Rentner hat Anzeige erstattet

78-Jähriger vor AfD-Versammlung in Kassel von Treppe geschubst

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Attacke vor dem Scheidemann-Haus in der Kasseler Nordstadt: Ein 78-jähriger Mann aus Kassel berichtet, dass er von einem Gegendemonstranten von dieser Treppe (vorne) geschubst worden ist.

Kassel. Ein 78-jähriger Mann hat Anzeige wegen Körperverletzung erstattet, weil ihn ein Gegendemonstrant auf dem Vorplatz des Scheidemann-Hauses von einer Treppe geschubst haben soll.

Der Mann wollte eine Veranstaltung der Kasseler AfD besuchen.

Wenn die Kasseler AfD zu Veranstaltungen in das Philipp-Scheidemann-Haus in der Kasseler Nordstadt einlädt, dann sind bislang auch immer Gegendemonstranten erschienen, die auf dem Vorplatz lautstark gegen die Partei protestierten. So war es im März zum Auftakt der Bundestagswahl. 

Am Mittwoch, 26. April, als Manfred Mattis, Sprecher des Kreisverbandes Kassel-Stadt, über den AfD-Parteitag in Köln berichten wollte, blieb es nicht bei verbalen Attacken. Ein Besucher wurde offenbar von einem Demonstranten von einer Treppe geschubst.

Es handelt sich um einen 78-jährigen Arzt im Ruhestand. Der Mann aus Kassel berichtet, dass er von einem Mitglied der Antifa geschubst worden und daraufhin drei Treppenstufen heruntergefallen sei. Der Mann, der aus Angst vor weiteren Angriffen anonym bleiben will, hat Anzeige wegen Körperverletzung erstattet.

Das bestätigt Polizeisprecher Matthias Mänz. Mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen will sich die Polizei aber nicht weiter zu dem Vorfall äußern. 

Rentner ist kein AfD-Mitglied

Der Senior, der selbst nicht Mitglied der AfD ist, berichtet, dass er an dem Abend seinen Wagen auf dem Parkplatz an der Mombachstraße geparkt habe. Dann wollte er zum Scheidemann-Haus gehen. Der Vorplatz sei mit einem Gitter abgesperrt gewesen, an dem zwischen 50 und 100 Gegendemonstranten gestanden hätten. „Die haben uns als Nazis und Faschisten-Pack beschimpft“, sagt der Mann. Er sei diagonal über den Platz gelaufen, um zu dem Zugang zu gelangen. „Das war eine Art Passage für diejenigen, die zur AfD gehen wollten.“

Dort habe er plötzlich einen Stoß von hinten bekommen, berichtet der 78-Jährige. Er sei drei Stufen herabgestürzt und auf seine Schulter gefallen.

Der Mann, der ihn geschubst habe, sei Mitte bis Ende 20 gewesen, habe einen Oberlippenbart und mittelblondes Haar gehabt. „Der hat mich nur angegrinst. Als ich aufgestanden bin, ist er weggegangen.“ Hilfe von den anderen Demonstranten habe er nicht bekommen, sagt der 78-Jährige. Die hätten stattdessen nur gefeixt. „Früher hätte man nicht einen Opa, wie ich einer bin, angegriffen.“

Zwar schmerze sein Schulterblatt von dem Sturz noch ein wenig, aber das sei nicht der Grund, warum er mit der Geschichte jetzt an die Öffentlichkeit gehe. „Ich bin erschrocken, dass man in Deutschland mittlerweile soweit ist, dass man sich nicht mal mehr eine Meinung anhören kann.“ Er verstehe nicht, dass die AfD von allen anderen Gruppen in der Gesellschaft zurückgewiesen werde. „Das ist ein Verlust an Demokratiebewusstsein“, sagt der Mann.

Eine Frau, die ebenfalls zur AfD wollte und seinen Sturz mitbekam, habe sofort einen Polizisten geholt. Gemeinsam habe man nach dem Mann gesucht, der ihn geschubst habe. Allerdings ohne Erfolg.

Hinweise an die Polizei unter Tel.: 0561/9100.

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