Kasseler Amtsgericht verhandelt über Schlagstock-Prügel am Mattenberg

Null Erklärung für Attacke

Kassel. „Helfersyndrom?“, hakte die Richterin nach. Es klang, als frage sie sich, ob der junge Kasseler ganz links auf der Anklagebank das Wort wirklich gesagt haben konnte. Der nämlich hatte erklären sollen, warum er im November 2012 spät abends am Kasseler Mattenberg mit einem Teleskopschlagstock auf einen etwas älteren Kasseler eingedroschen hat.

Er könne es nicht erklären, war die Antwort - und dann noch: „Helfersyndrom. Weiß nicht.“

Dass er den Nebenkläger prügelte, hatte der junge Mann zuvor zugegeben. Er hatte berichtet, er sei an jenem Tag schwer angetrunken mit dem neben ihm sitzenden zweiten Angeklagten am Bahnhof Oberzwehren eingetroffen.

Dort hätten sie den ganz rechts sitzenden dritten Angeklagten getroffen. Der habe zum Nebenkläger fahren wollen.

Versionen der Wahrheit

Einige Zeit zuvor habe der Angeklagte Nr. 3 berichtet, der Nebenkläger habe ihn „abstechen wollen“, erzählte Angeklagter Nr. 1. Er selbst habe dann am fraglichen Abend beim Nebenkläger geklingelt und behauptet, dessen Auto sei angefahren worden. Der Mann sei mit auf die Straße gekommen – und dann geflohen, als er, Nr. 1., seinen „Tele“ zückte. Er und Nr. 3 hätten den Mann verfolgt: „Und dann hab’ ich halt auf ihn eingeschlagen.“

Angeklagter Nr. 3 bestätigte nur wenig von dieser Version der Geschehnisse. Er will bei der Attacke gar nicht dabei gewesen sein. Nur vom Stress mit dem Nebenkläger habe er Nr. 1 irgendwann mal erzählt.

Angeklagter Nr. 2 wiederum erklärte der Richterin, dem Schöffen und der Schöffin, er sei an jenem Abend „krass benebelt“ gewesen - und lediglich irgendwann mit den anderen hinter dem Nebenkläger hergerannt.

Der Nebenkläger hatte an jenem Novemberabend etliche Verletzungen davongetragen und war über Nacht im Krankenhaus gelandet. In der Anklage ist die Rede von Traumatisierung. Vor Gericht wirkte der Mann sehr nervös. Mal war er sich sicher, dass er Nr. 3 als Verfolger erkannt hatte – mal nicht so. Andere Zeugen aber sagten aus, er habe den Namen im November 2012 sofort genannt. Ob er sich den Überfall erklären könne, wurde der Nebenkläger gefragt. Die Antwort: „Mit so was habe ich nicht gerechnet. Null.“ Der Angeklagte Nr. 3 fange „ohne Grund“ mit jedem Streit an, berichtete er allerdings.

Neun Zeugen und Zeuginnen befragte das Gericht insgesamt, hörte Bewährungshelfer und die Jugendgerichtshilfe, besah sich die Vorstrafenregister der drei Angeklagten.

Fortsetzung am 12. Februar

Anschließend wurde die weitere Verhandlung auf den 12. Februar vertagt. Dann könnte auch das Urteil fallen. Kommt es zum Schuldspruch, könnte für die Angeklagten Nr. 1 und Nr. 2 noch Jugendstrafrecht angewendet werden. Nr. 3 war schon 2012 zu alt dafür.

Von Katja Schmidt

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