Gebührenpflicht hat Autofahrer vertrieben

Im Westring stehen Kassels überflüssigste Parkautomaten

Hier parken nur noch wenige Autofahrer: Seitdem im Herbst 2014 am Westring Parkautomaten aufgestellt wurden, stehen nur noch selten Autos an der Straße. Bevor die Geräte aufgestellt wurden, war das ganz anders. Foto: Ludwig

Nord-Holland. Auf dem Westring, zwischen Wolfhager und Holländischer Straße, stehen Kassels wohl überflüssigste Parkautomaten. Seit es sie gibt, parkt dort kaum noch einer.

Die drei Geräte wurden Ende September 2014 aufgestellt, als im Zuge der Parkgebührenerhöhung auch der Westring gebührenpflichtig wurde. Doch seitdem ist die Straße, die zuvor vor allem von Studenten der nahe gelegenen Uni und Mitarbeitern umliegender Firmen als Parkfläche genutzt wurde, wie leergefegt. Dafür stehen in den benachbarten Wohnvierteln, wo das Parken kostenlos ist, nun umso mehr Autos.

Der Ertrag der Parkscheinautomaten ist vergleichsweise gering. Bei Stichproben der HNA stand maximal ein Auto in der mehrere Hundert Meter langen Straße. „Das war früher ganz anders. Im Westring war der Parkdruck tagsüber hoch. Da stand alles voll mit Autos“, sagt Hannes Volz (Grüne), stellvertretender Ortsvorsteher von Nord-Holland.

Es sei ein typisches Phänomen zu beobachten: Durch die Aufstellung der Parkautomaten am Rand der Gebührenzone werde ein Teil der Autofahrer in die Straßen außerhalb der Zone verdrängt. Ob die Aufstellung der Automaten sinnvoll war, dazu will sich Volz nicht äußern und verweist an die Stadt.

Bis Herbst wurde der Westring nicht nur von Studenten und Firmenmitarbeitern als kostenfreier Parkraum genutzt, auch für die Pendler zum Hessenkolleg war die Straße beliebt. Weil der Westring zwischen Industrie- und Gewerbebetrieben liegt, störten die geparkten Autos zudem keine Anwohner.

Dass die Autofahrer auf der Suche nach kostenlosen Parkmöglichkeiten (im Westring wird ein Euro pro Stunde fällig) auf benachbarte Quartiere ausgewichen sind, lässt sich etwa in der Witzenhäuser Straße beobachten, die tagsüber von parkenden Autos gesäumt ist.

Die Stadt begründet die Aufstellung der Parkautomaten im Westring mit der bevorstehenden Ansiedlung des Fraunhofer-Institutes am Hauptbahnhof und den zu erwartenden Veränderungen auf dem Areal des ehemaligen Unterstadtbahnhofs, wo sich Gewerbe ansiedeln soll. Der zu beobachtende Verdrängungseffekt sei ganz normal und zu erwarten gewesen, teilt Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich mit.

Der Stadtsprecher bestätigt, dass die Autofahrer nun auf den westlichen Teil der Mombachstraße und den südlichen Teil der Witzenhäuser Straße ausgewichen sind, wo das Parken noch kostenfrei ist.

Dieser Effekt, so der Stadtsprecher, lasse aber nach einigen Monaten nach, was im Westring bereits zu beobachten sei: Nachdem bis Dezember nahezu kein Fahrzeug dort geparkt wurde, seien in den ersten sechs Wochen des Jahres 2015 etwa 1000 Euro an den drei Automaten eingenommen worden.

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