Josef Mense erforscht die Kirchengeschichte und hat einen spannenden Führer verfasst

Geheimnisse der Klosterkirche

Renoviertes Gotteshaus mit langer Geschichte: Josef Mense (von links) und Pfarrer Dr. Markus Himmelmann mit dem neuen Klosterkirchenführer. Fotos: Dilling

Nordshausen. Die Klosterkirche Nordshausen ist mehr als 700 Jahre alt. Nach dem Abschluss der aufwändigen Renovierung hat die Kirchengemeinde Kassel-Süd einen reich bebilderten, spannenden Kirchenführer herausgebracht, der im wesentlichen aus der Feder von Dr. Josef Mense stammt.

Der ehemalige Gymnasiallehrer und begeisterte Hobby-Kirchenhistoriker bieten einige interessante Erkenntnisse: Die Gründung des ehemaligen Zisterzienser-Klosters in Nordshausen, zu dem die Kirche gehörte, sei wahrscheinlich nicht nur aus religiösen Gründen sondern auch aus schlichtem Machtkalkül erfolgt, sagt Mense.

Demonstration der Macht

Der Bischof von Mainz habe damals seinen Einflussbereich in Hessen-Thüringen ausbauen wollen. Der Graf von Wallenstein, Adliger aus Schauenburg, schenkte im 13. Jahrhundert die damalige Klosterkapelle Nordshausen dem Zisterzienser-Kloster. „Ich glaube, dass die Gründung des Klosters eine Demonstration gegen den Machtanspruch des Erzbischofs war“, sagt Mense.

Der Hobby-Historiker, der schon in namhaften Fachzeitschriften publizierte, hat in den Archiven auch herausgefunden, dass das Zisterzienserkloster vor der Reformation von Benediktinern übernommen wurde. Da müsse es wohl vorher zu Unregelmäßigkeiten beim Betrieb des Klosters gekommen sein, glaubt Mense, der auch Führungen in der Kirche anbietet.

Der Forscher hat aber auch viele Details aus der Baugeschichte der Kirche entdeckt. Anhand eines Steinmetzzeichens fand er heraus, dass der jetzt im Altarraum aufgestellte Taufstein kurz vor Beginn des 16. Jahrhunderts nachgearbeitet wurde. Ziemlich selten sei die Darstellung Jesu mit zotteligem Haupthaar auf dem Schlussstein der Kirche im Deckengewölbe. Mense bringt das mit mittelalterlicher Zahlensymbolik in Verbindung. Bei dieser Forschung sei er unter anderem von der Uni Kassel unterstützt worden.

Pfarrer mit Hund

Im Altarraum der Kirche findet man nicht nur den markanten Taufstein, sondern auch die steinerne Liegendfigur eines katholischen Pfarrers mit Hund. Diese Figur birgt nach Ansicht von Mense ein weiteres Geheimnis. Bisher habe man vermutet, mit der Bezeichnung „Magus“ auf dem verwitterten Stein sei das – falsch geschriebene – lateinische Wort „Magnus“ (der Große) gemeint. Möglich ist nach Ansicht des Hobby-Forschers aber, dass die Gläubigen den Pfarrer tatsächlich als „Magus“, als einen Magier, betrachteten.Seine Forschung sei noch lange nicht beendet, sagt Mense. Momentan sei er einem weiteren Grabmal auf der Spur, das zu dem außerehelichen Sohn eines Landgrafen gehören könnte.

Der Führer zur Klosterkirche ist für vier Euro im Pfarramt erhältlich.

Von Peter Dilling

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