Streit um Kiefer

Weihnachtsbaum oder nicht? Müllabfuhr nimmt Ast nicht mit

Zum Weihnachtsbaum geadelt: Das Ehepaar Nauk aus Nordshausen nutzte einen Ast als Christbaum. Dieser wurde von den Stadtreinigern nicht mitgenommen.

Kassel. Wann ist ein Weihnachtsbaum ein Weihnachtsbaum? Diese Frage stellte sich jetzt Dieter Nauk, nachdem sein Bäumchen nicht von den Kasseler Stadtreinigern eingesammelt wurde.

Stattdessen blieb das Bäumchen vergangene Woche allein am Straßenrand zurück. In einem humorigen Brief an die Stadtreiniger beklagte sich der Rentner aus dem Kasseler Stadtteil Nordshausen über die Diskriminierung seines speziellen Weihnachtsbaums.

Wie alle Jahre wieder war der 77-Jährige in der Adventszeit mit der Säge in seinen Kleingarten an der Dönche gezogen. Dort schnitt er von einer Kiefer einen 1,20 Meter langen Ast ab. Zuhause angekommen, spitzte er ihn unten an, stellte ihn in einen Weihnachtsbaumständer und schmückte ihn festlich. „Meine Frau und ich wechseln immer mal wieder zwischen Fichten- und Kiefernast“, erzählt der Rentner.

Die Weihnachtszeit ging rum und so legte er den zum Weihnachtsbaum geadelten Ast rechtzeitig und abgeschmückt an die Straße. Dort verbrachte er neben den Fichten der Nachbarn eine eisige Nacht. Zum Erstaunen von Nauk blieb sein Kiefernast als einziger zurück. Die Stadtreiniger hatten ihn verschmäht.

„Meine Traurigkeit war groß und ich fühlte mich diskriminiert“, heißt es in dem Brief des Rentners an die Stadtreiniger, den er aus der Perspektive des Astes verfasste. Als sich Nauk bei den Stadtreinigern informieren wollte, warum sein Gehölz nicht abgeholt wurde, bekam er keine Antwort. In den Vorjahren waren Nauks Weihnachtsäste immer anstandslos eingesammelt worden.

Schließlich entschloss sich der 77-Jährige, seinem nadeligen Freund selbst den Garaus zu machen. Er zerstückelte ihn und steckte den Stamm in die Mülltonne, die Zweige in die Biotonne.

Dieter Nauk

Bei den Stadtreinigern heißt es, der Kiefernast sei vermutlich nicht als Weihnachtsbaum identifiziert worden. „Ich gehe davon aus, die Kollegen haben ihn bedauerlicher Weise nur für Baumschnitt gehalten“, sagt Sprecherin Birgit Knebel. Alles, was als Christbaum erkennbar, abgeschmückt und nicht höher als 1,50 Meter sei, werde mitgenommen.

„Wenn jemand eine Klorolle schmückt und sie als Weihnachtsbaum benutzt, wird sie natürlich nicht eingesammelt“, sagt Knebel. Der Rentner solle nächstes Jahr einen Zettel mit der Aufschrift „Ich war ein Weihnachtsbaum“ am Ast anbringen, witzelt die Sprecherin.

Bei 90 Tonnen Weihnachtsbäumen, die von den Stadtreinigern jedes Jahr eingesammelt und gehäckselt werden, könne aber auch der ein oder andere übersehen werden. Bei Betroffenen, die sich rechtzeitig meldeten, habe man die Bäume noch nachträglich abgeholt. Laut Duden haben Nauks Äste keine Chance, ein vollwertiger Weihnachtsbaum zu sein. Dort heißt es: „Tanne, Fichte, Kiefer, die man zu Weihnachten mit Kerzen, Kugeln, Lametta oder Ähnlichem schmückt.“

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.