Mordfall Yozgat

Im NSU-Prozess sagte am Dienstag ein Kasseler Kripobeamter aus

München/Kassel. Der Mord in Kassel an Halit Yozgat beschäftigt immer wieder das Münchener Oberlandesgericht. Im NSU-Prozess spielt es eine wichtige Rolle, wer am 6. April 2006 am Tatort von einem Zeugen gesehen wurde.

Die Beschreibung könnte auf die NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt passen – aber auch auf Andreas T., einem früheren Verfassungsschützer aus Hofgeismar.

Unbestritten ist, dass sich Andreas T. zur Tatzeit am Tatort aufhielt. Anwesend im Intenetcafe war auch Hamadi S. Er stand in einer Telefonkabine, nicht weit von dem Tresen entfernt, hinter dem Yozgat erschossen worden war.

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Dieser Hamadi S. sei also ein wichtiger Zeuge, notierte der Gerichtsreporter der Süddeutschen Zeitung gestern. Nur: Er lebt nicht mehr in Kassel, sondern im Irak. Und darum musste gestern in München ein Kasseler Kripobeamter aussagen, der Hamadi S. nach dem Mord an Halit Yozgat als Zeuge verhört hatte. Der Polizist bezeichnete die Angaben des Irakers als glaubwürdig. Demnach kam Hamadi S. in das Internetcafe, um zu telefonieren. Er stand dabei zur Wand, habe daher den Täter nicht kommen sehen. Der Iraker nahm dann offenbar aber einige merkwürdige Geräusche wahr. Er hörte unter anderem einen dumpfen Knall und Laute, die sich anhörten, als würden Luftballons zerplatzen. Dabei könnte es sich um Schüsse gehandelt haben.

Der Zeuge will dann auch einen Mann gesehen haben, der den Laden verließ. Die Beschreibung: Ewa 1,80 Meter groß, kräftig mit heller Kleidung und möglicherweise langen Haaren. Diese sehr allgemeine Berschreibung könnte auch auf die NSU-Terroristen Mundlos und Böhnhardt zutreffen - obwohl sie wohl keine langen Haare trugen. Sie könnte in ihrer Allgemeinheit aber auch auf den Verfassungsschützer Andreas T. passen.

Andreas T. hielt sich im dem Laden auf, um im Internet zu chatten. Bis heute scheint seine Rolle nicht vollends geklärt. Andreas T. beteuert stets, er habe von dem Mord an Halit Yozgat nichts mitbekommen. Das wiederum halten die Vertreter der Nebenkläger, also der Hinterbliebenen der Opfer, für unwahrscheinlich. Hamadi S. hatte bei der Polizei angegeben, er habe den toten Halit Yozgat nicht hinterm Tresen liegen gesehen. Das konnte er womöglich auch nicht, denn Hamadi S. ist klein. Andreas T. ist größer. (tho)

Rubriklistenbild: © dpa

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