Notfalls auch ins Hotel

Stadt und Kreis suchen nach Alternativen zur Unterbringung der Asylbewerber

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Als Flüchtlingsunterkunft im Gespräch: Das ehemalige Kinderkrankenhaus Park Schönfeld an der Frankfurter Straße. Die Asylbewerber sollen gegebenenfalls in dem Erweiterungsbau im hinteren Teil des Geländes untergebracht werden.

Kassel. Eigentlich sollte die Stadt Kassel in diesem Jahr 125 Flüchtlinge aufnehmen. „Tatsächlich wurden uns bis zum 6. September bereits 130 zugewiesen beziehungsweise aus anderen Kommunen oder Bundesländern umverteilt“, sagt Rathaussprecher Hans-Jürgen Schweinsberg.

„Weitere Zuweisungen werden folgen. Durch die Flüchtlinge aus Syrien wird die Situation noch schwieriger.“

Die Stadt rechnet damit, dass weitaus mehr Menschen nach Kassel

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geschickt werden, weil die Aufnahmeeinrichtungen des Landes voll sind. In der Vergangenheit habe man die Quote immer erfüllen können, sagt der Leiter des Kasseler Sozialamtes, Detlev Ruchhöft. In den nächsten Monaten werde dies nicht mehr möglich sein.

„Wir haben erhebliche Probleme bei der Unterbringung“, sagt Ruchhöft. Angesichts des angespannten Wohnungsmarktes sei es „außerordentlich schwierig“, Wohnraum anzumieten. Die Hotels seien wegen der documenta ausgebucht. Ruchhöft setzt alle Hoffnungen auf das ehemalige Kinderkrankenhaus Park Schönfeld. Andere Möglichkeiten gebe es nicht.

Private Vermieter

Um weitere Asylbewerber aufnehmen zu können, mietet die Stadt bei der Gemeinnützigern Wohnungsbaugesellschaft (GWG), der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft Hessen (GWH) und privaten Vermietern Wohnungen an. Wie angespannt die Situation ist, zeigt sich auch daran, dass selbst eine Unterbringung im Hotel schon nötig war. Im Notfall soll auch die Obdachlosenhilfe in Anspruch genommen werden, was bislang aber noch nicht vorgekommen ist.

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Auch im Landkreis sind Unterkünfte knapp. „Familien werden relativ schnell in Mietwohnungen untergebracht“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Die Flüchtlinge könnten sich selbst eine Wohnung suchen, der Kreis zahle die Miete. Die Gemeinschaftsunterkunft in Fuldatal-Ihringshausen kann 150 Menschen aufnehmen, meist werden dort Einzelpersonen untergebracht.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sie traumatisiert seien und Verhaltensauffälligkeiten zeigten, sei bei ihnen größer, sagt Kühlborn. Deshalb wolle man Familien möglichst getrennt unterbringen. Eine Möglichkeit böten die angemieteten Wohnblöcke am Rand des Kasernengeländes in Fuldatal-Rothwesten, wo auch Einheimische leben. Der Landkreis will laut Kühlborn auch die sozialpädagogische Betreuung der Flüchtlinge verstärken. Ein bereits für den Kreis tätiger Sozialarbeiter werde das Team des ASB ergänzen.

Für die Unterbringung der Asylbewerber hat der Kreis 2011 nach eigenen Angaben 2,25 Millionen Euro ausgegeben. 925.000 Euro kamen vom Land, 1,28 Millionen Euro aus Eigenmitteln. Bei der Stadt waren es im vergangenen Jahr 1,3 Millionen Euro, vom Land kamen 670.000 Euro für die Unterbringung der Flüchtlinge.

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