Wegen anhaltender Kälte

Nordseestimmung an der Fulda: Möwen machen Halt in Kassel

Winterkälte stoppte den Vogelzug zu den nördlichen Brutgebieten: Die vielen Möwen im Flussbereich rund um die Fuldabrücke (im Bildhintergrund) waren ein seltenes Schauspiel, das vielen Passanten auffiel. Sobald dort Enten mit Brotresten gefüttert wurden, segelte sofort auch der Möwenschwarm herbei. Fotos:  Schachtschneider / dpa

Kassel. Rund um die Fuldabrücke sind sich Spaziergänger in den vergangenen Tagen wie im Nordseeurlaub vorgekommen: Eine Kolonie von Dutzenden Lachmöwen hat sich dort während ihres Vogelzuges auf Zwischenstation niedergelassen.

In elegantem Gleitflug patrouillierten die schwarzköpfigen Seevögel zwischen der Drahtbrücke und der Kasseler Schleuse, um keine Passanten zu verpassen, die Enten mit Brotresten fütterten. Dann mischte sich auch der Möwenschwarm mit küstenmäßigem Gekreisch ins Geschehen, um auch einen Anteil zu ergattern.

Mit dem Sonnenschein des Wochenendes dürften die Meeresgäste wieder weitergezogen sein, vermutet Harald Haag, Kasseler Arbeitskreisleiter der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON). Dass sich Möwen zeitweise in der Fuldaaue aufhalten, ist nach seinen Worten nichts Ungewöhnliches: „Die ziehen jedes Jahr hier durch.“

Rast bleibt meist unbemerkt

Meist werde dies aber gar nicht bemerkt, da die Vögel nach einer nächtlichen Rast in der Vogelschutzzone des Bugasees gleich weiterzögen. Wegen des außergewöhnlich langen und kalten Winters aber sei es normal, dass die Möwen ihre saisonale Reise zu ihren nördlichen Brutgebieten für mehrere Tage unterbrechen, sagt der Vogelkundler. Man spreche dann von einem Zugstau.

So viele Möwen gab’s noch nie

In Kassel scheint es den Durchzüglern dieses Jahr besonders gut gefallen zu haben. In den letzten Märztagen hätten sich in dem Vogelschutzrevier an der Fulda nahe der Schwimmbadbrücke bis zu 2000 Möwen länger aufgehalten, darunter neben Lachmöwen auch Sturm- und Silbermöwen, berichtet Haag: „Das hat es hier noch nie gegeben.“ Im langjährigen Durchschnitt würden die Ornithologen während der gesamten Saison etwa 1000 Möwen zählen, die via Kassel in ihre Brutgebiete und Winterquartiere fliegen.

Die Lachmöwen treten diese Reise zwischen Anfang Februar und Mitte März an. Ihr markantes schwarzes Kopfgefieder tragen die Vögel übrigens nur in der Zeit von März bis Juli. Wie auch bei anderen Vogelarten dient dieses so genannte Prachtkleid der Partnerwerbung und der Revierabgrenzung. Zu anderen Zeiten ist der Lachmöwenkopf fast ebenso hell wie das restliche Gefieder – lediglich zwischen Augen und Ohrbereich gibt es fleckenartige dunkle Stellen.

Von Axel Schwarz

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