Corona-Lockdown

Steuerberater in Kassel kritisieren: Corona-Hilfe kommt nur schleppend an

Auch in Kassel warten noch viele Geschäftsbetreiber auf die Novemberhilfen gegen Notlagen in Corona-Zeiten. Bürokratische Hürden bremsen die Auszahlung.

Kassel – Die finanziellen Corona-Hilfen für in Not geratene Betriebe kommen nur schleppend bei den Betroffenen an. Dies liege an den bürokratischen Hürden, heißt es auf HNA-Anfrage von Steuerberatern. Um Betrug zu verhindern, sind diese neben Anwälten und Wirtschaftsprüfern die Einzigen (ausgenommen sind Soloselbstständige), die diese Leistungen des Bundes für Firmen beantragen dürfen. Entsprechend hoch ist die Auslastung in den Kanzleien aktuell.

„Die Bundesregierung verspricht, alle Betroffenen erhalten schnell und unbürokratisch Hilfe. Das Verfahren ist aber weder schnell noch unbürokratisch. Viele Firmen haben keine Reserven, aber das Geld kommt nicht an“, sagt der Steuerberater Martin Wollenhaupt von der Kasseler Kanzlei Wollenhaupt & Däschner. Er kritisiert, die Beantragung sei mit einem zu großen Verwaltungsaufwand verbunden. Dieser sei neben dem normalen Geschäft schwer zu leisten. Hinzu komme, dass die Novemberhilfe erst seit 25. November beantragt werden könne.

Corona in Kassel: Viele Steuerberater helfen keinen Neukunden

Dass die Steuerberater unter großem Druck stehen, bestätigt der Hauptgeschäftsführer der Steuerberaterkammer Hessen, Georg Hartmann. Die aufwendige Prüfung, ob Mandanten überhaupt einen Anspruch haben, dauere bei Neukunden besonders lang, weshalb viele Steuerberater nur bestehende Mandanten bei der Beantragung unterstützten. „Bei Fehlern schwebt das Damoklesschwert des Subventionsbetrugs oder der Beihilfe dazu über einem“, so Hartmann.

Probleme bereiten den Steuerberatern auch die Fristen. So müssen für das Programm der Überbrückungshilfen sowie der Novemberhilfen bis Ende Januar die Anträge vorliegen. „Das ist zusätzlich zu den normalen Steuererklärungen, die bis Ende Februar abzugeben sind, schwer zu schaffen“, sagt Wollenhaupt.

Auch in Kassel warten noch viele Geschäftsbetreiber auf die Novermberhilfen gegen Notlagen in Corona-Zeiten. Bürokratische Hürden bremsen die Auszahlung. (Symbolbild)

Corona in Kassel: Viele Betroffene habe keine Ahnung, wann und wieviel Geld sie bekommen

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte Anfang November angekündigt, es solle bis Ende November zumindest anteilige Zahlungen geben.

Betroffene Kasseler Betriebe und Soloselbstständige haben bisher nur vereinzelt eine Abschlagszahlung auf die Novemberhilfen in Aussicht gestellt bekommen, wie eine Umfrage der HNA ergab. Die meisten haben keine Perspektive, wann und in welcher Höhe sie unterstützt werden. Während Gastronomen die Durststrecke mit Außer-Haus-Verkauf zu überbrücken versuchen, haben Branchen wie Kinos, Kultur, Kosmetik- und Fitnessstudios gar kein Geschäft. (Bastian Ludwig/ Axel Schwarz)

Corona: Diese Hilfen können beantragt werden

Bei der Bundesregierung können unterschiedliche Hilfen beantragt werden. Aktuell läuft zum einen das Programm Überbrückungshilfen II. Mittelständler und kleine Firmen erhalten darüber direkte Zuschüsse zu ihren Fixkosten, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Zudem gibt es außerordentliche Wirtschaftshilfen für November und Dezember für von Schließungen betroffene Firmen, Selbstständige und Vereine. Hier gibt es 75 Prozent vom Umsatz des Vorjahresmonats.

Steuerberater mit Kapazitäten sind zu finden über die Steuerberaterkammer Hessen.

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich

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