Rebecca Nothnagel ist Nachhaltigkeit wichtig

Zweite Chance fürs Kleid: Kasselerin betreibt eine Secondhand-Boutique für Brautmode

Möchte, dass Secondhand-Brautkleider eine zweite Chance bekommen: Rebecca Nothnagel in ihrer Boutique in der Fabrik Chasalla im Schillerviertel.
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Möchte, dass Secondhand-Brautkleider eine zweite Chance bekommen: Rebecca Nothnagel in ihrer Boutique in der Fabrik Chasalla im Schillerviertel.

Schon bei ihrer Hochzeit war Rebecca Nothnagel Nachhaltigkeit wichtig. Zwei Jahre später hat sie in Kassel jetzt ein Geschäft für Secondhand-Brautmode eröffnet.

Kassel - Für Rebecca Nothnagel stand fest, dass sie sich für ihre Hochzeit kein neues Brautkleid kaufen wollte. „Man trägt das Kleid einen Tag – und danach hängt es nur noch im Schrank. Jetzt hat sie in Kassel ein Geschäft für Secondhand-Brautmode eröffnet. Mir war bei meiner Hochzeit Nachhaltigkeit wichtig“, sagt Nothnagel, die gebürtig aus der Rhön stammt. Nothnagel suchte damals im Internet nach einem Kleid und wurde tatsächlich auf einer Onlineplattform fündig. „Ich hatte vorher ein bestimmtes Kleid im Kopf und habe tatsächlich genau das gebraucht entdeckt“, erzählt sie. „Ein Glücksfall.“

So viel Glück wird nicht jede künftige Braut haben, dachte sich die 31-Jährige anschließend. In ihr wuchs der Gedanke, einen Secondhand-Laden für Brautmode zu eröffnen. Rebecca Nothnagel musste feststellen, dass es tatsächlich schon vereinzelt Läden gibt, die gebrauchte Brautkleider verkaufen. „Hätte ich das vorher gewusst, hätte mir es das vermutlich um einiges leichter gemacht“, sagt die 31-Jährige.

Sie begann mit der Planung für einen eigenen Laden. Mit ihrem Mann wohnte sie damals noch im Rhein-Main-Gebiet. „Wir hatten aber vor, irgendwann in seine Heimat Hofgeismar zu ziehen“, sagt sie. In der ehemaligen Schuhfabrik Chasalla in der Kasseler Sickingenstraße im Schillerviertel wurde sie auf der Suche nach Räumlichkeiten fündig. Seit einigen Wochen betreibt Rebecca Nothnagel dort ihre kleine Boutique für Secondhand-Brautmode. Auch wenn sie nach wie vor sagen würde, dass ihr Kleid für sie ein absolutes Traumkleid war, gibt es etwas, dass ihr gefehlt hat. Nämlich das Aussuchen des Kleides mit ihrer Mutter und Freundinnen – „so wie man es sich immer vorstellt.“

Das will die junge Geschäftsfrau jetzt ihren Kundinnen ermöglichen. „Es war zweimal“ hat sie ihren Laden getauft. Nothnagel nimmt gebrauchte Kleider in Kommission, hat aber auch neuwertige Kleider vorrätig – beispielsweise Ausstellungsstücke oder Kleider aus der Vorsaison. So können die angehenden Bräute unterschiedliche Schnitte und Stile probieren. „Wer im Internet nach gebrauchten Kleidern sucht, hat diese Möglichkeit nicht.“ Oft komme man enttäuscht von einem Termin zurück, weil ein Kleid doch nicht passt.

Für die wenigsten, die ihr Kleid bei Rebecca Nothnagel zum Verkauf abgeben, ist es „einfach nur ein Kleid“, sondern mit vielen Emotionen verbunden. Die meisten sind dann aber doch realistisch: Zuhause würde das Kleid wahrscheinlich nur rumhängen. „Viele bitten darum, dass sie ein Foto bekommen können von der Braut, die ihr Kleid dann zum zweiten Mal trägt“, sagt Rebecca Nothnagel. Manche erzählten ihr auch Geschichten, die sie bei der Hochzeit in dem Kleid erlebt haben.

Das Geschäft der 31-Jährigen hat nur nach Terminabsprache geöffnet. „Ich möchte mir für jede Kundin, egal ob sie ihr Kleid abgibt oder eins kaufen möchte, individuell Zeit nehmen.“

Dass sie Beratung zu ihrem Beruf machen möchte, hat Nothnagel erst gemerkt, nachdem sie bereits eine Ausbildung und ein Studium im Medienbereich absolviert hatte. Im Moment ist sie noch in Teilzeit in einem Möbelhaus tätig. Diese Tätigkeit will sie auch erst mal beibehalten. Das Wichtigste seien ihr Bewegung im Job und Kontakt zu Menschen. „Rumsitzen, das war nichts für mich.“

Obwohl die Brautmode sehr schnelllebig ist, hat Nothnagel auch einige ältere Kleider aus den vergangenen Jahrzehnten in ihrem Repertoire. „Das ich für mich ein Herzensprojekt“, sagt sie. Die meisten Kleider sehen auf dem Bügel völlig anders aus als angezogen. Ihr Tipp: „Man muss sich vorstellen, was man aus den Kleidern machen kann.“ So würden nicht nur historische Kleider zum Hingucker. eswarzweimal.de (Kathrin Meyer)

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