NS-Opfer war angesehene Persönlichkeit

NS-Opfer Felix Blumenfeld: Er sorgte sich um notleidende Kinder

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Der Personalausweis von Dr. Felix Blumenfeld aus dem Jahr 1939.

Kassel. Er war ein beliebter und erfolgreicher Kinderarzt, eine verdiente und wohltätige Persönlichkeit der Kasseler Gesellschaft. Dass die Nazis ihn wegen seines jüdischen Glaubens verfolgen und mit dem Tod bedrohen würden, war für Dr. Felix Blumenfeld lange unvorstellbar.

Bis er von den Nazischergen zunehmend gequält und erniedrigt wurde.

Bereits 1933 wurde ihm verboten, weiter als Arzt zu arbeiten, stattdessen zwangen sie den über 60-Jährigen, seinen Lebensunterhalt auf städtischen Schuttabladeplätzen mit Schrottsammeln und Müllsortieren zu verdienen.. Am 25. Januar 1942 entschied sich Felix Blumenfeld, freiwillig aus dem Leben zu scheiden.

Es war um 1900, als sich der 1873 in Gießen geborene Mediziner in Kassel als Kinderarzt niedergelassen hatte. Seine erste Praxis hatte er an der Querallee 38. Später praktizierte er in der Innenstadt, im Nahl’schen Haus an der Oberen Königsstraße 41. Im Jahr 1909 wurde Blumenfeld der erste Chefarzt des Kinderkrankenhauses Park Schönfeld, das er auch gegründet hatte.

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Aus Zeugnissen und zeitgenössischen Dokumenten geht hervor, dass Blumenfeld ausgesprochen kompetent und hilfsbereit war. Er sei über die Grenzen Kassels bekannt gewesen, heißt es.

Blumenfeld war Mitglied in zwei Freimaurer-Logen, er vertrat vier Jahre lang die linksliberale Deutsche Demokratische Partei in der Kasseler Stadtverordnetenversammlung und er engagierte sich in vielen Vereinen.

In der von ihm gegründeten Milchküche an der Oberen Fuldagasse wurde gesunde Babynahrung hergestellt und in Flaschen verkauft. Die Küche sollte dazu beitragen, die hohe Säuglings- und Kindersterblichkeitsrate in Kassel zu mindern. Als Blumenfeld die Küche 1929 der Stadt schenkte, sprach ihm der Magistrat eine Anerkennung aus.

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Dieser hoch geschätzte Mann, in dessen Haus am Mulang angesehene Kaufleute, Industrielle, Bankiers und Spitzenbeamte ein- und ausgingen, wurde ab 1933 schlagartig geächtet. Er durfte nicht mehr im Krankenhaus arbeiten und musste seine Praxis schließen. Sein Eigentum einschließlich der umfangreichen Bibliothek wurde beschlagnahmt. Seinen Söhnen Gerd und Edgar gelang es, 1938 über unterschiedliche Wege aus Deutschland zu fliehen. Später übersiedelten sie mit ihren Familien in die USA, wo sie den Namen Bloomfield annahmen. Dem Vater drohte in Nazi-Deutschland die Deportation. Am 25. November 1942 nahm sich der Arzt, der so vielen Kasseler Kindern geholfen hatte, das Leben.

In Harleshausen ist eine Straße nach Felix Blumenfeld benannt. (chr/tos)

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