Mitmach-Aktionen am Samstag

Wandkunst für den Kiez: Kahle Mauern im Schillerviertel werden gestaltet

Mehr Farbe fürs Viertel: Die Künstler Stefan Gebhardt (von vorne), Marcel de Medeiros und Dustin Schenk sind an der großen Wandebemalung im Schillerviertel beteiligt. Die Wand an der Erzbergerstraße, die Gebhardt derzeit vorbereitet, kann am Samstag von Kindern mit Farbe gestaltet werden. Foto: Koch

Kassel. Das Schillerviertel ist im Wandel: Das Quartier entlang der Wolfhager Straße, das zu Kassels Schmuddelecken zählt und unter illegaler Prostitution leidet, mausert sich zum Szenekiez.

Künstler, Kulturschaffende und Gästehäuser haben sich in und um das Brandthaus an der Erzbergerstraße angesiedelt und zu einer Belebung geführt. Sie wollen ihr Umfeld weiter aufwerten und haben sich dafür jetzt triste Wände im Quartier vorgenommen.

Mehr zum Thema Schillerviertel finden Sie im Regiowiki.

Sechs Mauern mit einer Gesamtfläche von 500 Quadratmetern sollen in bunte Kunstwerke verwandelt werden. Bei einem Aktionstag am kommenden Samstag, 17. Oktober, findet ein Straßenfest statt, bei dem man den Künstlern über die Schulter schauen und auch selbst zu Pinsel, Farbe und Sprühdose greifen kann. „Graffiti. Workshop.Kiez-Kultur“ haben die Initiatoren ihr Projekt getauft. Ziel sei, das Schillerviertel als Kunst- und Kulturviertel weiter auszubauen, sagt der Kasseler Graffiti-Künstler Dustin Schenk, der ein Atelier an der Erzbergerstraße hat und die Aktion mit ins Leben gerufen hat. „In ein paar Tagen wird der Kiez sein Gesicht jedenfalls deutlich verändert haben.“

Bunt und fließend

Auf einer 65 Meter langen und vier Meter hohen Wand entlang der Rothenditmolder Straße/Ecke Wolfhager Straße hat gestern Pau Quintanajornet mit den Vorarbeiten für ihr Bild begonnen. Die deutsch-chilenische Street-Art-Künstlerin will in einander übergehende Frauenfiguren getalten, die durch das Haar zu einem Ganzen verbunden werden. „Es soll bunt und fließend werden“, sagt die junge Frau, die schon Wände in aller Welt gestaltet hat.

An der Erzberger Straße zeichnet Stefan Gebhardt mit dem Pinsel wilde Formen und Figuren an eine Mauer. Es wird eine Art Riesenmalbuch an der Wand: Am Samstag dürfen 30 Kinder der gegenüberliegenden Kampfsport-Schule Umbach zum Pinsel greifen. Die ganze Straße soll dann voller Farbtöpfe stehen, sagt Gebhardt. „Was am Ende aus dem Bild wird, ist immer eine kleine Überraschung“, sagt der Kasseler, der an der Kunsthochschule studiert hat. Auch Passanten dürfen sich an der Gestaltung der Wand beteiligen.

Nach dem Aktionstag wollen die Initiatoren - darunter auch das studentische Projekt Raum für urbane Experimente, das auch die Unterführungen am Weinberg und am Holländischen Platz mit Graffiti gestaltet - nicht die Hände in den Schoß legen. Allein im Schillerviertel haben sie 34 Wände identifiziert, die für eine Bemalung in Frage kommen, sagt Dustin Schenk. Sie hoffen, dass die „Arbeitsproben“ vom Wochenende weitere Hauseigentümer in Kassel animieren, ihre Flächen für eine künstlerische Gestaltung zur Verfügung zu stellen. Teuer müsse das nicht sein. „Wer bereit ist, für einen einen einfarbigen drecksandweißen Anstrich Geld auszugeben, kann auch in Kunst investieren.“

Das Programm am Samstag

Der Aktionstag am Samstag, 17. Oktober, findet von 12 bis etwa 22 Uhr rund um das Brandthaus in der Erzbergerstraße statt.

• 12 Uhr: Graffiti-Workshop, Gespräche mit Künstlern

• 16 Uhr: Aktionstheater

• 16.30 Uhr: Tangowerkstatt in der Tanzschule Tango Querido im Café Nautilus

• 17 Uhr: mobiler Zeicheneinsatz vom ZI Zeicheninstitut. Auf einem Pritschenwagen fahren drei Künstler malend durch das Viertel und installieren die fertigen Werke spontan im Raum

• 17 Uhr: Akkordeonmusik von Welf Kerner

• 20.30 Uhr: Blues, Boogie und Pop von MarKuz Wallach

• Getränke und Snacks im Mitgliederladen Schmackes

Infos gibt es auch bei Facebook.

Kontakt: info@r-u-e.de

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