Gewerkschaft der Polizei und Moschee-Verein kooperieren

Ein Zeichen der Freundschaft: Polizisten zu Gast in Moschee

Besuch in der Kasseler Stadtmoschee: Von links die Vertreter der Gewerkschaft der Polizei Carsten Maier, Stefan Rüppel und Uwe Tenbusch, der Vorsitzende des Moschee-Vereins Seyfettin Eryörük, Lars Elsebach (GdP) und Kamil Saygin (Ausländerbeirat). Fotos:  Fischer

Nordstadt. Das Sonntagsgebet in der Kasseler Stadtmoschee am Westring fing mit einigen Minuten Verspätung an.

Der Vorsitzende des Moschee-Vereins Seyfettin Eryörük und Kamil Saygin vom Ausländerbeirat stellten den etwa 50 Gottesdienstbesuchern zunächst einmal ihre Gäste vor.

Mit Applaus wurden die vier Vertreter der Gewerkschaft der Polizei begrüßt. Lars Elsebach, der stellvertretende Bezirksvorsitzende, und der Vorsitzende des Moschee-Vereins kennen sich vom Sport. „Er ist mein Lehrer beim Taekwondo und ein Freund“, sagt Elsebach. Gemeinsam habe man die Idee zum Moscheebesuch der Polizisten entwickelt.

Freundliche Begrüßung: Der Imam Hasan Bayar.

„Wir wollen ein Zeichen setzen“, sagt der nordhessische GdP-Vorsitzende Stefan Rüppel. Ein Zeichen dafür, dass weder die Anschläge von Paris noch die Pegida- und Kagida-Demonstrationen in Deutschland einen Keil zwischen die Menschen treiben können. „In Kassel wohnen seit 50 Jahren Menschen aus der Türkei, Kassel ist unsere Heimat geworden“, sagt Seyfettin Eryörük. Er tritt als Kampfrichter im Taekwondo international für Deutschland an, sein Sohn Osman ist mehrfacher Weltmeister und Mitglied der deutschen Nationalmannschaft.

„Jeden gläubigen Muslim haben die Anschläge in Frankreich mitten ins Herz getroffen“, sagt Kamil Saygin, der sich seit Jahren im Kasseler Ausländerbeirat engagiert. Für den 2. Februar organisiere man eine Demonstration, die zu einem gemeinsamen Bekenntnis für Demokratie und Meinungsfreiheit werden soll. Vor dem Rathaus sollen dann die Kasseler Muslime mit Transparenten deutlich machen, für wie viele unterschiedliche Gruppierungen sie stehen. Viele der Gemeindemitglieder des Moschee-Vereins am Westring seien irritiert über die Demonstrationen gegen die vermeintliche Islamisierung des Abendlandes, sagte Saygin.

Er werde weiterhin genauso gern beim türkischen Bäcker einkaufen wie beim deutschen Metzger, sagt der Gewerkschaftler Lars Elsebach. Das lasse er sich nicht von Fanatikern nehmen. Als Polizist habe er ein großes Interesse daran, dass die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen friedlich und voller Respekt miteinander leben.

„Das haben wir in Kassel bisher ziemlich gut hingekriegt“, sagt Stefan Rüppel, der über einige Jahre Polizeierfahrung in der Nordstadt verfügt. Gemeinsam mit seinen Kollegen ist er bewusst nicht in Uniform gekommen. Dazu gehöre auch immer eine Pistole, und das wäre das falsche Zeichen gewesen, sagt er.

Von Thomas Siemon

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