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Nordhessen-Wetter? Ja, das gibt es - Mehr Regen und kühlere Temperaturen als in Südhessen

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Von: Jan Trieselmann

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Edersee im nordhessischen Kreis Waldeck-Frankenberg
Der Edersee im nordhessischen Kreis Waldeck-Frankenberg: Wegen seiner Größe hat er bereits ein eigenes Regionalklima. Bei großen Seen gibt es außerdem weniger Temperaturschwankungen. © Heinz Hilberg/Edersee-Marketing/nh/Archiv

Das Wetter ist ein Dauerbrenner-Thema. In unserer Serie „Donnerwetter“ betrachten wir das nordhessische Wetter von verschiedenen Seiten. Diesmal geht‘s regionales Wetter.

In unserer Serie „Donnerwetter“ haben wir das Alltagsthema Wetter aus vielen verschiedenen Perspektiven betrachtet. Eine Frage bleibt aber noch offen, um diese Serie abzurunden: Was zeichnet speziell das nordhessische Wetter aus? Um diese Frage zu beantworten, haben wir mit Lutz Katzschner gesprochen, Umweltmeteorologe und Professor an der Universität Kassel.

Herr Katzschner, wichtigste Frage zuerst: Gibt es ein nordhessisches Wetter?

Ja, das gibt es. Jede Region hat ihr eigenes Wetter. Lokale Unterschiede gibt es zum Beispiel durch die Landnutzung und die Topografie (Erdoberfläche, Anm. d. Red.). Beispielsweise in Niedersachsen oder im Frankfurter Raum habe ich wieder ganz anderes Wetter.

Wie unterscheidet sich das nordhessische Wetter von dem in Frankfurt?

Dabei geht es einmal um die Niederschlagsmenge, die hier höher ist als im Frankfurter Raum. Nordhessen generell hat eigentlich ziemlich viel Niederschlag und extreme Wetter-Schwankungen. Wir können hier Temperaturen von gut Minus 25 Grad haben, das Maximale kann aber auch 37 Grad sein – wobei dann die Anzahl an heißen Tagen in einer Stadt wie Kassel höher ist als beispielsweise am Habichtswald oder Edersee. Da sieht man schon Unterschiede.

Wieso regnet es hier dann öfter?

Nordhessen liegt in einem Bereich, wo zum Beispiel im Sommer viele Ausläufer von Tiefdruckgebieten entlangziehen. Diese Ausläufer regnen sich dann hier ab. Aber das ist nochmal stark unterschiedlich, ob ich im Meißner, Habichtswald, oder Kasseler Becken bin.

Warum unterscheidet sich das bei diesen Gebieten?

Das liegt in der Regel an der Landnutzung. Eine dichte Stadt ist immer wärmer als zum Beispiel der Habichtswald. Im Habichtswald regnet es eher mehr.

Was für Einflussfaktoren auf das Wetter gibt es hier? Den Edersee?

Der Edersee als Beispiel hat ein eigenes Regionalklima. Das liegt zum einen daran, dass er in einem Tal liegt und zum anderen ist das Wärmeverhalten von einem See anders als bei einem Wald.

Inwiefern?

Auf dem Land sind die Temperaturextreme größer. Bei einem See gibt es deutlich weniger Schwankungen im Vergleich von Nacht und Tag. Stehgewässer haben einen ausgleichenden Charakter. Die Extreme werden sozusagen abgepuffert. In Höhenlagen sind die Temperaturextreme zwischen Tag und Nacht viel größer. Wasser speichert Wärme. Von daher entwickelt sich über einem See ein anderes Klima. Für das Wetter ist das insofern wichtig, dass sich lokale Winde entwickeln können.

Wodurch entstehen die?

Durch die unterschiedlichen Oberflächen-Temperaturen am See: Tagsüber erwärmt sich das Land mehr als das Wasser, nachts ist es umgekehrt. So entsteht ein kleiner Land-See-Wind. Das, was man zum Beispiel auch an der Nord- oder Ostsee im Großen sieht, gibt es dann auch im Kleinen an so einem See.

Hat das Auswirkungen zum Beispiel auf Gewitter?

Bei Gewittern ist das schwieriger zu sagen. Aber Starkregen-Ereignisse haben oft etwas mit der regionalen Richtung zu tun, in die Gewitter ziehen. Eine lokale Voraussage, wo es sich abregnen wird, ist schwierig.

Gibt es hier Regionen, in denen die Unwettergefahr unterschiedlich hoch ist?

Ja, die gibt es. Bei Gebieten wie im Hohen Meißner, südlich vom Schwalm-Eder-Kreis und des Edersees und ganz im Westen ist mit höheren Niederschlägen zu rechnen. Da fällt die Eder und die Fulda etwas ab.

Warum?

Diese Flüsse liegen an Tälern. Dort kanalisiert sich der Wind und zieht weiter. Unwetter entstehen dort, wo sich Winde aufstauen. Durch die Unterschiede des Windes ist auch die Erholungsfunktion für Menschen räumlich unterschiedlich. Überwärmungsgebiete sind nicht so gesundheitsverträglich und gibt es hier in der Regel in mittleren bis größeren Gemeinden. Bad Hersfeld zum Beispiel hat zwar Frischluftzufuhr aus seiner Umgebung, aber die ist nicht in der Lage, die Wärme immer abzubauen.

Also gibt es für das Wetter weniger belegbare Daten als für das Klima?

Richtig. Das macht es auch so schwierig, zum Beispiel bei den Starkregen-Ereignissen diese ganzen Prognosen auf ein genaues Gebiet einzugrenzen. Wobei es Unterschiede gibt bei Städten wie Kassel in einer Tallage und Städten wie München mit einem starken Wärmestau, verbunden mit Abregnen.

Also können Täler Unwetter praktisch abfangen?

Sie können Gewitter in ihrer Zugrichtung beeinflussen. Aber wo sich ein Gewitter dann zum Beispiel grundsätzlich abregnet, ist nicht möglich zu sagen, ohne für die Region belastbare Daten zu haben.

Prof. Dr. Lutz Katzschner ist Umweltmeteorologe. Der 72-jährige gebürtige Schwabe war von 2003 bis 2013 Leiter des Fachgebiets Umweltmeteorologie an der Uni Kassel. 2013 gründete er das Institut für Klima- und Energiekonzepte in Lohfelden (Kreis Kassel) mit. Katzschner ist verheiratet, hat vier erwachsene Kinder und lebt mit seiner Frau in Kassel. Seine Freizeit verbringt er gern auf dem Rad. Auch ist er als Hobby-Ornithologe (Vogelkunde) aktiv und Sprecher des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Hessen.

Grafik zu Risikogebieten für Extremwetter
Grafik zu Risikogebieten für Extremwetter © HNA

Regionalklima und Mikroklima

Mikroklima bezeichnet laut Lutz Katzschner das spezielle Klima eines Gebiets von bis zu einem Quadratkilometer Größe. Bei größeren Flächen, wie es beispielsweise der Edersee im Landkreis Waldeck-Frankenberg ist, spricht man bereits von einem Regionalklima.

Was flächenmäßig noch darüber hinausgeht, beispielsweise eine Fläche größer als das Land Hessen, wird dann prinzipiell schon als globales Klima bezeichnet.

„Wenn ich rausgucke und es regnet, ist das Wetter. Wenn ich weiß, wie oft es auftritt, ist es Klima“, erklärt Lutz Katzschner vereinfacht das Verhältnis von Klima zu Wetter. 

Mit dieser Folge endet unsere Serie „Donnerwetter“. Die bisherigen Folgen:

Unser Autor

Jan Trieselmann (23) wurde 1998 im nordhessischen Helmarshausen geboren und lebt seitdem im Landkreis Kassel. Wetterbeobachtung gehört neben Motorsport und Kochen zu seinen vielen Interessen. Seit 2020 ist er Volontär bei unserer Zeitung.

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