200 Jahre altes Relikt war im Turm der Nordshäuser Klosterkirche gelagert

Ehrentafel aufgetaucht

200 Jahre alte Ehrentafel: Josef Mense zeigt die aufwendig gestaltete Eichenholztafel, die bei Aufräumarbeiten in der Nordshäuser Kirche gefunden wurde. Fotos: Konrad

Nordshausen. In der Klosterkirche im Stadtteil Nordshausen ist bei Aufräumarbeiten in einer Kammer des Turms eine Ehrentafel aus dem Jahr 1814 wieder aufgetaucht. Laut Dr. Josef Mense, der sich mit der Kirchengeschichte befasst, ist die Tafel zu Ehren der Kämpfer des Befreiungskrieges gegen Napoleon 1814 gefertigt worden. Ein Gutachter der Landeskirche habe die 1,50 mal einen Meter messende Eichenholztafel als wichtiges und wertvolles Zeugnis der Geschichte bewertet.

Namen der Kriegsteilnehmer

Auf der Tafel stehen zehn Namen von Kriegsteilnehmern aus Nordshausen, an der Spitze Rittmeister Johann Caspar Franz Stein. Mense zufolge stammt er aus der Familie des „Stein’schen Hofs“, der als Gutshof neben der Kirche heute noch besteht. Er und seine neun Mitstreiter dienten unter Kurprinz Wilhelm im „4. Teutschen Bundes-Korps“, den Kurhessischen Truppen.

Die Verkündung der Namen im Gottesdienst war per Erlass vorgeschrieben. Mense: „Die öffentliche Ehrung sollte die Emotionen und die Kampfkraft beflügeln.“

Die Namen seien zunächst auf Papier wahrscheinlich neben der Kanzel zu lesen gewesen. Später habe man die Namen auf der aufwendig gestalteten Eichenholztafel mit dem Wappen des Kurprinzen verewigt. Die Tafel datiert auf den 1. Mai 1814.

Mense vermutet, dass die Tafel bis zur Renovierung der Klosterkirche im Jahr 1958 noch in der Kirche hing. Sie sei in einem sehr guten Zustand, von ihrer Art gebe es nicht mir viele, sagt er und beruft sich auf den Kirchengutachter. Fünf dieser Tafeln seien auch in der Kasseler Martinskirche aufgehängt gewesen, im Krieg allerdings verbrannt. Außerdem gebe es noch eine Tafel in Bettenhausen, die aber sehr schlicht gehalten sei.

Gefunden hatten die Tafel Küsterin Marianne Kirschenlohr zusammen mit Manfred Discher und Anatoli Karli beim Aufräumen vor etwa vier Wochen. Die Einschätzung des Kirchengutachters liegt jedoch erst seit Kurzem vor.

Von Mirko Konrad

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