Einzelhandel erwartet Umsatzrekord im Weihnachtsgeschäft

Nordhessen kaufen zum Fest für 1,5 Milliarden Euro ein

Kassel. Mit einem Umsatzrekord im Weihnachtsgeschäft rechnet der regionale Einzelhandel. Für ganz Hessen erwartet der Handelsverband ein Wachstum von 4 Prozent auf über 8 Milliarden Euro. Davon entfallen etwa 1,5 Mrd. Euro auf das Gebiet des Einzelhandelsverbandes Hessen-Nord.

Die Gründe für den Optimismus: Während eine anhaltend solide Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage für gute Stimmung bei den Verbrauchern sorgt, könnte die Lage der Feiertage im Kalender aus Sicht der Händler nicht günstiger sein: Auf eine besonders lange Adventszeit folgt zwischen den Jahren eine maximale Zahl von Öffnungstagen. Erfahrungsgemäß werden dann ungezählte Gutscheine eingelöst – sie sind mittlerweile das beliebteste Weihnachtsgeschenk – und stoßen damit weitere Konsumausgaben an.

Für ein nochmals besseres Weihnachtsgeschäft als 2015 spricht laut Geschäftsführer Martin Schüller vom Einzelhandelsverband Hessen-Nord auch, dass Einflüsse wegfallen, welche die Kauflaune dämpfen. Es sehe so aus, dass die vielen regionalen Beschäftigten bei Volkswagen nach aktuell verkündeten Umbauplänen des Konzerns sich keine großen Sorgen machen müssten. Die Stimmung sei auch nicht wie im Vorjahr überschattet von Terrorangst. wie nach den Anschlägen von Paris kurz nach Beginn des Weihnachtsgeschäfts 2015.

Nach Wahrnehmung des Verbandes ist auch die wettersensible Textilbranche bisher optimistisch: Der Verkauf von Saisonware laufe anders als im Vorjahr zufriedenstellend. Schüller: „Falls es keinen längeren Wärmeeinbruch gibt, kann es auch hier ein sehr gutes Weihnachtsgeschäft werden.“

Fast jeder vierte Verbraucher will dieses Jahr mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben als bisher – und zwar pro Kopf insgesamt 477 Euro. Das geht aus einer aktuellen Umfrage mit 59 000 Teilnehmern hervor, die der Handelsverband Deutschland (HDE) veröffentlicht hat.

 Solche Aussichten beflügeln die Fantasie des Einzelhandels, der auch für Nordhessen mit Umsatzzuwächsen von 4 Prozent im diesjährigen Weihnachtsgeschäft rechnet. 

Wenn man die Firmen des Onlinehandels separat betrachtet, so kalkulieren diese mit weit größeren Umsatzsteigerungen von über 12 Prozent, wie aus der HDE-Studie ebenfalls hervorgeht. Und ein weiteres Ergebnis: Kleinere Geschäfte sind in ihren Weihnachts-Erwartungen deutlich zurückhaltender als große Handelsunternehmen.

Diese Befunde spiegeln sich in der Position von Gerhard Jochinger, Einkaufsgalerien-Betreiber und Vorsitzender der Kasseler City-Kaufleute. Jochinger hält es für eine unumkehrbare Entwicklung, dass ein immer größerer Teil des Umsatzkuchens auf den Online-Sektor entfällt. Es sei „verlorene Liebesmüh’“, wenn der stationäre Einzelhandel versuche, der logistischen Perfektion von Amazon & Co. etwas entgegenzusetzen. Er kenne „kein wirkliches Beispiel“, wo ein klassischer Händler mit solchen Bemühungen auf seine Kosten komme, sagt Jochinger. „Ganz viele tun aber so, als ob das möglich wäre“, kritisiert er.

Als Konsequenz fordert der City-Kaufleute-Chef: „Der stationäre Einzelhandel muss sich auf seine Stärken besinnen, etwa auf Beratungsqualität und Freundlichkeit.“ Das sei zielführender als der Versuch, mit großen Online-Profis konkurrieren zu wollen. 

Dennoch hoffe die Händlergemeinschaft in Kassels Innenstadt dank günstiger Rahmenbedingungen auf ein gutes Weihnachtsgeschäft. Bei der Handelsverbands-Prognose von 4 Prozent Wachstum ist Jochinger aber skeptisch: „Solche Zahlen werden hinterher meist nach unten korrigiert. Wir freuen uns, wenn es ein oder zwei Prozent mehr werden.“

Wichtige Infos rund um den Kasseler Weihnachtsmarkt finden Sie hier.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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