Nordhessen will eigene Internet-Datenautobahn bauen

Kassel. Nordhessen will seine eigene Datenautobahn bauen. Mit der Gründung der „Breitband Nordhessen GmbH“ wollen die fünf Landkreise Waldeck-Frankenberg, Werra-Meißner, Schwalm-Eder, Kassel und Hersfeld-Rotenburg flächendeckend für schnelle Internetverbindungen sorgen.

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Die Landräte der fünf nordhessischen Kreise haben am Dienstagabend die Weichen für eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte in der Region gestellt. Sie besiegelten in Witzenhausen die Gründung der Breitband Nordhessen GmbH, die in den nächsten fünf bis sieben Jahren ein flächendeckendes Glasfasernetz in Nordhessen installieren wird. Die Region wird dann auch europaweit über eine der schnellsten Datenautobahnen mit Übertragungsraten von 30 bis 100 Megabit pro Sekunde verfügen. Derzeit liegt die Leistung in weiten Bereichen Nordhessens bei zwei bis sechs, teilweise sogar unter zwei Megabit.

Grund für das bundesweit einmalige Projekt ist die vor allem in entlegenen Gebieten unzureichende Internet-Versorgung zum Nachteil insbesondere gewerblicher Nutzer. Um einer Abwanderung von Unternehmen, aber auch junger Menschen vorzubeugen, wagen sich die Landkreise an dieses auf 173 Millionen Euro veranschlagte Großprojekt heran – vor allem auch, weil der deutsche Marktführer, die Telekom, sehr zurückhaltend auf entsprechende Vorstöße reagiert hat.

Baubeginn 2015

Etwa 30 Mio. Euro müssen die fünf Kreise Kassel, Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder, Werra-Meißner und Hersfeld-Rotenburg als Eigenkapital selbst aufbringen. 143 Mio. sind als Kredit bei der Wirtschafts- und Strukturbank Hessen beantragt. In 17 bis 22 Jahren soll sich die Investition amortisiert haben. Baubeginn könnte bereits im Frühjahr 2015 sein. Das am Ende 2384 Kilometer lange Netz soll dann schrittweise in Betrieb gegen. Bis 2020 / 22 soll es flächendeckend funktionieren. Es soll von einem professionellen Anbieter betrieben werden. Eine Ausschreibung wird derzeit vorbereitet.

„Dieses Projekt ist ein Meilenstein und überlebenswichtig für den ländlichen Raum“, sagte Regionalmanger Holger Schacht anlässlich der Vertragsunterzeichnung. Sein Haus hat die bisherige Planung koordiniert.

Der Kasseler Landrat Uwe Schmidt erklärte: „Für die Zukunft des ländlichen Raums ist die Datenautobahn noch wichtiger als die Verbindungen auf Straße und Schiene. Es ist zu begrüßen, dass durch die Zusammenarbeit des Regionalmanagements und der Landkreise die Kräfte bei diesem Projekt gebündelt werden.“

Sein Kollege im Werra-Meißner-Kreis, Stefan Reuß, sagte: „Die Breitband Nordhessen GmbH ist eines der wichtigsten Zukunftsprojekte für unseren Kreis und ganz Nordhessen. Die Landkreise sind Vorreiter, denn ein solches Projekt gab es noch nie.“

Artikel aktualisiert um 20 Uhr

Schnelles Internet sei für die ländliche Region überlebenswichtig, sagte Tatjana Grau-Becker von der Wirtschaftsförderung im Schwalm-Eder-Kreis. „Wir brauchen das Glasfasernetz, für unternehmerische Aktivitäten ebenso wie für die private Nutzung“, betonte sie.

Historischer Moment

Von einem historischen Moment sprach der Landrat in Waldeck-Frankenberg, Dr. Reinhard Kubat. Der Ausbau der Breitbandversorgung sei eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte in seinem Kreis und Nordhessen.

Von José Pinto

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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