"Wüsste nicht, wo ich sonst leben sollte"

Notbetten für gestrandete Erstsemster

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Noch auf Zimmersuche: Stepan Hakhverdyan (23) übernachtet derzeit in einer Notunterkunft in einem Studentenwohnheim an der Moritzstraße.

Kassel. So viele Studenten hatte Kassel noch nie: Mehr als 23.000 junge Leute studieren inzwischen an der Uni, für 5000 davon beginnt in diesen Tagen ihr erstes Semester. Mit der steigenden Studentenzahl wird der Mangel an kleinen, günstigen Wohnungen zunehmend zum Problem.

Die 1000 Wohnheimplätze des Studentenwerks sind ausgebucht, 880 Studenten stehen auf der Warteliste. Einige Neuankömmlinge in Kassel müssen daher auf Notbetten ausweichen, die das Studentenwerk bereitstellt.

Stepan Hakhverdyan hat die vergangenen Nächte in einem Mehrbettzimmer im Wohnheim an der Moritzstraße/Mönchebergstraße verbracht. „Gleich nach der Zusage für Kassel habe ich mich auf einen Wohnheimplatz beworben“, erzählt der 23-Jährige Armenier. Da wusste er noch nicht, wie viele Mitbewerber er hat.

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Das größte Problem für ausländische Studenten sei die Kontaktaufnahme hier in Deutschland, sagt Brigitte Schwarz, Sprecherin des Studentenwerks. „Viele private Vermieter sagen bei einem Anruf aus dem Ausland, dass sie kein Englisch sprechen und legen auf.“ So sei es schwierig, an privat vermietete Wohnungen zu kommen.

Homepage der Uni Kassel

Stepan Hakhverdyan bewohnt den umfunktionierten Sozialraum des Studentenwohnheims am Campus zurzeit allein. Für den Moment ist er über diese Zwischenlösung froh: „Ich wüsste nicht, wo ich sonst leben sollte, wenn nicht hier.“ Der Raum ist mit sechs Betten, einem separatem Waschraum mit Toilette, einer Küchenzeile und Internetanschluss ausgestattet. Zum Duschen geht der 23-Jährige in den dritten Stock zu anderen Studenten. „Ich bin froh, dass ich auch die Abende mit ihnen verbringen kann“, sagt der Masterstudent. „Es ist schon manchmal einsam.“

„Wir sehen das nicht als komfortable Unterkunft an, aber es ist eine Möglichkeit, in aller Ruhe suchen und erste Dinge regeln zu können“, sagt Schwarz. Bisher sind sieben Studenten auf diese Notbetten ausgewichen. Alle haben jedoch innerhalb weniger Tage eine Bleibe gefunden. Bei der Suche nach günstigem Wohnraum müssen sich die Studenten zunehmend auch ins Umland orientieren.

Bilder vom Empfang für die Erstsemester

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Auch der 23-jährige Hakhverdyan hat vom Studentenwerk einige Wohnungsangebote aus Nachbargemeinden bekommen. „Ich suche aber eher nach einem Zimmer in Uni-Nähe“, sagt der Armenier. Die meisten jungen Leute wollten nicht weiter als Vellmar und Ihringshausen von der Stadt entfernt wohnen, weiß die Studentenwerkssprecherin von den Rückmeldungen.

Von Miriam Linke

Stepan Hakhverdyan hat noch einige Besichtigungstermine vor sich. Wer ein Zimmer oder eine Wohnung vermietet, kann sich gern bei ihm melden: stepan.hakh@gmail.com

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