Cross-Traum geplatzt

Jugendliche müssen Dirt-Bike-Parcours wieder abbauen

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Viel Geld und Mühe haben die Jugendlichen in den Bau einer Dirt-Bike-Strecke auf einem Privatgrundstück bei Nordshausen gesteckt. Jetzt müssen sie wegen bestehender Landschaftsschutzbestimmungen Rampen und Erdhaufen wieder einebnen. Auf der Suche nach einer neuen Fläche werden sie von Ortsvorsteher Michael Plätzer (Zweiter von links) unterstützt. Zur Dirt-Biker-Clique in Nordshausen gehören (von links) Robert Felmeden, Robin Schymura, Martin Siebrecht, Moritz Tschischkale und Joey Schotte.

Nordshausen. Weiter können Interessen kaum auseinanderliegen. Da gibt es eine Gruppe Jugendlicher um Joey Schotte und Moritz Tschischkale, die auf einem Privatgrundstück bei Nordshausen mit Dirt-Bikes (Mountainbike mit kleineren Rädern) einen selbst gebauten Parcours befahren will.

Und da gibt es den Landschaftsschutz, der dieser Leidenschaft einen Riegel vorschiebt.

„Ich kann es kaum fassen“, sagt Norbert Itter, dem das Grundstück gehört. Er findet das Engagement der Jugendlichen toll. „Die machen was, haben ein Ziel. Das ist doch großartig.“ Für ihn war es keine Frage, den Jungs die brachliegende Fläche zu verpachten. Sie schnitten die Büsche, schütteten mit Erde Hindernisse auf, bauten aus Holz Rampen und stießen dabei sogar auf Unterstützung des Ortsvorstehers Michael Plätzer. Auch er ist der Meinung: „Man kann jungen Leuten nicht alles wegnehmen.“

Aber die Untere Naturschutzbehörde bleibt hart. Alles sei wieder rückgängig zu machen, schreibt sie in einem Brief an Itter. Immerhin liege die Fläche an der Korbacher Straße (nahe Grillplatz) in einem Landschaftsschutzgebiet, Zone 1. Das heißt: Die Fläche ist wegen ihrer Naturbelassenheit für Tiere und Pflanzen so wichtig, dass sie in ihrem Charakter nicht verändert werden darf. Was Itter als „Enteignung“ bezeichnet, ist für die Untere Naturschutzbehörde aktiver Landschaftsschutz.

Die Fronten sind klar – und nicht unter einen Hut zu kriegen. Selbst Ortsvorsteher Plätzer sieht ein: „Da ist nichts zu machen.“ Im Gegenteil bewertet er das Verhalten der Behörde als noch relativ kooperativ. Sie will kein Verfahren gegen die Jugendlichen anstrengen. „Sie müssen eben nur alles wieder abbauen und zuwachsen lassen“, sagt Plätzer.

Damit aber sei das Problem eines fehlenden Dirt-Bike-Parcours noch nicht vom Tisch. Weil Plätzer keinen Spielraum für eine Sondergenehmigung sieht und auch den politischen Weg für nicht realistisch hält, setzt er sich für einen alternativen Standort ein. „Das muss gemacht werden, damit die Jungs nicht irgendwann anfangen, im Habichtswald herumzufahren“. Abgesehen davon sei die Mountainbiker-Szene in Kassel groß. „Joey und seine Freunde sind nicht die Einzigen, die solch einen Parcours wollen.“

Tatsächlich prüfe die Stadt aktuell die Einrichtung einer Strecke im Bereich Helleböhn – „bislang aber ohne Ergebnisse“, sagt Stadt-Sprecher Ingo Happel-Emrich. „Die prüfen das aber schon seit Jahren“, entgegnet Plätzer.

Und auch Itter schüttelt den Kopf. Noch vor 25 Jahren sei er selbst mit einem Cross-Motorrad auf seinem Grundstück herumgefahren, „und keiner hat sich aufgeregt“, sagt er. Da hat er wohl Glück gehabt. Sein Gründstück ist bereits seit 1976 Teil des Landschaftsschutzgebietes zwischen Nordshausen und der A 44.

Neues Gelände gesucht

Weil Grundstücksbesitzer Norbert Itter und Ortsvorsteher Michael Plätzer das Engagement der Jugendlichen nicht ins Leere laufen lassen wollen und die Stadt schon seit Jahren keine Alternative anbietet, wird nun nach einem neuen Grundstück gesucht.

„Wir möchten vor allem Privatleute ansprechen, die möglicherweise ein Gelände bereitstellen können, das in der Nähe Nordshausens und nicht im Landschaftsschutzgebiet liegt“, sagt Plätzer. Das Grundstück müsse nicht groß sein. Wichtig sei allerdings, dass die Pacht nicht zu hoch angesetzt werde, damit das Dirt-Biken für die Jugendlichen bezahlbar bleibe.

Interessierte können sich bei Michael Plätzer, Tel. 0171 / 50 70 128, melden.

Von Boris Naumann

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