Günstigere Solidaritäts-Tickets erhältlich

Festival mit Milky Chance: Veranstalter wehren sich gegen Kritik – „Wir sind regional statt Schickimicki“

Sie betreiben Gut Kragenhof: Die Geschwister Julian Merz (von links), Katharina Stark und Nicolas Merz. Vom 19. bis 23. August veranstalten sie mit dem Verein „Kultur am Kragenhof“ das „Andere Welt“-Festival.
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Sie betreiben Gut Kragenhof: Die Geschwister Julian Merz (von links), Katharina Stark und Nicolas Merz. Vom 19. bis 23. August veranstalten sie mit dem Verein „Kultur am Kragenhof“ das „Andere Welt“-Festival.

Das geplante „Andere Welt“-Festival mit Milky Chance auf Gut Kragenhof hat viele Reaktionen hervorgerufen. Die Veranstalter reagieren nun auf die Kritik.

Kassel – Viele Musik-Fans aus der Region freuen sich jetzt schon auf das „Andere Welt“-Festival auf Gut Kragenhof. Doch unsere Ankündigung, dass vom 19. bis 23. August Künstler wie Milky Chance auf der Halbinsel in der idyllischen Fulda-Schleife auftreten, hat nicht nur für positive Reaktionen gesorgt.

Leser kritisierten eine angebliche Verschwendung von Steuergeld, weil das Land Hessen das neue Festival mit 400.000 Euro fördert. Sie sorgen sich um die Lebensräume von Tieren und Pflanzen. Eine Leserin kündigte gar an, Produkte von Gut Kragenhof zu boykottieren, da es nur Dauerkarten für 200 Euro gibt und das Festival lediglich auf die Bedürfnisse der „Premium-Bio-Klasse“ zugeschnitten sei.

Veranstaltungen während der Corona-Pandemie: Festival als fünftägiger Kurzurlaub

Auch Patrick Schorn, einer der Organisatoren, hat solche Nachrichten bekommen. 95 Prozent der Reaktionen seien jedoch positiv, sagt der Berliner Filmproduzent. Das negative Feedback kann er nicht verstehen. Kritisiert wird vor allem die Preisgestaltung der Veranstalter. Schorn, sein Geschäftspartner Grischa Sautter und die Familie Merz von Gut Kragenhof, die den Verein „Kultur am Kragenhof“ gegründet haben, hatten sich bewusst dazu entschieden, nur Dauerkarten anzubieten.

Das Festival soll für die Besucher eine Art fünftägiger Camping-Kurzurlaub werden. Man soll eintauchen in die andere Welt, von der Schorn seit einem Filmdreh im vorigen Herbst fasziniert ist. Zudem werde so verhindert, dass sich täglich neue Tagesbesucher treffen und das Coronavirus weitergeben.

Veranstalter bieten jetzt Solidaritäts-Tickets an

Trotzdem haben die Veranstalter reagiert. Es gibt nun auch Solidaritäts-Dauer-Tickets für 120 Euro. Sie sind ohne Nachweis (etwa eine Studienbescheinigung) buchbar. Die Organisatoren hoffen darauf, dass jeder ehrlich genug ist. Bislang klappe das prima. Insgesamt sind bislang 100 Karten verkauft. 1000 Besucher sollen kommen. Aus den Eintrittserlösen wird der Eigenanteil von 160.000 Euro finanziert, der Voraussetzung für die Landesförderung von 400.000 Euro aus dem Programm „Ins Freie!“ ist. Eine ähnlich hohe Summe hat auch das Kulturzelt erhalten. Kleinere Beträge gab es für viele andere Initiativen in Kassel.

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Mit dem Zehn-Millionen-Euro-Programm „Ins Freie!“ unterstützt das hessische Kunstministerium Freiluftspielstätten, damit Künstler wieder auftreten können. Laut einem Ministeriumssprecher werden mehr als 100 Festivals gefördert. Sechs Initiativen bekommen jeweils knapp 400.000 Euro oder mehr. Das Geld, das aus dem Sondervermögen zur Bekämpfung der Corona-Folgen stammt, kommt Künstlern und Beschäftigten zugute. Was übrig bleibt, muss zurückgezahlt werden. Auch ein Kulturprogramm der Stadt Kassel wird durch das Kultusministerium gefördert.

Festival in der Region Kassel: Veranstalter setzen sich für Naturschutz ein

„Wir machen das nicht, um Geld zu verdienen“, sagt Schorn. „Wir sind regional statt Schickimicki.“ Julian Merz, der mit seiner Familie Gut Kragenhof bewirtschaftet, verweist auf die enge Zusammenarbeit mit den Behörden, die für den Naturschutz zuständig sind. Selbst Autos werden auf der Halbinsel nicht erlaubt sein.

Schorn wiederum hat seine Produktionsfirma Friendship Films nach Gut Kragenhof verlegt. Auch damit will er die Region fördern. Der 35-Jährige überlegt sogar, ganz nach Nordhessen zu ziehen. Nach dem Festival will er mit dem neuen Verein noch mehr Kultur organisieren. (Matthias Lohr)

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