Landgericht bestätigt Entscheidung

Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung: Für Notwehr gab es Freispruch

Kassel. Nach einer Messerstecherei in der Drogenszene auf dem Lutherplatz bleibt es beim Freispruch für einen 43-Jährigen. Das Landgericht bestätigte am Dienstag eine Entscheidung des Amtsgerichts vom Juli 2012.

In der ersten Instanz war das Gericht davon ausgegangen, dass der Angeklagte in Notwehr ein Klappmesser gezogen und deshalb nicht wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt werden kann. Da die Staatsanwaltschaft gegen diese Entscheidung in Berufung gegangen war, musste die Sache erneut verhandelt werden.

An einem Augusttag im Jahr 2011 hatte es zwei Begegnungen zwischen dem Angeklagten und dem von ihm später verletzten 41-Jährigen gegeben. Zunächst war es zu einer „Meinungsverschiedenheit“ zwischen den beiden gekommen. Der 41-Jährige gab dem Angeklagten dabei eine Ohrfeige. Am Abend, so berichteten die beiden am Dienstag übereinstimmend, hätten sie die Sache klären wollen. Sie trafen sich auf dem Lutherplatz, beide unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen.

Das Gespräch geriet wieder außer Kontrolle. Der Angeklagte gab zu, dass er dem 41-Jährigen eine Bierflasche auf den Kopf geschlagen hat. Darauf packte der andere einen Stein und „ging wie von der Tarantel gestochen auf mich los“.

Er habe „Angst um mein Leben“ gehabt, sagte der Angeklagte am Dienstag. Rückwärtsgehend habe er versucht, dem Angreifer auszuweichen – bis er mit dem Rücken zu einem Baum gestanden habe. „Da habe ich zugestochen.“ Der 41-Jährige bekam drei Stiche ab, einer davon war lebensgefährlich, weil der Brustraum dadurch geöffnet wurde. Der bisher nicht vorbestrafte Angeklagte tauchte nach dem Vorfall zunächst unter, wenig später stellte er sich der Polizei.

Der 41-Jährige sagte am Dienstag, die beiden hätten ihren Streit auf dem Lutherplatz beilegen können, „alles war in Ordnung“. Als er jedoch gehen wollte, habe der Angeklagte ihm die Flasche über den Kopf gezogen. Darauf sei er auf den Angreifer losgegangen und habe die drei Stiche abbekommen. „Von da an weiß ich nichts mehr.“ Zeugen, die die Auseinandersetzung beobachtet hatten, gaben vor Gericht an, dass der 41-Jährige äußerst aggressiv gewesen und den Angeklagten „massiv bedrängt“ habe. Der 41-Jährige sei „total breit“ gewesen und habe sich kaum auf den Beinen halten können.

Die Berufungskammer des Landgerichts kam am Ende zu dem Ergebnis, dass es dem Angeklagten nicht widerlegt werden könne, dass er in Notwehr gehandelt hat. Der tatsächliche Ablauf der Auseinandersetzung sei ohnehin nicht zu rekonstruieren. Nach den Zeugenaussagen könne es durchaus der Fall gewesen sein, dass der 41-Jährige den Angeklagten angegriffen und ihn in die Notwehrsituation gebracht hat. Deshalb bleibt es bei dem Freispruch.

Von Ralf Pasch

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