Schuldezernat

Gegen Corona: Stadt Kassel bezieht deutlich Stellung zu Luftfiltern in Schulen

Präsentieren das neue Luftfiltergerät der Fridtjof-Nansen-Schule (von links): Björn Sjuts, Vorsitzender Schulförderverein, Elternbeiratsvorsitzender Michael Siegl, Jörg Ludwig Jordan, Christian Wedler. Vorne Elisabeth, Fredi, Frida, Schulleiterin Claudia Laaber
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Initiativ geworden: Der Förderverein der Fridtjof-Nansen-Schule hat mithilfe von Sponsoren Luftfiltergeräte angeschafft.

Wie sollen Schüler im Winter vor Aerosolen mit dem Coronavirus im Klassenraum geschützt werden? Das sagt die Stadt zu Filtergeräten in Schulen.

Kassel – In vielen Schulen reagiert man auf die Corona-Ansteckungsgefahr, indem Unterricht bei geöffneten Fenstern und Türen stattfindet. Durch gründliches Lüften sollen die Aerosole (feinste Partikel) aus der Raumluft eliminiert werden. Wie aber soll das in den kalten Monaten geschehen?

„Lüften ist auch in der kalten Jahreszeit der bessere Schutz vor einer Übertragung von Corona“, sagt dazu Schul- und Gesundheitsdezernentin Ulrike Gote (Grüne). Sie reagiert damit auf die jüngsten Diskussionen über den Einsatz mobiler Luftfiltergeräte zum Schutz vor einer Infektion.

Die Kasseler Schul- und Gesundheitsdezernentin, Stadträtin Ulrike Gote (Grüne).

Lüften oder Luftfilter gegen Corona? Kasseler Schulförderverein hat selbst Filtergeräte gekauft

Die Kasseler Fridtjof-Nansen-Schule (FNS) hatte sich mithilfe des Schulfördervereins Luftfiltergeräte angeschafft. Gote: „Die Stadt Kassel wird aus fachlichen Gründen derartige Geräte für Schulen weder anschaffen noch ihren Einsatz empfehlen.“ Eine Notwendigkeit, die Hygienemaßnahmen an Schulen durch mobile Luftfilteranlagen zu ergänzen, lasse sich „aus epidemiologischer Sicht nicht begründen“.

Zur Wirksamkeit der aufgestellten Geräte gibt Stadtbaurat Christof Nolda zu bedenken, dass notwendige Zertifikate und Nachweise fehlten. Der Einsatz berge „sogar Gefahren“. Ungenügende Filtertechnik könnte Aerosole verteilen und gesundheitsgefährdend sein.

Lüften oder Luftfilter gegen Corona? Mikrobiologe widerspricht der Stadt Kassel

Dem widerspricht der Kasseler Mikrobiologe Dr. Normann Günther: „Es stehen handelsübliche Geräte zur Verfügung, die mittels Hepa-Filter, Ionisation oder UV Strahlung die Virenlast und damit das potenzielle Risiko erheblich reduzieren können.“ Das schließe Vorkehrungen wie Lüften und das Tragen von Masken nicht aus. Günther verweist auf Untersuchungen der Bundeswehr-Universität, wonach eine Reduktion von Viruspartikeln in der Raumluft durch mobile Geräte möglich ist.

Für den Einsatz von Luftfiltern an Schulen plädierte jüngst auch der SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe Karl Lauterbach. „Im Winter wird es nicht mehr möglich sein, auf die Lüftungsmenge zu kommen, die nötig ist, um den Schulbetrieb sicher zu machen“, sagte er. Filtergeräte könnten daher eine Lösung sein.

Lüften oder Luftfilter gegen Corona? Schuldezernentin empfiehlt CO2-Ampeln

Schul- und Gesundheitsdezernentin Ulrike Gote hält die Anschaffung von CO2-Ampeln zur Anzeige, wann gelüftet werden muss, für Schulen im begrenzten Rahmen für sinnvoll, um Lehrer und Schüler für das Thema zu sensibilisieren: „Die Ampeln können das Bewusstsein schärfen für die Notwendigkeit, regelmäßig die Fenster zur Stoßlüftung zu öffnen. Darüber hinaus können sie im Unterricht zum Thema gute Luft als Anschauungsobjekt genutzt werden.“ (Christina Hein)

Das Papier zu mobilen Luftreinigern von Dr. Normann Günther gibt es hier.

Die Studie der Bundeswehr zum Thema Lüften finden Sie hier.

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