Chef der Spurensicherung jetzt im Ruhestand

Den Tätern auf der Spur: An Schweine verfüttert - das war sein bizarrster Fall

Mai 2004: Im Dez gab es eine Bombendrohung, auf dem Parkplatz wurde ein Koffer gefunden. Nach dem Einsatz eines Sprengstoffspürhundes begutachtete Dirk Kleinhans den Koffer.
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Mai 2004: Im Dez gab es eine Bombendrohung, auf dem Parkplatz wurde ein Koffer gefunden. Nach dem Einsatz eines Sprengstoffspürhundes begutachtete Dirk Kleinhans den Koffer.

In Nordhessen wird Dirk Kleinhans, Chef der Spurensicherung bei der Kripo, pensioniert. Er war den Tätern immer auf der Spur.

  • Der Chef der Spurensicherung bei der Kripo im Polizeipräsidium Nordhessen wird pensioniert.
  • Dirk Kleinhans hat schon vieles gesehen, doch jeder Tatort belastet ihn unterschiedlich.
  • Sein bizarrster Fall: Ein Toter endet als Schweinefutter.

Dirk Kleinhans, Chef der Spurensicherung bei der Kripo im Polizeipräsidium Nordhessen, ist jetzt in den Ruhestand verabschiedet worden.  

Bei fast allen Kapitalverbrechen, die in den vergangenen 20 Jahren im Bereich des Polizeipräsidiums Nordhessen verübt worden sind, war er im Einsatz. In einem weißen Schutzanzug, um die Tatorte nicht zu verunreinigen.

Kriminalhauptkommissar Dirk Kleinhans hat in den zwei Jahrzehnten die Spuren vieler brutaler Verbrechen zu sehen bekommen. Heute wird der 61-jährige Ermittler, der seit 2009 Leiter des Erkennungsdienstes war, in den Ruhestand verabschiedet.

Dirk Kleinhans: „Es gibt keinen Tatort, an dem man nichts findet.“

„Die ganze Kriminaltechnik hat in den vergangen 15 Jahren einen Quantensprung gemacht. Die technischen Möglichkeiten der Spurensicherung wurden revolutioniert. Die Spuren sind dabei immer kleiner geworden“, sagt Kleinhans.

Dirk Kleinhans: Leiter des Erkennungsdienstes

Hätten sich die Mitarbeiter der Spurensicherung in den Anfängen der DNA-Analyse auf Blut, Haare sowie alle körperliche Ausscheidungen konzentriert, liege heutzutage ein Schwerpunkt bei der Spurensuche auf Hautzellen. „Die verlieren Menschen ständig“, sagt Kleinhans. „Es gibt keinen Tatort, an dem man nichts findet.“

Spurensicherung - manche Tatorte belasten

Gewöhnt man sich im Laufe der Jahre an die Tatorte? Da kommt ein klares „Nein“ von Kleinhans. Allerdings seien Tatorte unterschiedlich belastend. Ganz schwer sei es für ihn gewesen, als ein Kollege aus dem Kreis Waldeck-Frankenberg erst seine Familie und dann sich selbst umgebracht hat. Auch wenn Kinder unter den Opfern sind, nehme man das mit nach Hause. „Das sind Sachen, die man nicht vergisst.“

Nordhessen - Spurensicherung ist den Tätern auf der Spur

Kleinhans berichtet von einem grausamen Fall: Ein Vater hatte seine beiden Kinder in der Diemel ertränkt und anschließend in den Kofferraum seines Autos gelegt. Anschließend setzte er sich selbst in den Wagen und sprengte sich mit einer Handgranate in die Luft. Als die Polizei kam, stellten die Ermittler fest, dass der Sohn hinten im Kofferraum noch lebte.

Bei all den Erfahrungen, die er und seine Kollegen machen mussten, seien ihm die Kapitaldelikte bei seiner Arbeit immer am wichtigsten gewesen. „Da habe ich auch immer eine hohe Erwartungshaltung an meine Kollegen gehabt.“

Das Schlimmste, was Menschen doch passieren könne, sei Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden. Dazu beizutragen, solch eine Tat aufzuklären, sei das Letzte, was man für die Getöteten und ihre Angehörigen machen könne, um für Gerechtigkeit zu sorgen.

Dirk Kleinhans: „Es passiert wenig während der Dienstzeit.“

Kleinhans lobt in diesem Zusammenhang seine Kollegen, die nachts und an den Wochenenden zu jedem Tatort geeilt sind. „Es passiert wenig während der Dienstzeit.“ Da die meisten Tötungsdelikte Beziehungstaten sind, sei das mit den gefundenen Spuren nicht immer so einfach.

Wenn man zum Beispiel Hautschuppen eines verdächtigen Angehörigen auf dem Körper des Opfers sicherstelle, handele es sich um plausible Spuren. Finde man aber fremde DNA auf einem Opfer, so werde es interessant, so Kleinhans.

Durch eine fremde DNA-Spur, die Kleinhans und seine Kollegen in einem Waschbecken entdeckten, konnte zum Beispiel auch der Mord an einer Rentnerin 2016 in Niederzwehren aufgeklärt werden.

In Nordhessen wird der Chef der Spurensicherung pensioniert

Der Täter wurde später wegen Mordes verurteilt. Kleinhans erinnert sich auch noch gut an die Skelette, die 2008 bei Bauarbeiten auf dem Uni-Gelände an der Kurt-Wolters-Straße gefunden wurden. „Es wurden von Tag zu Tag mehr.“

Spektakulärer Fund: Im Jahr 2008 wurden bei Erdarbeiten an der Uni Kassel die Skelette von über 100 Männern gefunden. Am Fundort stehen (von links) der Erste Kriminalhauptkommissar Fred Lenhoff (damals Chef des K 11), Dirk Kleinhans (Spurensicherung), Oberstaatsanwalt Dieter Wallbaum und seine Mitarbeiterin Andrea Hartmann. Lenhoff und Wallbaum sind bereits seit einigen Jahren im Ruhestand.

Und Aufgabe der Spurensicherung sei es gewesen, die Knochen der über 100 Skelette einzusammeln. Da er nicht gewusst habe, wo er die ganzen Skelette aufbewahren sollte, habe er im Baumarkt Umzugskartons geholt, die dann alle bei der Spurensicherung standen.

Jedes Skelett bekam seinen eigenen Karton. Das sei pietätlos, sei ihm damals vorgeworfen worden, erinnert sich Kleinhans. Später wurden die Gebeine der napoleonischen Soldaten auf dem Hauptfriedhof beigesetzt.

An Schweine verfüttert: Der bizarrste Fall von Dirk Kleinhans

Ob der Knecht 2005 in Haddamar eines natürlichen Todes gestorben ist oder getötet wurde, habe man später nicht mehr feststellen können, sagt Dirk Kleinhans über seinen wohl bizarrsten Fall.

Fest steht: Die Leiche des Knechts verfütterte ein Landwirt aus Fritzlar-Haddamar an die Schweine, damit er weiterhin dessen Rente kassieren konnte. 13 Monate lang funktionierte das.

Als Nachbarn sich wiederholt nach dem Knecht erkundigten, inszenierte der Landwirt seine Beerdigung. Allerdings fiel einem Lehrer, der das Friedhofsbuch führte, auf, dass der Totenschein fehlte. Er verständigte die Polizei. „In der Urne haben wir nicht die Asche des Knechts, sondern nur Erde gefunden“, so Kleinhans.

Daraufhin habe der Landwirt gestanden, den Knecht an die Schweine verfüttert zu haben. Er bestritt aber, den Mann getötet zu haben. Verurteilt wurde er trotzdem: Die Ermittler wurden stutzig, was den Tod der Eltern des Landwirts angeht.

Ihre Leichen wurden exhumiert. Es stellte sich heraus, dass der Mann im Jahr 2000 seinen Vater erschlagen und vier Jahre später seine Mutter erwürgt hatte. Dafür wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt.

Nicht nur in Nordhessen gibt es Ausgrabungen dieser Art. Auch im Kreis-Northeim kommt es vermehrt zu Funden.

Praktikum bei der Polizei in Nordhessen

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