Herbst- und Wintereinschlag hat begonnen

Der Wald wird lichter: Mehr Raum für heimische Laubbäume  

Durchforstet und ausgelichtet: Mitarbeiter des Forstamtes Wolfhagen, hier Forstwirtschaftsmeister Ingolf Bock, pflegen das Waldgebiet an der Krähhahnsiedlung, das zu einer naturnahen Kernfläche ausgewiesen wurde. Foto:  Heise-Thonicke

Kassel. Der Warnruf „Baum fällt“ ist derzeit auch nahe der Stadt zu hören. Hessen-Forst hat in diesen Tagen zunächst am Loipenhaus und in der Nähe der Krähhahnsiedling (Neuholland) mit dem Herbst- und Wintereinschlag im Nadelholz begonnen. Danach wird die Durchforstung der Laubgehölze folgen.

Deshalb sind unter anderem in diesem Bereich zeitweise die Waldwege, beispielsweise zum Waldsee Asch, gesperrt.

Im Bereich des Krähhahns werden derzeit Lärchen, Fichten und Douglasien entfernt, um dem heimischen Laubwald wie Buchen, Eschen, Bergahorn und Linden mehr Raum und Chancen zu geben, sich unbeeinflusst zu entwickeln. Lediglich einzelne besondere Lärchen und Kiefern werde man stehen lassen, erläutert der Leiter des Forstamtes Wolfhagen, Uwe Zindel. Allein in dem Gebiet am Krähhahn würden rund 350 Festmeter Nadelholz aus den alten Buchenbeständen entnommen.

Die rund 48 Hektar große Waldfläche zwischen Herkules, Krähhahnsiedlung und der Seniorenresidenz Augustinum habe man zu einer der „Kernflächen Naturschutz“ erklärt, erläutert der Fachmann. Hier soll der Wald nicht mehr bewirtschaftet und sich selbst überlassen werden. Mit den künftig nicht mehr durchforsteten Laubwäldern werde ein besonderes Lebensraumangebot für empfindliche, wenig mobile und seltene Arten erhalten.

Uwe Zindel

Große alte Bäume bieten zudem mit Baumhöhlen Lebensraum für Fledermäuse, Hohltauben und Spechte. Und auch Schwarzstörche, Greifvögel und Reiher finden im Habichtswald wieder Plätze, um heimisch zu werden. In umgestürzten toten Bäumen, die der Natur überlassen werden, finden Pilze und viele Insekten wie die besonders geschützten Großkäfer Eremit, Hirschkäfer und Heldbock eine Lebensgrundlage.

Solche Strukturen würden auch im bewirtschafteten Wald erhalten und gefördert, erläutert Zindel. Darüber hinaus sorge man außerhalb der naturnahen Kernflächen durch regelmäßige Durchforstungen dafür, dass mehr Licht und Wärme das Wachstum förderten und sich die verbleibenden Bäume besser entfalten können. „Damit können diese auch den Stürmen besser standhalten“, sagt Zindel. So entstehe ein robuster, strukturreicher Dauerwald für die Zukunft, der zudem eine große Artenvielfalt biete. „Damit erhalten und entwickeln wir auch einen erlebnisreichen Wald für die Bevölkerung“, hebt Zindel einen weiteren Aspekt hervor.

So schnell wie möglich werde man die wegen der Holzfällarbeiten gesperrten Wege wieder freigeben, verspricht er. Zum Teil, wie beispielsweise am Loipenhaus, habe man auch Umleitungen ausgeschildert. Die Arbeiten werden voraussichtlich bis zum 24. Oktober andauern. Archivfoto:  Koch

Von Martina Heise-Thonicke

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