in Kassel Flagge zeigen und um neues Vertrauen werben. Denn die Demokratieschützer seien auf wachsame Bürger angewiesen.

Die Extremismus-Ausstellung ist bis 18. Juli in der Oskar-von-Miller-Schule zu sehen:

Montags bis mittwochs von 9 bis 16 Uhr, donnerstags von 9 bis 19 Uhr und freitags von 9 bis 12 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Mitarbeiter des Bundesamts beantworten Besuchern Fragen.

Anmeldung für Schulklassen und Gruppen unter Tel. 0561/97 89 630.

Extremistische Gewalttaten seien keineswegs auf Südhessen beschränkt, sagte Desch und nannte unter anderem das Beispiel des Salafisten Murat K. aus Eschwege, der 2012 zwei Polizeibeamte mit einem Messer verletzt hatte. In Kassel gebe es eine „breite Extremismusbewegung“, erklärte der Verfassungsschutzpräsident. Seine Kollegin Catrin Rieband vom Bundesamt für Verfassungsschutz wies auf die immer schnellere Radikalisierung von Extremisten und immer schwerer zu durchschauende Strukturen durch das Internet hin. Das nutzten vor allem die Islamisten, um neue Anhänger zu werben. Derzeit hätten sich schon 320 Radikale zum „Heiligen Krieg“ nach Syrien aufgemacht. Sie kämen häufig noch gewaltbereiter als vorher zurück.

Die Ausstellung zeigt unter anderem mit Exponaten und Videos, wie Extremisten vorgehen und wie geheime Ermittler versuchen, deren Gewalttaten zu verhindern. Die Oskar-von-Miller-Schule hatte sich um die Präsentation erfolgreich beworben. Angesichts der vielen Schüler aus unterschiedlichen Kulturkreisen gebe es auch schon mal an seiner Schule Diskussionen, sagte Schulleiter Günter Fuchs. Man müsse dabei das Trennende überwinden.

Die Ausstellung sollte allen Kasseler Schülern gezeigt werden, um vorzubeugen, sagte Esther Haß, Mitglied der jüdischen Gemeinde. Im Dritten Reich seien deshalb 1600 Juden aus Kassel deportiert und dann ermordet worden, weil die Menschen nicht rechtzeitig gegen Extremismus vorgegangen seien. (pdi)

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