Bündnis für Familie zieht positive Zwischenbilanz nach zehn Jahren – Viele Projekte

600 Notinseln für Kinder

Erfolgreiches Projekt: Im vergangenen Jahr spendierte der Verlag Hofmayer für alle Kasseler Grundschüler (hier eine Klasse in Harleshausen) ein Hausaufgabenheft mit dem „Notinsel“-Emblem, um die Hilfe-Idee noch fester in den Köpfen der Kinder zu verankern. Archivfoto:  Oschmann

Kassel. Als Kassel vor zehn Jahren ein Bündnis für Familie gründete, war dies das 100. Netzwerk bundesweit. Inzwischen hat diese lokale Initiative mit über 70 Organisationen, Vereinen und Institutionen viel bewegt. Ein Beispiel ist eines der ersten Bündnis-Projekte, das zunächst „Familie willkommen“ hieß und heute unter dem Namen Notinseln vom Kinderschutzbund und der IHK weitergeführt wird. Inzwischen gibt es 600 familienfreundliche Geschäfte, Bankfilialen oder auch Friseure, die – erkennbar an dem Aufkleber – zu Anlauf- und Fluchtpunkten für Kinder in Not wurden.

25 Fälle, in denen Kinder hier Hilfe in der Not fanden, seien dem Kinderschutzbund bekannt, erläuterte Kirsten Voelzke. So sei ein Kind vor einer körperlichen Auseinandersetzung in ein Notinsel-Geschäft geflüchtet. Ein anderes wandte sich an eine Notinsel, weil die Tante es lange Zeit im Auto zurückgelassen hatte. Im Laden wartete es, bis die Tante wiederkam.

Es habe aber auch leichte Fälle gegeben, in denen Kinder und Jugendliche Hilfe fanden. Sei es, weil sie dringend auf die Toilette mussten oder weil noch die Bleistifte vor einer Mathearbeit angespitzt werden mussten. Die Notinseln auf dem Weg zur Schule oder zum Sport schafften auch für Eltern ein Gefühl der Sicherheit, sagte die ehrenamtliche Kinderschutzbund-Mitarbeiterin.

„Wir können eine gute Bilanz ziehen“, sagte Anne Janz, Dezernentin für Jugend, Schule, Frauen und Gesundheit, beim jüngsten Netzwerktreffen im Rathaus anlässlich des zehnjährigen Bestehens. Als ein weiteres Beispiel der Bündnisarbeit nannte sie den Kompetenzpass für Frauen, die wieder in das Erwerbsleben zurückkehren und ihre in der Familienarbeit erworbenen Kompetenzen sichtbar machen wollen. Dieses Projekt sei sogar bundesweit aufgenommen worden. Janz: „Wir lernen voneinander und wir lernen von Beispielen.“ Das sei auch die Motivation der Vitos Orthopädischen Klinik Kassel, dem jüngsten Kooperationspartner in der Runde, dem Bündnis beizutreten. „Wir wollen nicht isoliert etwas machen“, sagte Personalleiter Joachim Baier. Von der Bündnisarbeit profitiere sie sehr, unterstrich Dr. Roswitha Wöllenstein von der IHK Kassel-Marburg: „Familienfreundlichkeit ist ein harter Standortfaktor.“ Angebote für Kinderbetreuung seien hier ein wichtiges Beispiel.

Auch viele andere Projekte seien durch das Bündnis, die Zusammenarbeit und den ideenreichen Austausch starker Partner imitiert worden: Angefangen bei Nachbarschaftshilfe und Hausaufgabenbetreuung über Ferienspiele, Fahrradkurse für Mütter mit ausländischen Wurzeln und Hilfen bei der Ausrichtung von Kindergeburtstagen bis hin zu Fortbildungsveranstaltungen zum Thema Pflege und Beruf. „Familienfreundlichkeit ist ein Thema, das quer durch alle Lebensbereiche geht“, hielt Stadträtin Janz vor Augen. (hei)

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