Ex-Trickfilmprofessor Andreas Hykade prangert Zustände an der Kunsthochschule an

Kasseler Kunsthochschule - Notruf der Kreativschmiede

Kassel. Die Situation der Kasseler Kunsthochschule ist verheerend, sagt der scheidende Trickfilmprofessor Andreas Hykade. Er sieht für die renommierte Trickfilmklasse keine Zukunft.

Dabei sei es einzigartig, dass eine Universität zwei Oscars errungen hat („Balance“ von den Brüdern Lauenstein (1990) und 1997 „Quest“ von Tyron Montgomery und Thomas Stellmach). Nun prangert er in einem offenen Brief an Uni-Präsident Rolf-Dieter Postlep Ignoranz, mangelhafte Zustände und den fehlenden Willen an, die Kunsthochschule personell und finanziell angemessen auszustatten. „Sie ruinieren die Kunsthochschule Kassel, Herr Präsident!“ ist der Brief überschrieben. Eine Reaktion hat er nicht erhalten.

Der Trickfilmer (41) hat nach fünf Jahren „entnervt und zermürbt das Handtuch geworfen“ und zum 31.3.10 seine halbe Stelle gekündigt (die HNA berichtete). Hykades Kritikpunkte: Das Rektorenamt der Kunsthochschule habe nicht die notwendigen Kompetenzen (etwa die Vertretung der Kunsthochschule nach außen).

Nicht konkurrenzfähig

Die Kunsthochschule sei finanziell so unzureichend ausgestattet, dass sie ihre Konkurrenzfähigkeit mit anderen Kunsthochschulen einbüße (siehe Hintergrundartikel).

Die Uni-Leitung verhindere, dass die Kunsthochschule Personalentscheidungen treffen kann, obwohl all das seit Jahren vom Kunsthochschulrat gefordert wird. In verschiedenen Sitzungen, etwa am 7.5. 2008 in Anwesenheit Postleps, habe dieser Rat eine bessere Ausstattung und die Stärkung der Teilautonomie der Kunsthochschule gefordert, um konkurrenzfähig zu bleiben. Im Gegenteil sei die Kreativschmiede an der Menzelstraße ausgeblutet, tauche in keinem bundesweiten Uni-Ranking mehr auf. Hykade kommt zu dem Schluss, die Universitätsleitung habe kein Interesse, die Kunsthochschule nachhaltig zu stärken.

Der renommierte Trickfilmer, der 2007 mit einer Werkschau im New Yorker Museum of Modern Art zu Gast war, bemängelt ferner, dass über Jahre seine Vorschläge von der Uni-Leitung ignoriert worden seien. In seiner Kündigung vom April 2009 hatte Hykade an Postlep geschrieben: „Die Einrichtung einer Werkstatt inklusive Werkstattleiter zusätzlich zu den bestehenden Kapazitäten und eine eindeutige Anhebung der Professorengehälter sind aus meiner Sicht die Grundvoraussetzungen, um eine solche Zukunftsperspektive zu ermöglichen.“

Dieser Vorschlag sei fast ein Jahr unbeantwortet geblieben, erst im Februar 2010 habe Postlep geschrieben, er werde diese Fragen mit Hykades Nachfolger diskutieren. Typisch, so der Trickfilmer. Konstruktive Zusammenarbeit sei ihm vom Präsidium zugesichert, aber nicht eingehalten worden.           

Von Bettina Fraschke

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