Viele Besucher guckten nur und kauften nicht

Technorama 2020 in Kassel: Nur halb so viele Besucher wie sonst

Teures Schmuckstück: Detlef Kroh von der Automobilmanufaktur Kassel mit einem Jaguar E-Type Coupé, der 109.000 Euro kosten soll.
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Teures Schmuckstück: Detlef Kroh von der Automobilmanufaktur Kassel mit einem Jaguar E-Type Coupé, der 109.000 Euro kosten soll.

Endlich wieder Oldtimer-Feeling: Als erste Messe bundesweit nach dem Corona-Lockdown öffnete die Technorama in Kassel. Es kamen aber nur halb so viele Besucher wie sonst.

Kassel – Jonny Breitbarth aus Staufenberg ist heilfroh, dass Oldtimer-Fans wie er wieder in die Kasseler Messehallen dürfen. Wegen Corona war die Technorama-Messe zwei Mal verschoben worden. Am Wochenende fand sie bundesweit als erste Veranstaltung der Branche wieder statt. Darum strahlte Besucher Breitbarth und sagte mit Augenzwinkern: „Eigentlich ist alles wie immer. Ich will nur mal gucken und habe schon mehrere Schmuckstücke entdeckt. Aber meine Frau spielt da nicht mit.“

Abgesehen von Ehefrauen, die die Liebe ihrer Partner zu Oldtimern nicht grenzenlos teilen, war bei der 36. Auflage der Technorama allerdings doch nicht alles wie immer. Statt 15 000 Besuchern wie sonst kamen unter Hygienebedingungen nur 7500 Menschen zu der dreitätigen Veranstaltung, weniger als erwartet. In elf Hallen waren 150 Auto-Klassiker von 400 Ausstellern sowie zahlreiche Ersatzteile und Zubehör zu entdecken.

Viele werten das als wichtiges Zeichen in schwierigen Zeiten. „Wir müssen die Leute daran erinnern, dass es uns noch gibt“, sagt Detlef Kroh von der Automobilmanufaktur Kassel. Bis Donnerstag war Organisator Jens Güttinger nur damit beschäftigt, Nachrichten zu beantworten, in denen er gefragt wurde, ob die Messe wirklich stattfindet. Der Schwabe lobt vor allem Oberbürgermeister Christian Geselle: „Er hat unheimlich Gas gegeben und es möglich gemacht.“ Die Technorama wird auch in den nächsten Monaten bundesweit die einzige Oldtimer-Messe sein, die stattfindet.

Aber nicht nur die Besucherzahl hat sich verändert, sondern auch das Kaufverhalten, wie Kroh von der Automobilmanufaktur festgestellt hat: „Die Menschen überlegen, ob sie nächsten Monat noch einen Job haben. Lediglich die Nachfrage im Hochpreissegment jenseits von 500 000 Euro ist unverändert. Die Menschen, die sich das leisten können, juckt die Krise nicht.“

Kroh ging davon aus, dass er bis Sonntagabend keinen einzigen Wagen verkaufen würde. Andere wollten das auch gar nicht. Passend zum Tag der Deutschen Einheit präsentierte Jörg Cox von den Simson-Freunden Hofgeismar einen Trabant 601 der Volkspolizei aus dem Jahr 1986. „Den würde ich nie verkaufen. Erst bei einer Million Euro würde ich überlegen“, sagt der Regiotram-Fahrer.

Von Matthias Lohr

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