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Studie stellt fest: Nordhessen sind glücklicher als die Menschen im Süden

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Von: Matthias Lohr

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Der Herkules in Kassel: Auch in Nordhessen ist nicht alles rosarot, aber laut dem „SKL-Glücksatlas“ sind die Menschen hier zufriedener als im wirtschaftsstarken Süden des Landes.
Der Herkules in Kassel: Auch in Nordhessen ist nicht alles rosarot, aber laut dem „SKL-Glücksatlas“ sind die Menschen hier zufriedener als im wirtschaftsstarken Süden des Landes. © Jörg Lantelmé / nh 

Südhessen ist wirtschaftlich stärker als der Norden des Lands. Dafür sind die Nordhessen glücklicher, wie eine Studie nun festgestellt hat. Die Gründe sind gar nicht so überraschend.

Kassel – Die positive Nachricht, die Bernd Raffelhüschen diese Woche verbreitete, kam überraschend: „Die Lebenszufriedenheit der Deutschen erholt sich.“ Die Talsohle sei durchschritten, heißt es im neuen „Glücksatlas“, den der Professor für Finanzwissenschaft der Universität Freiburg federführend und mit Unterstützung der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) erstellt hat. Damit konnte man nicht unbedingt rechnen angesichts der vielen Krisen. Eine weitere ungewöhnliche Nachricht der Studie lautet: Die Menschen in Nordhessen sind glücklicher als im wirtschaftsstarken Süden des Bundeslandes. Für Raffelhüschen kam das jedoch nicht überraschend, wie er der HNA erklärt.

Die Hessen

Im bundesweiten Ranking schneidet Hessen nicht ganz so gut ab. Mit einem Glücksindex von 6,82 Punkten auf Rang sieben liegt das Bundesland erstmals seit 2015 unterhalb des gesamtdeutschen Durchschnitts. In Nordhessen wird man das verschmerzen, da die Region dem Süden des Bundeslandes, der in diversen Statistiken sonst meist vorn liegt, den Rang abläuft. „Die Nordhessen (7,06 Punkte) sind mit ihrem Leben deutlich zufriedener als die Südhessen (6,65 Punkte)“, heißt es im „Glücksatlas“. Raffelhüschen macht dafür eines von vier Gs verantwortlich.

Wie glücklich jemand ist, hängt demnach von Gesundheit, Geld, genetischer Disposition und Gemeinschaft ab. Gesünder als im Süden sind die Menschen im Norden nicht – im Gegenteil, wie gerade der Morbiditäts- und Sozialatlas der Barmer-Krankenkasse festgestellt hat. Zudem haben sie weniger Geld zur Verfügung als in der finanzstarken Rhein-Main-Region. Aber sie profitieren von sozialen Beziehungen und der Gemeinschaft, die die kleinstädtischen und ländlichen Strukturen des Nordens prägen. „G wie Gemeinschaft hebt Nordhessen deutlich hervor“, sagt Raffelhüschen.

Besonders deutlich sei dies in der Pandemie geworden: „Lockdowns haben Großstädter deutlich härter getroffen.“ Dass die Deutschen insgesamt wieder glücklicher sind, habe mit dem Ende der Coronakrise zu tun. „Corona ist eine ganz normale Krankheit geworden, der wir nicht so viel Beachtung schenken“, sagt Raffelhüschen.

Die Glücklichsten

Die zufriedenste Region Deutschlands ist erneut Schleswig-Holstein (7,14). In Hamburg (6,96), das hinter Bayern (7,06) und Nordrhein-Westfalen (6,98) auf Rang vier landete, seien die objektiven Lebensumstände zwar besser als im nördlichsten Bundesland. Aber hier mache sich die genetische Disposition bemerkbar. In Kiel und Flensburg sage man eher, das Glas sei halb voll statt halb leer. Diese Einstellung habe auch mit einem Phänomen zu tun, das Raffelhüschen „dänisches Infektionsrisiko“ nennt. Die Menschen im Nachbarland machten es sich gern gemütlich und landeten auch deshalb in internationalen Glücksstudien traditionell ganz weit vorn. In Schleswig-Holstein infiziert man sich demnach oft mit dem dänischen Glücks-Gen. Die Mentalität in Nordhessen sei ähnlich. Auch hier denke man eher positiv. Die Menschen in und um Kassel, die laut Klischees gern meckern und mähren, werden das gern hören. Der Glücksatlas könnte sie noch glücklicher machen.

Der Wissenschaftler

In die Zukunft schauen kann auch der Wissenschaftler nicht. Wie es weiter geht mit dem Glücklichsein angesichts des Ukraine-Kriegs, der Energiekrise und der Inflation kann Raffelhüschen nicht sagen. Bereits zuletzt habe sich ein „heftiger Einbruch“ bei den Werten gezeigt. Vielleicht müssen die Deutschen von ihm lernen. Fragt man ihn, ob er glücklich sei, antwortet er, dass er „komplett zufrieden“ sei, zehn von zehn sozusagen. Frau und Kinder machten ihn glücklich. Er habe „die schönste Arbeit der Welt“ und unterrichte in Freiburg, „der besten Stadt“. Zur Erklärung: Raffelhüschen wurde in Schleswig-Holstein geboren und lehrte auch schon in Dänemark. Mehr G geht nicht. (Matthias Lohr)

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