Mehrwegflasche 1969 eingeführt

Sie kommt aus Kassel: Normbrunnenflasche feiert 50. Geburtstag

Astrid Hammerstein vom Getränkemarkt Weber.

Die Normbrunnenflasche für Mineralwasser wird heute 50. Umgangssprachlich wird die Glasflasche übrigens wegen ihrer Noppen auch Perlenflasche genannt.

Wahrscheinlich hatte sie fast jeder schon mindestens einmal in der Hand, und trotzdem wissen die Wenigsten, dass die Glasflasche mit der Einschnürung in der Mitte und den 230 Noppen aus Kassel stammt.

Am 8. August 1969 wurde die Glasflasche als neue, einheitliche Mehrwegflasche für deutsche Mineralbrunnen eingeführt. Wir haben uns in Kasseler Getränkemärkten umgeschaut und nachgefragt, wie oft die Flasche heute noch in den Geschäften zu finden ist und wie häufig sie noch gekauft wird.

„Glasflaschen sind auf jeden Fall wieder beliebter, vor allem nach der ganzen Plastik-Misere“, sagt Astrid Hammerstein vom Getränkemarkt Weber in der Breitscheidstraße.

Klassisch mit der Einschnürung in der Mitte und genau 230 Noppen: Die Normbrunnenflasche, hier gefüllt mit Apfelschorle, kommt aus Kassel.

„Die Menschen wollen langsam weg vom Plastik“, sagt Edward Stankovic, Besitzer des Getränkemarkts „Dr. Durst“ in der Willhelmshöher Allee. Auch er hat festgestellt, dass seine Kunden wieder mehr Glasflaschen kaufen und das Schleppen der schweren Kisten in kauf nehmen. „Besonders Firmen kaufen die Glasflaschen“, sagt der 33-Jährige. Das läge daran, dass diese oft hochwertiger wirkten.

Die Normbrunnenflasche ist in beiden Getränkemärkten am häufigsten unter den Glasflaschen vertreten. Allerdings bieten viele der Mineralbrunnen inzwischen auch eigene Glasflaschen an. „Die sind etwas teurer und werden meistens an die Gastronomie verkauft“, sagt Stankovic.

Edward Stankovic vom Getränkemarkt Dr. Durst.

Neben dem Mineralwasser enthalten die Normbrunnenflaschen auch Limonaden und Schorlen, eben alles mit Sprudel. „Es gibt eigentlich von jeder Quelle eine Perlflasche“, stellt Hammerstein fest. Zusätzlich gibt es noch grüne Glasflaschen ohne die Noppen. Die enthalten das „Medium“-Wasser, also das Wasser mit weniger Kohlensäure. Seit 1996 gibt es auch zahlreiche PET-Flaschen, deren Aussehen der Normbrunnenflasche nachempfunden ist. Der Erfinder Günter Kupetz, der im vorigen Jahr verstorben ist, sagte selbst: „Ich halte den Entwurf für zeitlos und würde sagen, verbessern kann man ihn nicht“.

Mit 230 Noppen gegen Coca-Cola

Erfunden hat die markante Flasche mit den 230 Noppen der Kasseler Industriedesigner Professor Günter Kupetz. Die Einführung der Mehrwegflasche wurde heute vor 50 Jahren beschlossen, 1971 füllten dann die deutschen Mineralbrunnen ihr Wasser in die neuen Flaschen.

Die Normbrunnenflasche sollte den Getränkeherstellern bundesweit ein einheitliches Vertriebssystem ermöglichen. Damit wollten die deutschen Hersteller auch der Konkurrenz durch die Coca Cola Company entgegentreten. Durch einen großen Pool an gleichen Flaschen mussten diese nicht zurück an die Mineralbrunnen transportiert werden, sondern konnten von allen Getränkeherstellern verwendet werden. Die Flasche aus Klarglas mit dem Schraubverschluss kann nach dem Gebrauch gereinigt und bis zu 50 mal wieder befüllt werden.

Kupetz bekam den Auftrag für die Entwicklung einer Normflasche von der Genossenschaft Deutscher Mineralbrunnen. Die hätten damals moderne Abfüllanlagen aus den USA gekauft, aber es fehlte noch die passende Flasche, erzählte Kupetz in einem früheren Interview. Die für die Flasche charakteristische Einschnürung in der Mitte der Flasche sowie die Noppen sollten für mehr Griffsicherheit sorgen. Gleiches gilt für die Noppen, die außerdem den Sprudel im Wasser symbolisieren.

1994 wurde die Mehrwegflasche von Günter Kupetz sogar mit einem Umweltpreis ausgezeichnet.

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