Gebäude sind nicht versichert

Sachbeschädigung auf dem Campus: Vermehrt Vandalismusfälle an der Uni

Blinde Zerstörungswut: Unbekannte haben in der Nacht zu Sonntag den Pavillon für Müllcontainer auf dem Campus angefackelt. Durch die Hitze barsten auch die Glasscheiben des daneben liegenden Sophie-Henschel-Hauses. Klaus Sausmikat, Leiter der Bauabteilung der Uni, begutachtete gesternDa die Schäden. Foto: Rudolph

Kassel. Als in der Nacht zu Sonntag das Feuer an dem Mülltonnen-Unterstand auf dem Campus gelöscht war, wollten die Bereitschafts-Mitarbeiter der Bauabteilung der Uni in den frühen Morgenstunden endlich nach Hause. Doch ein paar Schritte von der Brandstelle entfernt, hörten sie plötzlich ein merkwürdiges Plätschern.

Wasser drang aus dem Gebäude der Ingenieurwissenschaften an der Kurt-Wolters-Straße nach außen und lief an einer Fluchttreppe herunter. Beim Nachsehen entdeckten die Mitarbeiter, dass im Innern Teile des Gebäudes unter Wasser standen.

Unbekannte hatten im 3. und 4. Stock in den WCs die Wasserhähne aufgedreht und die Siffons unter dem Waschbecken weggetreten. Die Wassermengen liefen bis in den Keller durch. Nach Schätzungen der Hochschule enstanden bis zu 200.000 Euro Schaden. Hinzu kommen rund 70.000 Euro Schaden durch die beiden Brände, die in derselben Nacht gelegt wurde.

Neben dem Unterstand für Wertstoffabfälle waren durch die starke Hitze der Flammen auch die Scheiben der Glasfront des mehrere Meter entfernten Sophie-Henschel-Hauses geborsten. An der Henschelstraße/Ecke Moritzstraße war zudem ein Altpapiercontainer, der direkt an der Wand eines Studentenwohnheims stand, angesteckt worden.

Es ist nicht der erste gravierende Fall von Vandalismus auf dem Campus. Zuletzt war Ende Juli das Verwaltungsgebäude der Uni an der Mönchebergstraße von unbekannten Tätern unter Wasser gesetzt worden. Sie gingen dabei ebenso vor wie in dem Fall vom Wochenende: Abfluss entfernen, Wasser aufdrehen. Eine halbe Million Euro musste die Uni für die Behebung des Schadens bezahlen. Es waren umfangreiche Sanierungen nötig.

Wasserschaden: Die Täter setzten ein Uni-Gebäude an der Kurt-Wolters-Straße unter Wasser. Teile der durchweichten Decke in einem WC fielen herunter. Foto: Privat

Die Schäden muss die Uni in voller Höhe aus ihrem laufenden Haushalt begleichen. Versichert hat das Land Hessen die 105 Gebäude der Uni Kassel nicht, sagt Klaus Sausmikat, Leiter der Bauabteilung der Uni. Er ärgert sich, dass durch sinnlose Zersörungswut Geld für andere Investitionen an der Uni verloren geht. Zudem werde in der Bauabteilung viel Arbeitskraft gebunden - die eigentlich für die vielen Bauvorhaben auf dem Campus nötig wäre.

Die Uni-Gebäude sind nur nachts zwischen 22 Uhr und 6 Uhr verschlossen, ansonsten frei zugänglich. „Wir wollen auch weiterhin eine offene Hochschule sein,“ sagt Unisprecherin Beate Hentschel. Der Vandalismus nehme aber Ausmaß an, die zum Handel zwingen. Unter anderem wird die Uni die Aktivitäten des Wachdiensts ausweiten - was ebenfalls zusätzliche Kosten verursacht. Hentschel plädiert an die Uni-Angehörigen, wachsam zu sein. Mitarbeiter sollten auch Räume wie Teeküchen nachts sorgfältig verschließen.

Von Katja Rudolph

Die Polizei hat noch keine Anhaltspunkte zu den Tätern. Zeugen werde um Hinweise gebeten: Tel. 0561/91 00.

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