Museumswoche machte noch mehr Lust auf die documenta

So abwechslungsreich war die Museumswoche Kassel

Entdeckung im Schillerviertel: Dalia Velandia (Mitte) stellte in der Galeria Kollektiva von Lennart Hoppe (links) und Jascha Götting gebrauchte Textilien aus, die sie für ihre Installation zusammenflechtete.
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Entdeckung im Schillerviertel: Dalia Velandia (Mitte) stellte in der Galeria Kollektiva von Lennart Hoppe (links) und Jascha Götting gebrauchte Textilien aus, die sie für ihre Installation zusammenflechtete.

Zum zweiten Mal gab es in Kassel wegen Corona nur eine Museumswoche statt einer -nacht. Das Konzept ging auf. Nur das schöne Wetter hielt manche ab.

Kassel – Mit diesem Konkurrenten konnte man nach den vielen verregneten Wochen nicht unbedingt rechnen: Ausgerechnet zur Museumswoche, die die Kasseler in Museen und Galerien lockte, meldete sich der Sommer zurück. Weil viele Menschen die Sonne genießen wollten, kamen nicht ganz so viele Besucher zu der viertägigen Veranstaltung. Trotzdem war die Museumswoche, die in der Pandemie zum zweiten Mal die Museumsnacht ersetzte, wieder ein Gewinn.

Das vorläufige Fazit: Kulturdezernentin Susanne Völker freute sich gestern bereits sehr. Bis Samstagabend hatten die Veranstalter nach drei Tagen 4300 Besuche gezählt. Zum Vergleich: Im Vorjahr gab es an sechs Tagen 10 000 Besuche. „Es geht hier aber nicht um Rekorde“, sagte Völker: „Wegen Corona war es unser Ziel, das Angebot zu entzerren, damit man sich sicher und wohl fühlt.“ Das ist gelungen. 47 Institutionen nahmen teil – mehr als bei der letzten Museumsnacht vor zwei Jahren.  

Die Tattoos: Lena Pralle von der Museumslandschaft Hessen Kassel stellte gestern eine „etwas verhaltene Besucherresonanz“ fest. Aber diejenigen, die etwa in die Neue Galerie kamen, konnten einiges erleben und sahen anschließend anders aus als vorher. So konnten sich die Besucher temporäre Tattoos auf die Haut malen lassen. Das kam ebenso gut an wie die Aquarell-Malwerkstatt für Kinder sowie die virtuelle Welt im Landesmuseum, die Surfen und Rafting möglich machte.

Das Autohaus: Wo früher Autos verkauft wurden, kann jetzt Kunst bestaunt werden. Wegen der früheren Nutzung haben die Kunststudenten ihre neue Galerie im Königstor „Autohaus Autohaus“ genannt. Ihre zweite Ausstellung, die dort noch bis zum 10. September zu sehen ist, heißt passenderweise „Leasing Vol 2“. Zwischen den vielen Galerien der Südstadt und dem Vorderen Westen gibt es damit einen weiteren Anlaufpunkt für Kunst-Fans. Mitgründerin Katja Lonzeck findet die Lage gut, weil man hier „von allen Seiten gut erreichbar ist“. Auch ohne Auto.

Die Tänzerin: Nach Kassel gekommen ist die Kolumbianerin Dalia Velandia vor vier Jahren, um sich bei „Sozo Visions in Motion“ als Tänzerin ausbilden zu lassen. Daneben macht sie auch Kunst. In der neuen Galeria Kollektiva zeigte sie ein im gesamten Raum hängendes Geflecht aus alten Klamotten. Denn in ihrer Heimat hat man kein Geld, sich ständig neue Sachen zu kaufen. Darum recycelt man viele Dinge. Die Galerie Kollektiva hatten Tim Schwedes, Jascha Götting und Lennart Hoppe kurz vor dem ersten Lockdown in der ehemaligen Galerie Loyal eröffnet. Nun war hier zum ersten Mal richtig was los. „Es ist voll cool, dass wir bei der Museumswoche mitmachen durften“, sagte Götting.

Die documenta: Gut gefüllt war am Samstagabend der Biergarten am Hallenbad Ost, wo die Band Soul Mates spielte. Auch an den Tagen vorher begrüßte Architekt Marc Köhler zahlreiche Besucher. Die Kasseler sind neugierig geworden auf das ehemalige Hallenbad in Bettenhausen, das Köhler und seine Kollegen Keivan Karampour und Thomas Meyer umgebaut haben und das gerade als documenta-Standort vorgestellt wurde. Viel Trubel war auch im Ruru-Haus in der Treppenstraße, das die künstlerischen Leiter der documenta zum Wohnzimmer für alle erklärt haben. In der ehemaligen Sport-Arena fühlt man sich tatsächlich sofort wohl. Am Samstag konnten Besucher hier eigene Bücher anfertigen. Ruangrupa-Mitglied Reza Afisina legte Reggae auf. Andere spielten Tischtennis und fuhren Rollschuh. Nicht nur deshalb hat diese Museumswoche dafür gesorgt, dass man sich jetzt noch mehr auf die nächste documenta freut. (Matthias Lohr)

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